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DOG SHOW Lecko mio!

10.11.2017

World Dog Show in Leipzig: Bei einem Rundgang über die größte Hundeschau der Welt begegnet Gast-Kolumnist Titus Arnu seltenen Rassen wie dem Xoloitzcuintle, wird von liebesbedürftigen Labradoren abgeknutscht und staunt über die Flugeigenschaften von Schäferhunden

Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde! Der Lieblingsfluch von Käpt’n Haddock aus „Tim und Struppi“ fällt einem spontan ein, wenn man die Messehalle in Leipzig betritt. Es wimmelt von Hunden, manche so groß wie Kälber, andere so klein wie Meerschweinchen. Ein bulliger Mastino-Rüde lässt sich von einem kleinen Mädchen am Kinn kraulen, ein Gespann von fünf Rottweilern zieht ein winziges Frauchen, das wahrscheinlich weniger wiegt als ein Exemplar dieser Rasse. In der Warteschlange vor dem Podium, wo die „German Winners“ gekürt werden, kommt es zu einer Keiferei zwischen zwei White Highland Terriern und einem Rudel Havaneser.

Als Katze bekäme man hier den Schock des Lebens. Zum Glück bin ich Hundefreund. Ich bin da nicht ganz unbeleckt, dafür sorgt zuhause mein schlabberfreudiger Labrador-Mischling Bruno. Aber mit Rassehundeschauen in dieser Größenordnung hatte ich bisher nichts am Hut. Wahrscheinlich hat auch sonst noch keiner einen so großen Hunde-Haufen gesehen. Denn es handelt sich um die bis dato größte Zuchtshow der Welt. Hunderttausend Hunde sind es zwar nicht, die wenigsten von ihnen heulen und jaulen, aber die Veranstalter der World Dog Show und der German Winners haben insgesamt 31115 vierbeinige Teilnehmer registriert. Apropos Haufen: „Leipzig wird zum größten Hundeklo der Welt“, titelte eine sächsische Regionalzeitung. Das ist natürlich üble Nachbellerei, denn die aus der ganzen Welt angereisten Züchter bemühen sich redlich, das Messegelände sauber zu halten. Und Hunderte weiße Betonsäulen in den Hallen wurden sorgfältig mit Frischhaltefolie abgeklebt.

Berührungspunkte findet man schnell auf dieser kynologischen Kontaktbörse. Bleibt man an einem der Stände stehen, hat man innerhalb kürzester Zeit die feuchte Schnauze eines liebesbedürftigen Labradors an der Hand. Lecko mio! Man könnte stundenlang durch die Hallen streunen und staunen – etwa über seltene Rassen wie den Xoloitzcuintle, einen Nackthund aus Mexiko, den Haldenstövar, einen Jagdhund aus Norwegen, oder den Thai Bangkaew, der aussieht wie ein Schlittenhund, aber von buddhistischen Mönchen in Südostasien gezüchtet wurde. 334 der fast 400 anerkannten Hunderassen sind in Leipzig versammelt.

Faszinierend, wie cool die meisten Tiere in diesem Tohuwabohu bleiben. Während auf der Showbühne Border Collies einem Tennisball hinterher flitzen, fläzt neben der Bühne ein total entspannter Pyrenäenberghund, sein Herrchen verspeist gerade ein Stück Torte. Beinahe hätte ich den weißen Wollberg für einen Sitzsack gehalten und mich mit meinem Kaffee in der Hand darauf gesetzt – wahrscheinlich hätte den dösenden Berghund das nicht mal gejuckt. In den engen Gängen drängen sich Besucher vor Ständen mit getrockneten Rindernasen, blinkenden LED-Leinen und glitzerndem Modeschmuck. Ihre Hunde sind unendlich geduldig, schnuppern an entgegenkommenden Artgenossen, ganz selten kommt es zu Geknurre und Gegeifere.

Es sind eher die Menschen, die stressen. Neben dem Ring werden die tierischen Kandidaten emsig gekämmt, getrimmt und geföhnt, manche bekommen Schleifchen und Zöpfchen verpasst. Die Hunde nehmen ja im Prinzip an einem Schönheitswettbewerb teil, das Verhalten wird nicht beurteilt. Die Parade der gepimpten Pudel, Papillons und Pekinesen wirkt aus meiner Sicht fast wie eine Comedy-Show, wird von Züchtern und Richtern aber sehr, sehr ernst genommen. Tierschützer kritisieren solche großen Wettbewerbe, bei denen die Hunde stundenlang in ihren Käfigen warten müssen, bis sie dann ein paar Minuten lang ins Rampenlicht trippeln, um zu zeigen, dass sie die schönsten ihrer Art sind. Die Züchter bekommen dafür Urkunden und Pokale, für die Hunde bedeutet es vor allem: Reiserei und Stress. Zum Glück gibt es rund um die Messe viel Auslauf. Und Actionsport in den Hallen, bei denen sich die Teilnehmer austoben können.

Beim Dog Diving nehmen die Hunde auf einer Rampe Anlauf  und springen dann in ein beheiztes Becken. Mit Hilfe eines elektronischen Messsystems wird die Weite ermittelt, der Weltrekord liegt bei über sieben Metern. Gerade steht ein Bernhardiner am Beckenrand und tastet vorsichtig mit den Pfoten ins Wasser. Er schüttelt sich und verweigert den Absprung. Auch okay. Der nächste, bitte! Schäferhündin Lana kommt, sieht – und fliegt. Ein Naturtalent. 5,60 Meter im ersten Anlauf! Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit. Aber ein großer Sprung für Lana.

World Dog Show & German Winner Show noch bis Sonntag, 12. November 2017 auf dem Messegelände in Leipzig. Weitere Infos auf www.wds2017.de

Hier findet Ihr alle Termine für Hundeleute im November

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