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MEINUNG Die wollen auch nur spielen

C.-Andrea Lippert 01.06.2017

Von Natur aus aggressiv, das wäre der Bullterrier, wenn es nach dem Gesetzen der deutschen Bundesländer und auch Österreichs geht. Hundefreunde und Experten wissen dagegen: Eine genetische Veranlagung zu Aggressionsverhalten gibt es nicht!

Bullterrier – Der Furchtlose
Bullterrier © Nicole Schick Tierfotografie

Unsere Junghündin Kira, ein Hundeschatz, in der sich genetisch ein Berner Sennenhund, Schäferhund und Hovawart wiederfinden, hat seit ihrem vierten Lebensmonat eine fast gleichaltrige Hundefreundin namens Emma. Emma ist keine Mischlingshündin, sondern absolut reinrassig, sie ist ein quirliges Bullterrier-Mädel! Ihre Besitzerin war damals hocherfreut, dass Kira mit Emma spielen durfte, denn sie war eher Ablehnung von anderen Hundebesitzern gewöhnt. Die meisten verhielten sich nur aus einem einzigen Grund so zurückweisend: Weil Emma eine Bullterrier-Junghündin ist. Diese Hunderasse ist seit Jahren in dem Ruf, böse und aggressiv zu sein. Somit gab es im jungen Welpenleben von Emma keine Kontakte zu anderen Hunden, die Hundebesitzer hatten zu viel Angst. Bis Kira in ihr Hundeleben trat, denn wir hatten nichts dagegen, dass die beiden Hunde miteinander über unsere Pferdekoppel sausen und miteinander spielen. Warum auch?

Was ist dran an dem Negativimage der Bullterrier-Rasse? Können Hunde von Natur aus überhaupt „böse“ sein? Wenn man sich im Internet umschaut, wird man eines Bessern belehrt. Man findet eher völlig andere Charakteristika in der Beschreibung des Bullterriers. Die Rasse wird als Familienhund beschrieben, als besonders anhänglich mit einem großen Bedürfnis nach Streicheleinheiten, Zuwendung und Nähe. Als „lahmarschig“ gilt der Bullterrier allerdings nicht, er ist schon ein temperamentvolles Kerlchen, seine Begeisterungsfähigkeit soll derart ausgeprägt sein, dass sie Menschen sogar „umhauen“ kann, daher braucht er in seiner Erziehung eine feste und konsequente Hand. Unsicherheit ist für Bullterrier-Frauchen oder -Herrchen ein großes Tabu, denn wenn dieses kleine Kraftpaket nicht angeleitet, erzogen und geführt wird, wird er ganz schnell zum Rudelführer. So viel Selbstbewusstsein hätte er.

Ein Bullterrier verfügt zwar über äußerst viel Power, aber grundsätzlich ist er nett, ebenso nett, wie seine Besitzer ihren Hund haben wollen.

Meiner Meinung nach gibt es von Natur aus keine bösartigen Tiere oder Hunde. Es mag Rassen geben, die schneller zu aggressiven Reaktionen neigen als andere. Jedoch ist ein Welpe, wenn er zu uns ins Haus kommt, ein ebenso unbeschriebenes Blatt wie ein neugeborenes Kind. Die Prägungen entstehen durch die Erziehung, genau wie bei uns Menschen. Das bedeutet: Wenn ich einen Hund ausbilde, dass er jeden Passanten sofort anfällt, der sich auf zehn Meter nähert, wird der Hund das vielleicht auch tun. Bringe ich ihm die Grundregeln gegen rüpelhaftes Verhalten bei und erziehe ihn als guten Begleithund zum Fahrradfahren, Spazierengehen, Joggen oder Walken oder auch, wie beim Hund des Jägers erwünscht, zum Jagen, dann wird der Hund exakt diesen Anweisungen folgen. Ebenso wie wir von unseren Eltern Verhaltensregeln fürs Leben gelernt haben, lernen unsere Hunde all das, was wir ihnen beibringen und antrainieren.

Natürlich lernt ein Tier auch Aggressivität, wenn wir es ihm vermitteln. Ein Hund besteht genauso wie wir Menschen aus seinem genetischen Potenzial, seiner Erziehung, seinem Umfeld und dem gesellschaftlichen Bild, das man sich von ihm macht. Ist Letzteres schlecht, bedeutet das jedoch noch lange nicht, dass auch der Hund schlecht ist. Dieses Bild entsteht in Menschenköpfen, der Hund kann nichts dafür und ist daran vollkommen unbeteiligt. Und oftmals tun wir sowohl einigen Mitmenschen als auch dem Ruf mancher Hunderassen in unseren vorschnellen Bewertungen unrecht. Alles Übel beginnt meistens im Kopf, im Kopf von uns Menschen, wohlgemerkt.

Sicherlich mag es Vorfälle mit Bullterriern gegeben haben, die gefährlich und destruktiv waren und ein böses Ende nahmen. Dennoch sollte man ein solches Image nicht auf eine gesamte Hunderasse übertragen. Es hätte auch eine andere Rasse treffen können. Verantwortlich dafür, wie unser Hund sich verhält, sind einzig wir Menschen. Kein Wesen auf diesem Planeten ist von Natur aus böse, nicht ein einziges, auch kein Bullterrier.

Emma ist eine feine Bullterrier-Göre im Flegelalter. Ja, sie hat Power und wirft Kira beim Spielen oft um, obwohl Kira höher gewachsen ist. Sie ist ein kleines Kraftpaket gemäß ihrer Rasse, sicher. Warum sollte sie anders sein? Emma unterwirft sich sofort, wenn sie sich unterlegen fühlt, was, zugegeben, selten der Fall ist, oder ihr Frauchen sie ausschimpft. Als Hundeteenie brauchen jedoch sowohl Emma als auch Kira ihre festen Strukturen. Und da gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden Junghunden.

Die Rasse der Bullterrier wird bekannterweise in Deutschland in den meisten Bundesländern auf der Liste der „gefährlichen Hunde“ geführt. Das bedeutet, dass Haltung, Zucht und Import der Rasse teilweise eingeschränkt oder komplett verboten sind. Jedoch konnte die tatsächliche Gefährlichkeit dieser Rasse bis heute nicht nachgewiesen werden. Darüber sollte man einmal nachdenken, nicht immer vorschnell verurteilen. Unsere Tiere können meist nichts für ihr Image, ihren Ruf. Den verpassen wir Menschen ihnen. Ungefiltert, vorschnell und verallgemeinert. Die gefährlichste Rasse ist eigentlich der Mensch, der Bullterrier steht ganz weit hinten in der Rangliste gefährlicher Lebewesen.

C.-Andrea Lippert ist Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin in Bad Segeberg, Dozentin an den deutschen Paracelsus-Heilpraktikerschulen, seit über dreißig Jahren Autorin für diverse Fachzeitschriften und seit Jahrzehnten Besitzerin von zwei Hunden.

Michelle

2017.06.07 um 19:01 Uhr

Als Kind habe ich ab und zu mit einem Bull Terrier gespielt. Wenn schlecht über die Rasse gesprochen wird, erzähle ich immer, wie lieb dieser eine Hund war.

Micha

2017.06.07 um 08:13 Uhr

"Es mag Rassen geben, die schneller zu aggressiven Reaktionen neigen als andere".​ Wir empfinden es als agressiv, wenn ein Hai nach etwas schnappt, eine Schnappschildkröte sich in ein Bein hackt, die Kobra oder eine andere Schlange ruckartig zuschnappt oder wir mit Tieren zu tun bekommen, die bspw. mit Gift arbeiten. Das alles ist aber keine Agressivität! Menschen und Tiere sind unglaubliche Überlebensmaschinen, und wir alle machen den ganzen Tag nichts anderes als zu überleben. Essen, trinken, und uns bei Gefahr wehren! Tiere wehren sich auch mal prophylaktisch​, wenn Flucht nicht mehr möglich ist, oder die Natur es ihnen so vorgegeben hat. Der Artikel ist klasse, aber ich konnte den einen Satz da nicht so unkommentiert stehen lassen. ;)

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