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Wilde Zeiten Thailands Hunde

Gabriele Dünwald 13.10.2016

Was hat der Hund des Königs mit dem Leben eines Straßenhundes zu tun? Auf ihren Reisen durch das Land des Lächelns begegneten Enver Hirsch und Gabriele Dünwald vielen Abenteuern und vielen Hunden

Wäre ich ein Hund in Thailand und hätte die Wahl, dann wollte ich ein Straßenhund sein oder besser noch ein Strandhund. Thailand, warum eigentlich in Thailand? Es ist 1998, als mein Freund, der Fotograf Enver Hirsch, und ich das erste Mal das für mich damals noch fremde Land bereisen. Es blieb nicht bei diesem einen Mal. Denn was bei mir auf Anhieb einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, waren – ganz abgesehen von den überaus freundlichen Menschen, der irrwitzig schönen Natur, der beeindruckenden Kultur und natürlich dem sensationellen Essen – Thailands Hunde. Manche taten mir leid, manche beneidete ich. Aber der Reihe nach.

Thailands Hunde
Meistens tiefenentspannt: Strandhunde auf der Insel Ko Samet © Enver Hirsch

Typ 1: Thailands Straßenhunde

Da waren die großen, unglaublich zerzausten, verflohten, zum Teil räudigen Gestalten, die sich mit einer wahrhaft stoischen Ruhe an achtspurigen Straßenkreuzungen herumlümmelten. Sie waren überall, in Telefonzellen, in Hauseingängen, auf Mauervorsprüngen, auf Bootsstegen und unter Marktständen. Die Tiere schienen keine Besitzer zu haben, niemand schien sich zu kümmern, als handelte es sich um eine autarke Gesellschaft, die parallel zu Bangkoks menschlichen Bewohnern die Stadt bevölkerte. Jetzt, achtzehn Jahre und etwa fünfzehn Reisen durch Thailand später, darunter ein fast eineinhalbjähriger Aufenthalt am Stück, hat sich Thailand verändert, und auch die Lebensverhältnisse der Hunde in Thailand sind nicht mehr dieselben. So seltsam es klingen mag, um zu verstehen, was genau sich im Verhältnis der Thais zu ihren Vierbeinern verändert hat, lohnt der Blick auf Thailands geliebten und verehrten König Bhumibol.

Typ 2: Thailands Königshund

Der greise Monarch, heute 88, adoptierte im Jahr 2002 den Straßenhund Tongdaeng, einen sandfarbenen Mischling. Der als leidenschaftlicher Hobbyfotograf bekannte König setzte dem Tier außerdem mit der Veröffentlichung eines eigenhändig fotografierten Bildbands ein Denkmal und machte die Promenadenmischung damit zu einem Role Model für viele, viele Straßenhunde im ganzen Land. Plötzlich erkannten die Thais in den bislang ignorierten, vernachlässigten Gestalten potenzielle Gefährten oder Freunde. Wenn schon der König einen Straßenhund füttert und streichelt, dann musste an der Tierliebe doch etwas dran sein! Aus unserer (demokratischen, aufgeklärten) Sicht ist die ganze Sache in Thailand dann allerdings etwas aus dem Ruder gelaufen: Nicht nur dass Tongdaeng in einem extra für sie (es handelt sich um eine Hundedame) geschneiderten Anzug auf jeder Neujahrspostkarte des Königs zu dessen Füßen zu sehen war, sie wurde auch in den Medien mit der Anrede „Khun“ bezeichnet, jener ehrerbietige Grußformel, die landläufig nur sehr respektablen Menschen zusteht.

Der Gipfel der Geschichte um Tongdaeng wurde vergangenen November erreicht, als ein junger Mann auf Facebook dem Hund in einer Bemerkung nicht den Respekt erwies, der ihm laut Monarchie und Militärregierung zusteht. Ein Vergehen gegen das Majestätsbeleidigungsgesetz Lèse Majesté kann in Thailand mit bis zu fünfzehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Die Verkündung des Urteils steht noch aus. Und Tongdaeng? Der Königshund ist im Dezember, kurz nach dem Prozess, im biblischen Alter von siebzehn Jahren entschlafen. Thailand trauerte.

Typ 3: Thailands Straßenhunde heute

Tongdaeng war ein Glücksbringer, auch für die quasi bürgerlichen Hunde in Thailand. Sie werden heute nach dem Vorbild von Tongdaeng gefüttert, sie werden gepflegt und geliebt. Initiativen von Hundefreunden kümmern sich um herrenlose Tiere, Geld wird gesammelt für Sterilisation und Tierarztbesuche. Thailändische Freunde von uns beispielsweise sind Besitzer eines sehr freundlichen Hundepaars, des Golden Retrievers Cartoon und der verrückten Straßenhündin Peggy, die mit Begeisterung jeden nackten Fuß abschleckt. Sie leben mitten in Bangkoks frenetisch lauter Innenstadt, beneidenswerterweise inmitten eines riesigen Gartens. Ihre Nachbarin und Vermieterin, eine sehr vermögende, mit der Königsfamilie entfernt verwandte ältere Dame, hat sich komplett der Hundepflege verschrieben und peppelt ausgesetzte, vernachlässigte Tiere mit viel Liebe auf. Manchen Vierbeinern geht es besser als den Menschen auf der Straße.

Typ 4: Thailands Tempelhunde

Thais sind Buddhisten, ihre Religion lehrt die Gläubigen Respekt vor jeder Lebensform. Bereits in Zeiten vor der Hundeliebe des Königs haben die Mönche in ihren orangenen Roben Straßenhunde auf dem Tempelgelände gefüttert, was nicht selten vorkam, denn Tempel findet man quasi an jeder Ecke. In Bangkok sieht man heute den Unterschied zu früheren Zeiten deutlich: Natürlich gibt es immer noch stoisch in der Hitze dösende Gestalten, aber sie sehen nicht mehr so elend aus, besser genährt, nicht mehr so räudig wie vor Jahren.

Typ 5: Thailands Minihunde

Im Zuge der verbesserten Lebensumstände halten sich die Thais heute eigene Vierbeiner, im Gegensatz zu den herrenlosen Horden auf der Straße. In der aufstrebenden Mittelklasse gilt es als schick, einen möglichst putzigen, kleinen Hund zu besitzen, den man am besten in der Handtasche transportieren kann. Die meist recht nervösen, quietschenden Tierchen werden gehätschelt und geschmückt. Hundefrisöre boomen, ebenso Boutiquen mit winzigen T-Shirts für Möpse und Chihuahuas. Junge Mädchen verkleiden sie mit Flügelkostümen zu Bienen. Und es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie die zarten Kreaturen bei 35 Grad im Schatten in Pullover gezwängt werden.

Typ 6: Thailands Rassehunde

Vermögende Thais gönnen sich große Rassehunde als Statussymbol. In der Zehnmillionenmetropole Bangkok ist Platz nicht vorhanden, Grünflächen sind wahrhaft dünn gesät, Auslauf ohne Leine ist bei den hochgradig gefährlichen Straßenverhältnissen so gut wie unmöglich. So fristen große Tiere ein eher tristes Dasein, und vor allem nordische Huskys, die von ihren Besitzern bestellt werden, quält die Hitze.

Typ 7: Thailands Strandhunde

Sosehr ich die Stadt Bangkok liebe, sosehr genieße ich den Besuch auf einer der unzähligen wunderschönen Inseln. Ko Samet, etwa drei Stunden südlich von Bangkok gelegen, vergleichbar mit dem, was Sylt für Hamburg ist, bietet gestressten Großstädtern Ruhe und Erholung. Auch Hunde atmen dort auf, vor allem die zufriedenen Strandhunde. Wann immer ich mit Freunden auf Samet bin, gönnen wir uns ein Picknick am Strand. Das berühmte Thai-Streetfood gibt es nicht nur in der Stadt, kein Thai rückt hier mit Tupperwaredosen an. Wir essen immer bei derselben älteren Lady frisch gegrillte Hühnerschenkel und traditionell scharfen Papayasalat. Seit Jahren hat die Dame immer denselben Hund im Gepäck. Er gehört ihr nicht, aber das einem Corgie ähnliche Tier begleitet sie jeden Tag. So geht es vielen Strandhunden. Natürlich ist das Tier hochgradig verfressen, aber wer will es ihm verdenken? Grillduft in der Nase, tierliebe Touristen, die auch mal etwas abgeben, der wolkenlose Himmel und vor sich das tropische, tiefblaue Meer. Also, wenn ich Hund in Thailand wäre, dann hier.

Gabriele Dünwald & Enver Hirsch lieben die Kultur, die Tiere und die umwerfende Natur Thailands. Mehr im Blog www.soiblossom.com.

 

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