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Balearen Mallorca

Philip Alsen 02.05.2016

Mallorca und Hunde passen nicht recht zusammen. Bis jetzt. DOGS fand neue Pfade auf der beliebten Ferieninsel.

Deutschland ist ein Hundeland. Auch die  Lieblingsinsel der Deutschen ist auf dem Weg dahin. In kleinen Schritten tut sich was. Die engagierte Tiertrainerin Birgit Wahle trägt dazu bei – mit Besonderem für den Hundeurlaub.

Das Castell d’Alaró ist eine alte Burgruine unterhalb des 825 Meter hohen Puig d’Alaró. Wie alt sie ist, weiß niemand genau, wahrscheinlich gab es sie schon vor den Römern.

Acht Jahre soll sie den Angriffen der Mauren, die sie „Burg der Christen“ nannten, standgehalten haben. Später gehörte sie den Arabern, noch später spielte sie eine Rolle bei den spanischen Königskriegen, heute ist sie nur noch ein Ruine – aber eine mit einem bombastisch schönen Ausblick über das Tal, die südöstliche Ebene Mallorcas und, bei guter Sicht, bis Palma. Wer hinauf will, muss laufen. Doch der Aufstieg ist atemberaubend schön. Aus dem kleinen, größtenteils verlassenen Ort Orient hinaus, durch Olivenhaine, Steineichenwälder, schmale Wege entlang des Gebirges. Es ist eine landschaftlich schöne, körperlich nicht wirklich anstrengende Tour. Hin und zurück braucht man etwa drei bis dreieinhalb Stunden.

Wandern auf Mallorca, das ist unter Outdoorfans seit  Jahren ein Geheimtipp. Wandern mit Hund? „Geht neuerdings auch“, sagt die auf der Insel lebende Hundetrainierin Birgit Wahle. Denn es tut sich was im Königreich. Die Spanier sind auf den Hund gekommen, und zwar sprichwörtlich: „Ich habe nicht nur spanische Kunden in der Hundeschule, es gibt mittlerweile mehrere Restaurants, in die man seinen Hund mitnehmen kann“, erklärt Birgit Wahle. Genau hier, im vermeintlichen Hundehasserland?

Agility liegt bei spanischen Hundebesitzern bereits im Trend, Mallorca hat eine eigene Tierschutzpolizei aufgestellt. In drei Parks der Hauptstadt Palma gibt es Hundefreilaufzonen, und im Winter vergangenen Jahres wurde die Buslinie 30, die zum Strandabschnitt Es Carnatge am Flughafen fährt, für die Mitnahme von Hunden freigegeben. Es glich einer Kulturrevolution, als ein Team des mallorquinischen Fernsehens filmte, wie eine junge Frau mit Hund an der Leine den Busfahrer freundlich grüßte. Es war das erste Mal, dass in ganz Spanien ein Hund legal in einen Bus gestiegen ist. Mittlerweile soll es sogar einige Taxifahrer geben, die Hunde mitnehmen. Wohlgemerkt: einige wenige Taxifahrer. Das Gros wird die Frage, ob man einen Hund mit ins Taxi nehmen könne, noch selbstverständlich mit der Gegenfrage beantworten, ob man als Tourist eigentlich glaube, sich alles herausnehmen zu können. „Malditos alemanes!“, verdammte Deutsche!

Wandern auf Mallorca, das ist unter Outdoorfans seit Jahren ein Geheimtipp

Birgit Wahle

Woher aber kommt die noch zarte Hundeliebe? Zum einen ist sie gewiss dem Engagement und der politischen Hartnäckigkeit der Tierschutzvereine Mallorcas zu verdanken, doch auch kaufmännisches Denken spielt eine Rolle. Denn Spanien erlebt, nach dem Einbruch vor vier Jahren, derzeit wieder einen gewaltigen Tourismusboom und ist heute nach Frankreich und den USA das drittbeliebteste Reiseland der Welt. Die Spanier tun alles, um das Geschäft auszubauen, und das ist klug: Der Rest der Wirtschaft läuft so schlecht, dass Ferienlandsein die tragende Wirtschaftssäule ist. Da duldet man selbst ein paar Hunde auf der blanken Caféterrasse.

Wandern mit Hund auf Mallorca, das ist wie ein Überraschungspaket mit tausend Möglichkeiten. Mit 3620 Quadratkilometer Fläche ist die Insel fast eineinhalb mal so groß wie das Saarland. Es gibt elf über 1000 Meter hohe Berge, steile, felsige Küstengebiete, Seitentäler mit Sturzbächen, fruchtbare Täler, in denen Apfelsinen, Zitronen, Tomaten, Bohnen und Wein angebaut werden, eine Übergangszone und die Küste, und überall führen Wege hindurch. Ein Wanderwegenetz wie in Deutschland gibt es allerdings nicht. Kaum einer der Wege wurde je kartografiert.

Sie sind da, aber man muss sie kennen. Statt Schildern dienen kleine Steinhaufen als Wegmarke, um die zu erkennen, braucht man ein geübtes Auge. Urlaub mit Hund auf Mallorca setzt deshalb Planung voraus. Die Jahreszeit ist wichtig, die Unterkunft muss stimmen. Hundefreundliche Unterkünfte gibt es mittlerweile viele auf der Insel, meist aber sind sie privat, und man muss sie finden. Zweieinhalb Hektar groß ist das Grundstück von Birgit Wahle nahe Campos. Die Schleswig-Holsteinerin ist gelernte Tierpflegerin, Tierphysiotherapeutin, bildet Filmtiere aus und betreibt eine Hundeschule. Hundetechnisch ist bei ihr immer etwas los. Das Gästehaus ist an Urlauber mit Hund vermietet, im Garten finden Hundekurse oder Einzelstunden statt, wer will, kann der Trainerin bei der Arbeit mit ihren Filmhunden zusehen oder selbst ein paar Tricks einüben. Besonders beliebt: das tägliche Hunde-Yoga. Keine ausgefeilten Turnübungen mit Hund, sondern eine konzentrierte gemeinsame Zeit von Mensch und Tier, Massage inbegriffen.

Von Oktober bis Mai, wenn die größte Hitze überstanden ist, organisiert Birgit Wahle regelmäßig Hundewanderungen. Einfache Touren auf breiten Wegen und ein paar sportlichere mit leichten oder mittelschweren Klettereinlagen (ihre Lieblingsziele siehe links). Zwischendurch ist immer Zeit für ein paar Spiele und Übungen mit Hund, den einen oder anderen Erziehungs- und Beschäftigungstipp. „Gute Hundeausbildung hat etwas Leichtes und Spielerisches“, sagt sie. Die Wandergruppen sind bunt gemischt, fast immer international und entsprechend gesellig: Deutsche, die auf der Insel leben, Holländer und Engländer, immer mehr Spanier, die den Spaß am Wandern mit ihren Hunden entdecken, und Gäste, die mit Hund auf die Insel gekommen sind, um mal nicht nur die Beine baumeln zu lassen. Es sind wunderbare Touren, auf denen man die Gelegenheit hat, die Insel neu kennenzulernen.

Verträumte Buchten, versteckte Schluchten, kleine Traumplätze und Menschen, die man sonst niemals besuchen würde. Welcher normale Mallorca-Tourist weiß schon, dass es vier Naturparks und zahlreiche „espais protegits“, Schutzgebiete, gibt? Oder dass in der Tramuntana, dem großen Gebirge, das die Insel nach Nordwesten hin zum Meer abschließt, mit die größten Vögel der Welt kreisen: Mönchsgeier mit einer Flügelspannweite von drei Metern. Der etwa neunzig Kilometer lange Gebirgszug ist ein hervorragendes Wanderziel für Menschen mit bester Begleitung, die es auch mal sportlicher angehen wollen. Kultur steht dabei auch auf dem Programm: Die Kulturlandschaft Mallorcas gehört zum Welterbe der UNESCO. Im Jahr 2000 hat die Regierung Mallorcas zwischen Port d’Andratx und Pollença mit dem Bau des einzigen Fernwanderwegs auf der Insel begonnen, dem „Gran Recorrido 221“. Es entstanden restaurierte Wege entlang der Küste, hinauf auf 1111 Meter, insgesamt 271 Kilometer Wegstrecke mit fünf Übernachtungshütten. Wanderer mit Hund sollten ein Zelt mitnehmen oder den Abstieg rechtzeitig planen, in den Hütten sind Hunde tabu. Aber auch das wird irgendwann erlaubt sein – alles eine Frage der Zeit.

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