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Urlaub mit Hund Wandern in Schottland

Text: Andreas Mertes Fotos: Ulrike Frömel 16.06.2016

Das freie Herumstromern in der Natur hat hier Tradition: Der West Highland Way ist der ­berühmteste Wanderweg in Schottland.  Was Hunde freut und Weicheier auf die Probe stellt. Andrea Mertes war für DOGS auf Wanderschaft.

Was soll der ganze Quatsch mit dem Wandern eigentlich? Irgendwann fragt man sich das. Um halb fünf Uhr morgens prasselt es schon wieder auf das Nylondach, an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Drei Stunden später liegt das Zelt feucht zusammengerollt im Kofferraum eines­ Transporters. Wind bläht die Funk­tionshose, Müdigkeit klebt im Augenwinkel. Loch Lomond, Schottlands größter See, hüllt sich in grauen Dunst, der Campingplatz an seinem Ufer macht es ihm nach. In der Nacht ist die Temperatur auf vier Grad gesunken. Wer jetzt ein Haus hat, bleibt auch darin. Denn obwohl es Mitte Juni ist, hat es draußen „lots of weather“, wie die Schotten zu dieser Ursuppe aus Regen, Nebel­ und Kälte sagen.

Dogs Juni 2016 Wandern in Schottland

„Ich habe ganz schön gefroren vorige Nacht“, gesteht die norddeutsche Arzthelferin. „Kann man unterwegs wärmere Schlafsäcke kaufen?“, fragt die Hobbyhundetrainerin aus dem Odenwald. „Mein Zehennagel löst sich, das tut höllisch weh“, murmelt die schwäbische Rentnerin. „Keine offizielle Pause heute“, sagt der Guide, „wir dürfen nicht mehr so viel Zeit verlieren.“

Dogs Juni 2016 Wandern in Schottland
Riesen im Dämmerschlaf: Die Urgewalt, mit der die Wolken über die Gipfel der Highlands ziehen, lässt sogar die Hunde staunen. © Ulrike Frömel

Dies wäre der Moment für eine Meuterei. Zumindest für den Umzug in ein schnuckeliges Bed and Breakfast, mit Earl Grey am Kamin statt Pappbecherkaffee am Wanderparkplatz, mit Emily Brontës „Sturmhöhe“ im Schoß statt der Streckenkarte des West Highland Ways in der Hand. Wenn die Hunde nicht wären. Die finden im Gegensatz zu ihren Besitzern an diesem Morgen das Ganze ziemlich klasse. Sieben Tage sind sie im Rudel auf den Beinen, laufen dabei 154 Kilometer weit, über Trampelpfade und vormalige Viehhandelswege, an Schafweiden und aufgelassenen Bauernhöfen vorbei. Gassi ohne Ende. So etwas ist in Europa wohl nur in Schottland möglich. Das freie Herumstromern in der Natur hat hier Tradition.

Jahrhundertelang zogen durch das bis 1707 eigenständige Königreich rivalisie­rende Clans, immer auf der Suche nach ­jemandem, dem sie den Schädel spalten konnten. Wie zu Zeiten der Clans wandern noch heute Hochlandrinder mit ihren ausladenden Hörnern frei durch das Land, als sei die Massentierhaltung eine Erfindung des Festlands. Ihre Heimat sind die Highlands, baumlose Weite, geformt aus „munros“, was nichts anderes heißt als Berge. Die Pioniere des Alpinismus haben dort das Kraxeln und Klettern gelernt. Obwohl sich in Schottland ein Munro nennen darf, was gerade mal höher­ ist als tausend Meter, sind diese Berge die wohl am meisten unterschätzten Hügel Europas. Sie strotzen nur so von Kanten,­ Schrofen und Graten. Deshalb kommen die Schotten hierher, wenn sie zum Wandern gehen. Sie lieben das Abenteuer.

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