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Hundeversicherungen Geht´s noch?

Bianca Boss, Marco Brandt, Bernd Bredenschey, Dr. Karl-Heinz Salzbrunn, Lea Schmitz 28.07.2016

Im Forum von DOGS Online wird rege über die Leistungen von Hundeversicherungen diskutiert: Wer zahlt, wenn Bello Frauchens Handy zerkaut oder das Sofa der Nachbarn verkratzt? Wir haben hier die wichtigsten Fragen gebündelt und Experten um kundige Antwort gebeten

Ein DOGS-Leser fragt

Mein Jack ­Russell hat neulich mein ­Smartphone verschleppt und kaputtgebissen. Teures Teil und fast neu. Die Versicherung will nicht zahlen, obwohl der Hund haftpflichtversichert ist. Wieso eigentlich nicht?

Ein Experte antwortet

Über die Hundehaftpflichtversicherung sind nur Schäden an anderen Personen, Gegenständen usw. versichert, nicht jedoch Schäden, die der Hund an Ihnen und Ihrem Eigentum anrichtet. Die Ablehnung der Ver­sicherung ist daher in Ordnung. Eine Smartphoneversicherung sollten Sie erst abschließen, wenn existenzielle Versicherungen wie die Berufsunfähigkeits- oder Privathaftpflichtversicherung bereits bestehen. Bianca Boss, Bund der Versicherten

Hat einer Langeweile? Die Hundehaftpflicht zahlt den Schaden nur, wenn der Sessel anderen gehört. Eigenes Eigentum ist nicht versichert.
Hat einer Langeweile? Die Hundehaftpflicht zahlt den Schaden nur, wenn der Sessel anderen gehört. Eigenes Eigentum ist nicht versichert. © plainpicture/Helge Sauber

Ein DOGS-Leser fragt

Wir hatten ­einen Fall, da haben sich ein Labbi und ein Boxer in die Wolle bekommen. Der Labbi-Besitzer ist dazwischen. Bald merkte er, dass Blut aus seiner Hosen lief. Der Boxer hatte gut zugepackt. Wie sieht das in so einem Fall mit Schmerzensgeld aus?

Ein Experte antwortet: Zunächst ist bei einer Hundebeißerei zwischen zwei etwa gleich großen Hunden von einer Haftungsquote von 50 Prozent auszugehen. Das heißt, im Schadenfall werden die Kosten geteilt. Greift der Besitzer eines Hundes mit ungeschützter Hand in den Kampf ein, kann das zur gänzlichen Ablehnung der Ansprüche des Verletzten führen. Es ist immer eine genaue Betrachtung des Einzelfalls erforderlich. Ohne ein anspruchs­reduzierendes Mitverschulden wird ein solcher Fall jedoch nicht ausgehen. Hierzu gibt es Beispiele in der Rechtsprechung. Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach der Schwere der Verletzung. Für den Durchbiss eines Arms gibt es selbst­verständlich mehr als für eine Schürfwunde. Eine Orientierung über die Höhe des Anspruchs liefern die Schmerzensgeld­ta­bel­len. Bernd Bredenschey, Uelzener Versicherungen

Ein DOGS-Leser fragt

Habe heute die Zeitschrift „Finanztest“ in die Finger bekommen, die Hundehaftpflichtversicherungen getestet hat. Mir ist ­unbegreiflich, dass es Hunde­halter geben soll, die keine ­Versicherung für ihren Hund haben. In der Zeitschrift steht auch, dass in einigen Bundesländern eine Versicherung Pflicht ist. Kann mir jemand sagen, wie das funktioniert?

Ein Experte antwortet: Zu den Bundesländern, die eine Hundehalterhaftpflichtversicherung fordern, zählen Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen ist diese Versicherung bei sogenannten „gefährlichen“ Hunden Pflicht. Wer einen „gefährlichen“ Hund halten möchte, muss bereits bei Antragstellung gegenüber der zuständigen Behörde einen Versicherungsnachweis erbringen. Lea Schmitz, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund e. V.

Ein DOGS-Leser fragt

Manchmal dient den Versicherungen eine Kleinigkeit in der Formulierung dazu, sich vor der Regulierung des Schadens zu drücken. Bei uns ist es jedenfalls so. Die Kulanz, die es früher für gute, langjährige Kunden gab, ist nicht mehr existent. Worauf muss man achten?

Ein Experte antwortet: Kulanz­regelungen sind nicht mehr an der Tagesordnung. Die Versicherer schauen genau hin. Was nicht versichert ist, ist nicht ver­sichert. Unser Rat: Bei der Schadensmeldung ­immer wahrheitsgemäße Angaben ­machen. Versicherungsbetrug ist strafbar. Bianca Boss, Bund der Versicherten

Ein DOGS-Leser fragt

Ich habe eine Frage zur Hundekrankenversicherung: Gibt es da eine Rückerstattung von Versicherungsbeiträgen, wenn man ein Jahr lang keine Leistungen in Anspruch genommen hat? Ich bin selber nämlich privat krankenversichert und bekomme in solchen Jahren ein paar Hundert Euro erstattet.

Ein Experte antwortet: Bei Agila ­belohnen wir die Gesundheit Ihres Vierbeiners mit einer Erhöhung der jährlichen Leistungsgrenze, wenn in einem Versicherungsjahr keine Rechnungen eingereicht werden. Ein Beispiel: In unserem Tierkrankenschutz für Hunde zahlen wir jährlich maximal 600 Euro für ambulante und stationäre Behandlungen beim Tierarzt. Werden in einem Versicherungsjahr keine Rechnungen eingereicht, erhöht sich diese Leistungsgrenze um 250 Euro. Das heißt, im nächsten Jahr zahlen wir Tierarztrechnungen bis zu 850 Euro. Werden erneut keine Rechnungen eingereicht, zahlen wir im nächsten Jahr bis zu 1100 Euro für ambulante und stationäre Behandlung. Davon unberührt zahlen wir im Tierkrankenschutz zusätzlich bis zu 3000 Euro jährlich für Operationen. Marco Brandt, Agila Haustierversicherung

Ein DOGS-Leser fragt

Meine ­Golden-Retriever-Hündin Maya ist nicht versichert. Ich möchte jedoch eine Freundin in Berlin besuchen und ich hab gelesen, dass man dort eine Hundehalterhaftpflichtversicherung haben muss. Gilt das auch für Besucher? Hat jemand ­Erfahrungen damit gemacht? Wie ist es mit Kontrollen?

Ein Experte antwortet: Grundsätzlich ist eine Hundehalterhaftpflichtversicherung für jeden Hundehalter wichtig, da Paragraf 833 Satz 1 BGB eine verschuldensunab­hängige Haftung des Tierhalters vorsieht, wenn durch ein Tier ein Mensch getötet, verletzt oder ein Sachschaden verursacht wird. Für Besucher, die sich nur vorüber­gehend in einem anderen Bundesland aufhalten, gelten die Vorschriften des eigenen Wohnortes. Dennoch kann man nur jedem Tierhalter raten, sich ausreichend zu versichern. Lea Schmitz, Pressereferentin beim Deutschen Tierschutzbund e. V.

Ein DOGS-Leser fragt

Habe bei der Uelzener zum Thema Hunde-OP-Krankenversicherung gelesen: „Die Kosten von Ope­rationen infolge Unfall oder Krankheit werden mit 100 Prozent nach dem 1-fachen oder 2-fachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte in der Fassung vom 7. Juli 2008 erstattet.“ Was bedeutet das?

Ein Experte antwortet: Entsprechend der deutschen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) kann der Tierarzt zwischen dem einfachen bis hin zum dreifachen ­Gebührensatz in Rechnung stellen. Der einfache Gebührensatz ist der Mindestbetrag, den er für eine Behandlung nehmen muss. Welchen Gebührensatz der Tierarzt berechnet, hängt von vielen Faktoren ab, etwa dem Wert des Tieres, dem Schwierigkeitsgrad der Operation oder ob die ­Behandlung während des Nacht- oder ­Wochenenddienstes stattfindet. Die meisten Tierärzte berechnen zwischen dem ­einfachen und zweifachen Gebührensatz. ­Berechnet der Tierarzt einen höheren ­Gebührensatz, als der Tierbesitzer in seinem Versicherungsvertrag abgeschlossen hat, gehen diese Mehrkosten zulasten des Hunde­besitzers. Deshalb ist es empfehlenswert, den zweifachen GOT-Satz zu ver­sichern. Dr. Karl-Heinz Salzbrunn,
Uelzener Versicherungen

Ein DOGS-Leser fragt

Sind ­Onlineversicherungen seriös?

Ein Experte antwortet:  Onlineversicherungen sind durchaus seriös. Man kann bei „einfachen“ Policen wie Handy- oder eventuell auch Hundehalterhaftpflichtversicherung, bei denen keine persönliche ­Beratung notwendig ist, sicherlich einen Abschluss online tätigen. Wenn es jedoch kompliziert wird wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, sollte man auf die persönliche Beratung auf keinen Fall verzichten. Bianca Boss, Bund der Versicherten

Ein DOGS-Leser fragt

Ich muss für meinen kleinen Terriermix eine Hundehaftpflicht ­abschließen. Meine Frage ist: Braucht man unbedingt einen Schutz für Mietsachschäden?

Ein Experte antwortet: Eine Haftpflichtversicherung, in der Mietsach­schäden ­abgedeckt sind, ist in jedem Fall sinnvoll, wenn Sie in einem Mietshaus oder einer Mietwohnung wohnen. Auch für Haus­eigentümer, die beim Urlaub in ­Hotels, ­Ferienwohnungen oder Mietautos abgesichert sein wollen, ist die Abdeckung von Mietsachschäden eine gute Option. Agila empfiehlt eine Deckungssumme von mindestens drei Millionen und bis zu zehn Millionen Euro für Personen- und Sachschäden. Davon sollten mindestens 500 000 Euro für Vermögensschäden und 50 000 Euro für Mietsachschäden zur ­Verfügung stehen. Den konkreten Bedarf ermittelt das persönliche Gespräch. Marco Brandt, Agila Haustierversicherung

Ein DOGS-Leser fragt

Wenn man mehrere Schadenfälle in einem Jahr meldet, kann die ­Versicherung dann kündigen?

Ein Experte antwortet: Beide Vertrags­partner haben nach jedem Leistungsfall ein Sonderkündigungsrecht. Dieses können beide Parteien innerhalb eines Monats geltend machen. Bei einer Schadenhäufigkeit wird eine Kündigung durch die Schadenabteilung des Versicherers in Betracht gezogen. Häufig wird jedoch zunächst mit Selbstbehalten (300 Euro / 500 Euro) gearbeitet, wodurch Kunden ggf. an neuen Schäden beteiligt werden. Die Selbst-beteiligung kann bei schadenfreiem Verlauf wieder herausgenommen werden. Bernd Bredenschey, Uelzener Versicherungen

Ein DOGS-Leser fragt

Meiner ­Meinung nach sollte man auch bei seinem Tier die Versicherung hin und wieder checken. Ich habe erst im letzten Jahr eine deutlich günstigere ­gefunden und gewechselt. Stellt Ihr auch Vergleiche an?

Ein Experte antwortet: Ein Vergleich der Versicherungen, egal ob für Haus, Perso­nen oder Tiere, ist immer sinnvoll. So kann man gute Bedingungen zu günstigen Beiträgen optimal kombinieren. Unser Rat: Man sollte nicht nur ein Vergleichsportal zurate ziehen, vergleichen Sie auch Vergleichsportale! Mindestens drei sollten es sein. Bianca Boss, Bund der Versicherten

Ein DOGS-Leser fragt

Ich war mit meinem Onkel und dessen ­Podenco auf einer öffentlichen, eingezäunten Hundewiese. Weil da bereits zwei Schäferhunde waren, haben wir die Besitzer gefragt, ob wir dazukönnen. Das wurde bejaht. Doch dann fielen beide ­Schäferhunde über unseren ­Podenco her. Muss in so einem Fall die Haftpflichtver­sicherung des Hundehalters der Schäferhunde für die ­Tierarztkosten aufkommen?

Ein Experte antwortet: Allgemein gilt: Wer mit seinem Hund eine öffentliche Hundewiese besucht, nimmt das mögliche Aufeinandertreffen von Hunden und mögliche Verletzungsfolgen durch andere Tiere, auch unabhängig von etwaigen Verabredungen mit anderen Tierbesitzern, in Kauf. Diese Regelung bezieht sich auf ein grundsätzliches Risiko, das durch unerwartetes Verhalten von Hunden ausgeht, die sogenannte Tiergefahr. Ob und in welcher Höhe die jeweilige Haftpflichtversicherung für entstandene Schäden aufkommt, hängt von den konkreten Umständen ab und wird immer im Einzelfall entschieden. Marco Brandt, Agila Haustierversicherung

Ein DOGS-Leser fragt

Freunde haben eine Krankenversicherung, dachten sie. In Wirklichkeit war es eine OP-Versicherung und im Nachherein war die Operation gar nicht mal das Teuerste. Die ganzen Verbandswechsel, Medikamente und Spritzen waren viel teurer als die OP. Worauf muss man achten, wenn man so eine ­Versicherung abschließen will?

Ein Experte antwortet: Wir bieten für Hunde sowohl eine Operationskosten­versicherung als auch eine Tierkrankenvollversicherung an. In der Operations­kostenversicherung sind ausschließlich Operationen versichert, darüber hinaus der letzte Untersuchungstag vor der Opera­tion, der Operationstag und zwölf Tage Nachbehandlung. Weitere konservative ­Behandlungen sind nicht mitversichert. Eine Entschädigungsobergrenze je Leistungsfall oder je Versicherungsjahr besteht nicht. In der Hundekrankenvollversicherung hingegen gibt es keinen begrenzten Haftungszeitraum, weder bei der Vorbehandlung noch bei der Nachbehandlung einer Operation. Weiterhin sind in der Krankenvollversicherung auch konservative Behandlungen ohne zeitliche Begrenzung und ohne Jahreshöchstentschädigung versichert. Dr. Karl-Heinz Salzbrunn, Uelzener Versicherungen

Im Forum von www.dogs-magazin.de tauschen sich rund 5800 registrierte Benutzer regelmäßig über Hundethemen aus. Fast eine Viertel­million Beiträge sind zusammen­gekommen. Häufiger Ge­sprächs­gegen­stand der DOGS-Community: Sicherheit rund um den Vierbei­ner. Wir ­baten „Mackie“, den Administrator des Forums, Fragen zu bündeln, die besonders lebhaft diskutiert werden, und waren überrascht, wie viele hochin­teressante Aspekte zu dem Thema ­Versicherungen auftauchten – praxis­nahe Fragen, die wir unseren Experten vorlegten.

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