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Wohnrecht Hunde in der Mietwohnung

Sabine Henkel 05.01.2012

Wer mit seinem Hund in einer Mietwohnung oder einem Haus wohnt, unterliegt bestimmten Rechtsnormen, die landläufigen Meinungen widersprechen. DOGS bringt Licht in den Paragraphendschungel des Wohnrechts.

Für seine Besitzer gehört der Hund natürlich zur Familie. Doch diese Auffassung teilt die deutsche Rechtsprechung nicht immer. Rein juristisch ist der Hund nämlich kein Familienangehöriger, sondern eine Sache. Sein Aufenthalt in Miet- und Eigentumsobjekten sowie in dazugehörenden Gärten unterliegt Rechtsnormen, die landläufigen Meinungen widersprechen. DOGS bringt Licht in den Paragrafendschungel.

Hunde in der Mietwohnung
Hunde in Mietwohnungen sind nicht grundsätzlich verboten © Minamoto Images/ Stocksy

Gibt es ein generelles Verbot zur Hundehaltung in Mietwohnungen?

Nein! Weder Bundes- noch Landesgesetze verbieten Mietern generell, mit einem Hund in der Wohnung zu leben. Das pauschale und prinzipielle Verbot in Mietverträgen, das jede Tierhaltung untersagt und oft in Formularmietverträgen steht, ist laut Paragraf 307 des Bürgerlichen Gesetzbuchs unwirksam. Ideal ist es, wenn der Mietvertrag oder die Hausordnung als Bestandteil des Mietvertrags keinerlei Klauseln zur Tierhaltung enthält. Dann kann der Mieter zu Recht davon ausgehen, dass sein Hund in der Wohnung leben darf.

Ist die Hundehaltung im Mietvertrag pauschal gestattet, darf der Mieter nach einer Entscheidung des Landgerichts Offenburg (Aktenzeichen: 1 S 36/97) ohne Sondergenehmigung sogar mehrere Hunde halten, auch wenn sie zu gefährlichen Rassen zählen, vorausgesetzt, die sogenannten Kampfhunde belästigen keine Nachbarn.

Erlaubt sind allerdings Klauseln, die die Anschaffung eines Hundes zustimmungsabhängig und genehmigungspflichtig machen. In vielen Fällen verankern Vermieter einen Erlaubnisvorbehalt und sichern sich die Genehmigungspflicht zum Einzug von Hunden.

Was besagt ein „Erlaubnisvorbehalt“?

Das bedeutet schlicht: Der Einzug des Vierbeiners muss vom Mieter verlangt und vom Vermieter individuell genehmigt oder versagt werden. Damit ist der Eigentümer in der Pflicht, eine Einzelfallentscheidung zu treffen. Er muss prüfen, ob die Tierhaltung der mietvertraglichen Nutzung entgegensteht oder Rechte anderer Mieter eingeschränkt werden. Vorenthalten kann er die Zustimmung nur, wenn sachliche Gründe vorliegen. Eine Ablehnung ist beispielsweise möglich, wenn andere Mieter unter Tierhaarallergie oder Hundephobie leiden, in der Vergangenheit von vierbeinigen Mitbewohnern belästigt oder geschädigt wurden.

Auch Nutzungsfläche, Hunderasse und -größe sind Kriterien für die Genehmigung. Denn Hundehalter sind verpflichtet, ihren Hund artgerecht unterzubringen. Wer in einer Stadtwohnung lebt und nicht für genügend Platz sowie Auslauf sorgt, schränkt den natürlichen Bewegungsdrang des Tieres stark ein und macht sich strafbar. Wie groß der Platzbedarf hingegen für Hunde sein muss, ist allenfalls für Zwingerhaltung geregelt. Mit kleinen Hunderassen wie zum Beispiel einem Teckel können Sie fast überall von einer Zustimmung ausgehen. Wer hingegen ein Einzimmerapartment nutzt und einen Hund von der Größe eines Bernhardiners oder mehrere Hunde aufnehmen möchte, hat schlechte Chancen.

Gilt die einmal erteilte Genehmigung für die gesamte Mietzeit?

Einmal erteilt, ist der Vermieter an seine Zustimmung gebunden und kann sie nicht nach Lust und Laune widerrufen. Das gibt Mietern Rechtssicherheit für die gesamte Mietdauer und darüber hinaus. Denn die Genehmigung gilt auch für die Erben, wenn diese die Wohnung und den Hund übernehmen.

Gibt der Vermieter die Zustimmung allerdings nur für einen bestimmten Hund, erlischt sie mit dessen Tod oder dem Auszug des Vierbeiners und gilt nicht automatisch für ein folgendes Tier. Wird die Genehmigung unabhängig von Rasse und Zahl der Tiere erteilt, ist sie allgemein gültig und trifft auch für einen etwa gleich großen Folgehund oder den (ungeplanten) Nachwuchs zu, vorausgesetzt, die Hausgemeinschaft, das Eigentum des Vermieters oder Dritte werden durch die Hundehaltung nicht gestört oder gefährdet.

Ist im Mietvertrag oder der schriftlichen Tierhaltungserlaubnis ausdrücklich die Widerrufsvariante vorgesehen, kann der Vermieter seine Genehmigung bei wiederholten Störungen, wie Treppenhausverunreinigungen, andauerndem Bellen, der Gefährdung oder Belästigung anderer Mieter widerrufen. Ratsam ist es daher, die Genehmigung zur Hundehaltung generell, widerrufsfrei und unabhängig von Rasse und Zahl der Tiere als Nachtrag zum Mietvertrag zu vereinbaren, der von beiden Seiten, dem Mieter wie dem Vermieter, unterschrieben wird.

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