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Urlaub mit Hund Wandern in Schottland

Text: Andreas Mertes Fotos: Ulrike Frömel 16.06.2016

Das freie Herumstromern in der Natur hat hier Tradition: Der West Highland Way ist der ­berühmteste Wanderweg in Schottland.  Was Hunde freut und Weicheier auf die Probe stellt. Andrea Mertes war für DOGS auf Wanderschaft.

Holzpfähle mit einer stilisierten Distel, der Nationalblume Schottlands, markieren die Streckenabschnitte und machen bei aller Gedankenlosig­keit ein Verlaufen unmöglich. Die größere Herausforderung ist das Ankommen: Wer allein mit seinem Hund wandert, findet in Schottland überall eine hundefreundliche Pension. Wer dagegen in Rudelstärke aufmarschiert, dem bleibt nur das Campen auf ausgewiesenen Plät­zen oder wild zwischen den Bäumen. Alles ­Weitere lässt sich organisieren. Rund um den WHW hat sich ein gut eingespielter Wirtschaftszweig entwickelt, der vom Wanderpass bis zum Gepäcktransport das Full-Service-Paket bietet. Für Trekking-Novizen ist das ein glücklicher Umstand. Wer dagegen gewohnt ist, mit schwerem Rucksack, Trockennahrung und Eigenverantwortung loszuziehen, erlebt auf dem WHW eine Art Outdoor-Kulturschock.

Dogs Juni 2016 Wandern in Schottland
Das Ziel: „Kings House Hotel“ in den Highlands. © Ulrike Frömel

Da ist zum Beispiel das Ehepaar auf dem Campingplatz bei Milngavie, das einträchtig in groß karierten Bademänteln zum Zäh-neputzen schreitet, als wäre die Wiese ein Teppich, der Waschraum ein Spa: „Nice dog, my dear!“, rufen sie über den Platz. Da ist die A 82, eine der wichtigsten Verkehrsachsen Schottlands, die von Glasgow nach Inverness verläuft und dabei ziemlich lang Schritt hält mit dem WHW. Vor allem aber sind da die vielen Schilder („noch 500 Schritte bis zum nächsten Zeltplatz / Café / der Hälfte des Wegs“), die dem Mikroabenteurer das Gefühl geben: Die Zivilisation lässt dich nicht los.

Dogs Juni 2016 Wandern in Schottland
Dank vieler Wegweiser ist ein Verlaufen unmöglich. © Ulrike Frömel

Dass sie es dennoch tut, hat mit den Highlands selbst zu tun und unbedingt auch mit den Hunden. Auf dem Kernstück des Wegs, von Tyndrum über Bridge of Orchy­ bis zum „Kings House Hotel“ nahe dem zurückgezogen liegenden Glencoe, stehen die Munros des Hochlands unter Wolken, Riesen im Dämmerschlaf, die alle Zeit der Welt in ihren Felsen bergen. Feuchtigkeit gluckert Steine hinab, Schnee gleißt auf Gipfeln. Grasmücken und Wasseramseln zwitschern. Es ist der längste Tag des Jahres. Die Freunde in Deutschland sind auf dem Weg zum See. Es ist ein Sommer, der 1600 Kilometer nördlich der Heimat zu einem­ Herbststurm wird. Auch die Wetterfesten unter den Wanderern kramen jetzt lieber die wasserdichten Hosen aus dem Rucksack. Schritt für Schritt geht es hinein in eine Natur, in der alles Weite ist und nirgendwo ein Willkommen.

Dogs Juni 2016 Wandern in Schottland
Trägst du noch Strickmütze oder schon kurze Hose? Das Wetter in Schottland ändert sich rasant. Den Hunden ist es egal, ihr Fell ist klimatisiert. © Ulrike Frömel

Zehn Stunden später tauchen die Spitzgiebel des „Kings House Hotel“ auf und damit das Wissen: Geschlafen wird vor der Tür. Hinter dem ehrwürdigen Haus, in dessen Fichtenhain ein Rudel Rothirsche lebt, hat die Hundegruppe ihren Platz zugewiesen bekommen. So verheißungsvoll das Feuer hinter den Panoramafenstern des Hotels lodert, so gut ist es doch, in dieser Sommernacht draußen zu bleiben, unter der Zeltplane, über die der Wind fegt, das warme Fell des Tieres im Rücken. Ohne den Hund hätte die Bequemlichkeit gesiegt. Ohne ihn wäre aus der Tour über den West Highland Way wohl eher ein Badeurlaub auf Mallorca geworden. Und spätestens bei dieser Überlegung wird auch dem Verfrorensten der Gruppe klar: Wandern ist alles Mögliche, aber auf keinen Fall Quatsch.

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