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Kosten und Haftung Was darf der Tierarzt berechnen?

Sabine Henkel 22.03.2012

Tierärzte behandeln, impfen oder operieren unsere Hunde – oft unverzüglich, immer versiert, aber nie umsonst. DOGS beantwortet die 20 wichtigsten Fragen zu Kosten und Haftung des Tierarztes.

1. Nach welcher Rechtsgrundlage werden die Kosten festgelegt?

Die Gebührenordnung für Tierärzte, kurz: GOT, listet als überschaubare Richtlinie rund achthundert tierärztliche Einzelleistungen und Behandlungsmaßnahmen mit dem dazu gehörenden Gebührensatz für alle in Deutschland niedergelassenen Tierärzte einheitlich auf. Sie enthält aber keine Endpreise und keine Umsatzsteuer. Ähnlich wie in der Humanmedizin gibt es somit auch in der tierärztlichen Praxis feste Berechnungssätze, nach denen die veterinärmedizinischen Leistungen nach dem Baukastenprinzip zusammengestellt und abgerechnet werden.

Was darf der Tierarzt berechnen?
© Spencer Wilson

2. Warum gab es jahrelang ein Ost-West-Gefälle bei Tierarztgebühren?

Bis Juni 2008 waren Tierarztleistungen in Ostdeutschland günstiger als im Westen. Grund hierfür war ein im Einigungsvertrag gesetzlich festgeschriebener Rabatt, nach dem Tierärzte in den neuen Bundesländern pauschal den Rechnungsbetrag um zehn Prozent reduzieren mussten. Mit der Neufassung GOT wurde zum 8.7.2008 die staatlich verordnete Rabattierung und Diskrepanz in den Tierarztrechnungen aufgehoben.

3. Muss der Tierarzt eine Rechnung ausstellen?

Nicht prinzipiell. Dr. Sabine Merz von der Bundestierärztekammer erklärt hierzu: „Die GOT fordert nicht, dass der Tierarzt eine Rechnung schreiben muss. Dazu ist er nur verpflichtet, wenn der Tierhalter dies ausdrücklich verlangt. Sie können vom Tierarzt aber verlangen, dass er die Rechnung aufgliedert, und ihn zur Angabe der verabreichten Medikamente mit Mengenangabe auffordern.“

4. Wie detailliert muss die Rechnung sein?

Folgende Positionen sollten enthalten sein: Datum, behandelte Tierart, eine Diagnose, die erbrachten Leistungen und der Rechnungsbetrag samt Umsatzsteuer. Auch verwendete Medikamente sollte der Tierarzt auf Wunsch des Hundehalters vermerken.

5. Warum gibt es keine Pauschalpreise für Behandlungen?

Jeder Behandlung geht eine Untersuchung des Tieres voraus, deren Ergebnis ursächlich für individuelle Folgeleistungen ist und damit auch für spätere Kosten. Werden vor einer Routinekastration Anzeichen für eine Herzerkrankung festgestellt, verteuern zum Beispiel notwendige Diagnosemaßnahmen wie Elektrokardiografie, Ultraschall oder Röntgen die Behandlung. Andererseits können auch bei Routineeingriffen Sauerstoffbeatmung oder Überwachungsmonitoring erforderlich sein. Auch für Standardeingriffe gelten laut GOT daher keine Pauschalpreise.

6. Was darf der Tierarzt verlangen?

Sämtliche erbrachten Leistungen von der Eingangsuntersuchung über Diagnoseverfahren, die Behandlung bis hin zu verwendeten Materialien dürfen in Rechnung gestellt werden. Kanülen, Spritzen, Operationsmaterialien dürfen Tierärzte gesondert abrechnen, angewandte Arzneimittel und Auslagen müssen Hundehalter nach der Arzneimittelpreis-Verordnung bezahlen. Dazu gehören insbesondere Versandkosten für Laboreinsendungen (zum Beispiel zur Gewebe- oder Blutanalyse), Portokosten und Telefonkosten für Befunderklärung. Zudem dürfen Tierärzte laut GOT für ihre Leistungen den ein- bis dreifachen Satz des jeweiligen Gebührensatzes verlangen.

7. Wovon hängt es ab, ob der Tierarzt den ein- oder mehrfachen Satz berechnet?

Hier werden die Behandlungsumstände zugrundegelegt, zum Beispiel der Schwierigkeitsgrad bei der Operation. Eine Über- oder Unterschreitung der vom Gesetz festgeschriebenen Gebühren ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig und muss vor Behandlungsbeginn schriftlich vereinbart werden. So sind bei der Anwendung von Naturheilverfahren und in der Verhaltenstherapie zusätzliche Zeitgebühren üblich und zulässig. Die Zeitgebühr schlägt mit 14,30 Euro pro 15 Minuten zu Buche.

8. Bekommen Hundehalter einen Kostenvoranschlag?

Abgesehen von plötzlichen Komplikationen können Tierärzte vorab die Behandlungskosten eines Hundes einschätzen und dem Tierhalter nennen. Üblich ist dies beispielsweise für Standardbehandlungen wie Impfung, Chipkennzeichnung, Voruntersuchung, Operation usw. Allerdings ist die Kosteneinschätzung kein verbindlicher Kostenvoranschlag für die gesamte Behandlung. Art der Erkrankung und Zustand des Patienten erfordern oft tierärztlich notwendige individuelle Leistungen, deren Umfang erst bei der Behandlung selbst sichtbar wird. Anders als bei Handwerkerrechnungen unterliegt der Kostenvoranschlag des Tierarztes auch nicht der klassischen Zehn-Prozent-Regelung. Er kann immer nur ein Richtwert für die Budgetplanung des Hundehalters sein, da die tatsächliche Behandlung des Hundes sowohl zu Unterschreitungen als auch zu Erhöhungen der eingeschätzten Kosten führen kann.

9. Ist eine „freie Honorarvereinbarung“ bindend?

Einigen sich Tierarzt und Hundehalter auf ein Pauschalhonorar etwa für die Behandlung oder regelmäßige Überprüfung des Gesundheitszustands von mehreren Hunden einer Zucht, ist dies eine freie Willenserklärung, für die gesonderte Kostenvereinbarungen zulässig sind. Kosten und Leistungen unterliegen in diesem Fall nicht den Regeln der GOT. Übrigens: Betreuungsverträge zum kontinuierlichen Gesundheitscheck beispielsweise von Zuchttieren dürfen laut § 4. Abs. 2 GOT auch Über- und Unterschreitungen von den Gebührensätzen und damit günstigere oder höhere Honorare enthalten, müssen aber vor Behandlungsbeginn schriftlich vereinbart werden.

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