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In der Wildnis Outdoor-Tipps: Was machst du, wenn …

Andrea Mertes 05.07.2016

Urlaub in der Wildnis bringt manche Gefahren: Wilde Kühe, Abgründe oder plötzlich frisst der Hund Aas. Die zehn besten Tipps für Outdoor-Fans.

… Kühe wild werden?

„Kühe stehen auf der Alm und käuen wieder. Dabei schauen sie treuherzig mit ihren Glupschaugen und sind die zahmsten Wesen, die es gibt. Veganerinnen eben. Na ja, außer sie stehen im hintersten Winkel eines Gebirges, in das sich kaum Menschen verirren, und sehen einen Hund. Kuksi ist im Umgang mit Kühen sehr geschickt und hält sich in solchen Situationen an mich. Zunächst versuchen wir beide, sie völlig zu ignorieren. Kommen sie trotzdem her, dann gehen wir freundlich auf sie zu und sprechen sie an. Steigert das nur ihre Aggression, versuchen wir sie durch lautes Bellen oder Schreien und Scheinangriffe auf Distanz zu halten. Und wenn auch das nichts hilft, dann flüchten wir beide Hals über Kopf.“

Weitergehen bis Sonnenuntergang: Mensch und Hund unterwegs auf Entdeckungstour am Hochschwab, Österreich.
Weitergehen bis Sonnenuntergang: Mensch und Hund unterwegs auf Entdeckungstour am Hochschwab, Österreich. © Ulrike Frömel

… ein Abgrund droht? 

„Kuksi und ich kommunizieren emotional, sowohl durch den Tonfall als auch durch die Körpersprache. Wie gut das funktioniert, habe ich in seinen jungen Jahren erlebt. Wir gingen auf der Hochebene eine Felswand entlang, die keine fünf Meter neben uns senkrecht ins Tal abbrach. Der Rand war mit Schneewechten überwachsen. Unbekümmert ging Kuksi auf eine dieser Wechten hinaus. Insbesondere im Frühjahr können sie aber leicht abbrechen. Viele Menschen haben so schon ihren Tod gefunden. Ich schrie voll Entsetzen auf. Wie vom Blitz getroffen, kehrte Kuksi sofort um. Auch wenn er die genauen Worte nicht verstanden hat: Aufgrund des Tonfalls war ihm klar, dass eine große Gefahr drohte.“

… du dich verlaufen hast?

„In einem wilden Schneesturm über dem Hochschwab war ich einmal knapp davor, mich zu verlaufen. Doch dann stellte sich mir Kuksi in den Weg und schaute mich dabei so charakteristisch an, wie er es immer tut, wenn er umdrehen will. Es war ihm zu gefährlich, und ich musste ihm Recht geben. Ich schloss mich seinem Vorschlag an, und wir kehrten zu unserem Ausgangspunkt zurück. Einmal mehr musste ich feststellen, dass wir Menschen unseren Hundefreunden
oft sehr viel weniger zutrauen, als sie zu leisten in der Lage sind.“
Tipp: Mehr Erlebnisse in Martin Balluchs Buch „Der Hund und sein Philosoph: Plädoyer für Autonomie und Tierrechte“, Promedia Verlag, 17,90 Euro, sowie online unter www.martinballuch.com.

… du ein Bett suchst?

„Je später wir uns niederlegen, umso kürzer wird die Nacht. Ich gehe meist, bis ich ins Dunkle komme, ich will keine Sekunde meiner Zeit verschwenden. Manchmal baue ich dann gar nicht erst das Zelt auf, sondern suche mir eine Schlafgrube, vielleicht eine mit altem Laub gefüllte Vertiefung. Kuksi gräbt sich dann neben mir sein Bett und entfernt dabei alle Steine und härteren Äste. Im Schnee richtet er sich auch solche Schlafgruben her. Das scheint zwar eine Instinkthandlung zu sein, aber wer einmal ohne Unterlage im Wald geschlafen hat, wird den Sinn dahinter nachvollziehen können. Auch ich wollte nicht auf Steinen liegen.“

… dein Hund Aas frisst?

„Die Wildnis bietet dem Hund ganz anderes, als er in der Stadt oder einem grünen Park je bekommen kann. Sie bietet Weite. Sie bietet alle jene Reize, auf die seine Vorfahren und er in Jahrmillionen von Evolution vorbereitet wurden. Wenn wir wirklich loslegen, dann suchen wir Schutz vor Unwetter, wir kauern nebeneinander unter einem Felsen und fürchten uns, wenn Blitze einschlagen. Wir suchen Schatten in der prallen Sonne. Wir entscheiden zusammen, in welche Richtung wir gehen oder ob wir umkehren. Kuksi wartet auf mich beim Schwammerlsuchen, und so warte ich auf ihn beim Aasessen. Tatsächlich macht er das oft, zuweilen in der Stadt, aber praktisch täglich auf unseren ausgedehnten Wanderungen. Findet er ein totes Tier, dann lasse ich ihm gerne Zeit – im Alltag ernähre ich ihn vegan. So kann er beim Aasfressen nicht nur möglicherweise fehlende Nährstoffe ergänzen, sondern auch seine etwaige Lust auf Fleisch oder Knochen befriedigen. Ich bin dafür verantwortlich, ihm ein möglichst gutes Heim zu bieten. Dazu gehören ein leinenfreies Leben und gut hundert Tage pro Jahr in den Bergen, aber eben auch eine rein vegane Ernährung bis auf gefundenes Aas. Ich denke, ihm ist dieser Deal schon recht.“

© iStock

… eine Schlange zubeißt?

„Wir sind schon vielen Wildtieren begegnet, darunter waren Wildschweine, Elche, Rentiere, Moschusochsen und sogar ein Vielfraß. Kuksi verhielt sich immer vernünftig. Schlangen gegenüber hat er allerdings erst Respekt lernen müssen. Einmal biss ihn eine in die Vorderpfote, zum Glück war es keine Giftschlange. Tagelang war die Pfote angeschwollen, und er musste humpeln. Bei Kreuzottern, denen wir seitdem schon oft begegnet sind, wäre das nicht so glimpflich abgelaufen. Im Ernstfall hilft nur, den Hund heimzutragen, damit sich das Gift nicht noch im Körper verteilt, und im Zweifel zum Arzt zu bringen. Kuksis Vorgänger habe ich auf diese Weise einmal im Gewitter von einem gut 1900 Meter hohen Berg hinuntergetragen.“

… seine Jagdlust erwacht?

„Eine Regel zwischen Kuksi und mir lautet, dass Kuksi keine Tiere jagen soll. Da er viele seiner Gene mit Bracken, also mit Jagdhunden, teilt, sollte man erwarten, dass ihm das schwerfällt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Anfänglich war das anders. In seinen jungen Jahren hat er einige Tiere getötet, eine Maus war darunter und in einem Lemmingjahr in Skandinavien mehrere dieser Nager. Ich habe ihm damals mein Missfallen und meine Verzweiflung darüber mitgeteilt und ihn sehr intensiv gebeten, das nicht zu tun. Und das war ihm recht. Er jagt nicht mehr. Es scheint ihm wichtiger zu sein, mich nicht emotional zu verletzen, als einer etwaigen Jagdpassion nachzugehen.“

… mein Rucksack überquillt?

Maximal ein Viertel des Körpergewichts, lautet die goldene Packregel. Schwerer sollte der Rucksack nicht sein, damit der Spaß bleibt. Und: Je näher der Schwerpunkt am Körper liegt, desto leichter trägt sich das Gewicht. Alles Schwere kommt in das Hauptfach, das Bodenfach ist voluminösen und leichten Gegenständen vorbehalten, zum Beispiel dem Schlafsack. Im Deckel landet leichtes Zeug wie Sonnenbrille und Karte. Wenn der Rucksack dann immer noch
zu schwer ist, kann auch der Hund mittragen. Auf dem Markt gibt es mittlerweile sehr gute Packtaschen – am besten mit Y-Brustgurt. Auch dabei gilt die Regel: Maximal ein Viertel des Körpergewichts. Der Stubenwolf muss ja nicht immer sein eigenes Futter tragen. Manchmal hilft es, die leichte, aber sperrige Daunenjacke auszulagern.

… mein Hund friert?

Der Mensch braucht Funktionswäsche, der Hund hat sein Fell. So einfach ist das meistens. Doch es gibt Ausnahmen. Kurzhaarige Hunde zum Beispiel frieren leicht, manche Rassen – Pudel, Malteser, Dalmatiner – haben keine Unterwolle. Also extra einen Hundemantel kaufen? Eine bessere Idee hat Sven Künkele, der beim Ausrüster „Globetrotter“ in München arbeitet und dort die Abteilung mit Hundeequipment betreut: „Die perfekte Wärmejacke für unseren Schäferhundmischling ist eine Daunenweste in XS.“ Vorderläufe durch die Armöffnungen stecken, mit dem Reißverschluss schließen, fertig. So ist der Bauch geschützt, die Jacke selbst ist leicht und lässt alle Bewegungsfreiheit. Warmer Hund, glücklicher Mensch. So einfach ist das.“

… mein Hund nicht mehr weiterwill?

Auch der härteste Hund braucht einmal eine Pause. Am besten einen ganzen Tag. Das empfiehlt Heiko Kühr, der mit seinem Husky Hondo die Alpen, die Pyrenäen und Teile Skandinaviens durchwandert hat. Alle vier bis fünf Tage ein Ruhetag, bei härteren Touren alle drei Tage, so haben Hondo und er mehr als zweitausend Kilometer zu Fuß bewältigt. „Ich halte es für sinnvoll, die erste Tagesetappe sehr kurz zu wählen.“ Kühr empfiehlt, anfangs maximal drei Stunden zu gehen, um den Hundefreund nicht zu überfordern, der die ungewohnte Umgebung und neuen Gerüche erst verarbeiten muss. Wertvolle Tipps enthält Heiko Kührs Buch „Trekking mit Hund: Basiswissen für draußen“, Conrad Stein Verlag, 176 Seiten, 9,90 Euro.

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