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Im Kampf gegen Blutsauger 10 Mythen & Irrtümer über Zecken

Brigitte Glöwing 18.05.2017

Mythos 1: Zecken fallen von den Bäumen

Nein! Beim Ausflug droht keine Gefahr von oben, sondern eher von unten. Die Blutsauger lauern im Unterholz, unter Laub, im hohen Gras oder Gestrüpp. Um richtig in Form zu kommen, brauchen sie ein feuchtwarmes -Mikroklima. Meist warten sie in Kniehöhe auf Beute. Dabei sind sie geduldig. Sehr geduldig: Eine Zecke kann bis zu drei Jahre ohne Blutmahlzeit auskommen. Streift dann endlich ein Warmblüter vorbei, ergreift das Spinnentier seine Chance und krabbelt auf sein Opfer.

Mythos 2: In der Wohnung können Zecken nicht überleben

Jein! Einzige Ausnahme: die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Sie ist unscheinbar, kommt in vielen südeuropäischen Ländern vor und kann lange Trockenperioden überstehen. Wird sie als Urlaubssouvenir -mitgebracht, kann sie im Sommer im Freien überleben, den deutschen Winter übersteht sie nicht. In Wohnungen aber kann sie über-leben und Eier ablegen. In Zwingern oder Tierheimen kam es schon zu Zeckenplagen.

Mythos 3: Stadthunde bekommen keine Zecken

Nein! Zwar sind die Naturburschen unter
den Hunden gefährdeter als Stadttiere, doch lauern Zecken nicht nur im Wald. Auch die großstädtische Grünanlage kann ein ausgezeichnetes Zeckenhabitat sein. Liegen gelassenes Laub und ungemähte Wiesen bieten -ideale Umweltbedingungen für die Blutsauger. Deshalb sollten Hunde in der Stadt ebenso vor Zecken geschützt werden wie auf dem Land. Übrigens: Bei langhaarigen Hunden bleiben die Zecken länger unentdeckt, weil sie im -Wuschelfell untertauchen. Regelmäßiges Bürsten hilft, die Parasiten zu entdecken.

Mythos 4: Zeckenschutz ist nur im Sommer notwendig

Nein! Zecken erwachen aus ihrer Kältestarre, sobald die Temperaturen ansteigen. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die am weitesten verbreitete Zeckenart hierzulande, bekommt Hunger, sobald die Temperaturen über mehrere Tage auf mehr als sechs Grad ansteigen. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die vor allem in Süddeutschland und Berlin-Brandenburg vermehrt vorkommt, ist sogar noch kälteresistenter. Obwohl sie -ursprünglich aus Südeuropa stammt, geht sie schon bei Temperaturen dicht über dem -Gefrierpunkt auf Beutefang. Zeckenstiche im Winter sind dennoch selten. Im Frühling und Herbst ist der Zeckendruck am höchsten. In trockenen Sommern verkriechen sich die Blutsauger eher unter feuchtem Laub. Der Klimawandel sorgt auch in Mitteleuropa für steigende Temperaturen, sodass die Zecken-saison schon im März beginnt und erst im November endet.

Mythos 5: Borreliose ist die größte Gefahr für den Hund

Jein! Richtig ist, die Borreliose ist neben der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) eine gefährliche Erkrankung für den Menschen, und in Deutschland sind in Risiko-gebieten (vor allem in Süddeutschland) bis zu 35 Prozent der Zecken mit Borrelien (Bakte-rien, Erreger der Borreliose) infiziert. Jedoch bricht die Krankheit bei Hunden nur sehr, sehr selten aus. Sie scheinen, wie viele Wildtiere, eine natürliche Immunität entwickelt zu haben. Gefährlicher für den Hund sind Erkrankungen wie die sogenannte Hundemalaria (Babesiose) oder das Zeckenfieber (Ehr-lichiose). Diese Infektionskrankheiten werden vor -allem durch die Braune Hundezecke -übertragen und sind damit auch an deren Verbreitungsgebiet gebunden, das ist Südeuropa. Unsere Hunde sind vor allem -gefährdet, wenn sie uns in den Urlaub begleiten. In vielen -wärmeren Urlaubsregionen wie zum Beispiel in Frankreich oder Italien sind diese Zeckenarten häufig weit verbreitet. Bei Reisen in
das Ausland ist ein zuverlässiger Zeckenschutz wichtig. An Frühsommer-Meningoenzepha-litis erkranken Hunde in der Regel nicht, und auch Erkrankungen nach Infektionen mit Anaplasmen sind noch äußerst selten.

© Melanie Gandyra

Mythos 6: Hausmittel helfen, Zecken abzutöten

Nein! Zwar töten drakonische Maßnahmen wie Öl, Nagellack oder Kleber die Biester -tatsächlich ab, wird die Zecke mit diesen Sub-stanzen bepinselt, verkleben ihre Atmungs-organe. Doch im Todeskampf übertragen die Spinnentiere besonders viele Krankheits-erreger an ihren Wirt. Besser ist es, auf -bewährte Antizeckenmittel zurückzugreifen. Sie bieten zwei verschiedene Wirkweisen:
Die sogenannten Repellents verströmen einen für die Zecke unangenehmen Geruch und verhindern, dass sie zusticht. Oft werden sie in vielen Zeckenmitteln mit Akariziden kombiniert (siehe Kasten), Spinnengiften, die dafür sorgen, dass die Zecke möglichst schnell nach dem Zustechen ablebt und den Hund für immer in Ruhe lässt.

Mythos 7: Zecken muss man herausdrehen

Nein! Die Zecke kann einfach nach oben -herausgezogen werden. Am besten greift man sie mit einer dünnen Pinzette möglichst tief an ihrer Basis und zieht sie langsam nach oben. Praktische Zeckenkarten besitzen dafür einen keilförmigen Spalt, in den die Zecke möglichst dicht an der Haut eingeklemmt wird und sich sicher von ihrem Opfer entfernen lässt. DOGS-Tipp: Zeckenkarten lassen sich leicht aus einer alten Kreditkarte herstellen. Einfach ein spitzwinkliges Dreieck an der langen Seite herausschneiden. Bleibt der Stechapparat der Zecke jedoch in der Hundehaut stecken, kann man versuchen, ihn mit -einer Pinzette herauszuziehen. Gelingt das nicht, wehrt sich der Hundekörper meist mit einer leichten Entzündungsreaktion gegen den Fremdkörper und der Zeckenrest wird später abgestoßen. Wenn nicht, sollte ein Tierarzt konsultiert werden.

Mythos 8: Zecken beißen den Hund am ganzen Körper

Jein! Zecken stechen, sie beißen nicht! Aber wohin am liebsten? Mit ihrem Stechrüssel ritzen sie die Haut ihrer Beutetiere an und schieben ihre Stechwerkzeuge tief in die Haut, um die oberflächlichen Blutgefäße zu erreichen. Die Blutsauger bevorzugen dabei vor allem Stellen mit dünner, unbehaarter Haut, an -denen ihre Nahrungsquelle Blut dicht an der Oberfläche liegt (siehe Zeichnung unten). Auf der Suche nach der geeigneten Stelle laufen sie oft mehrere Minuten auf ihrem Opfer herum. Der Stich geschieht für den Hund unbemerkt, weil Zecken Substanzen ausscheiden, die sein Schmerzempfinden hemmen.

Mythos 9: Eine Borreliose-Impfung hilft gegen Zecken

Nein! Die Borreliose-Impfung soll den Hund vor einer Übertragung der Borreliose–Bakterien (Borrelien) durch die Zecke schützen. Sie sorgt dafür, dass die Bakterien schon in der Zecke unschädlich gemacht werden. Saugt die Zecke am geimpften Hund, nimmt sie auch die im Blut vorhandenen Antikörper auf. Die Antikörper binden die krankmachenden Bakterien im Darm der Zecke, sodass sie erst gar nicht in den Hund gelangen. Die Impfung verhindert jedoch keinen Zeckenbefall. Dazu muss der Hund zusätzlich mit einem -geeigneten Zeckenschutz behandelt werden. Nutzen und Risiko einer Borreliose-Impfung muss abgewägt werden. Die veterinärmedizinische ständige Impfkommission empfiehlt sie nur bei stark gefährdeten Hunden.

Mythos 10: mehr Zecken wegen des Klimawandels

Jein! Zeckenforscher registrieren zwar einen Anstieg der Zeckenzahlen, das liegt jedoch nur zum Teil am Klimawandel und den milderen Temperaturen im Winter. Der Hauptgrund für die zunehmende Verbreitung der Armee von Achtbeinern ist ein anderer. Der Tisch ist reich gedeckt und es gibt viel geeigneten Lebensraum für die Krabbelviecher. In Deutschland leben zunehmend mehr Wild-tiere wie Rehe, Hirsche und Wildschweine, die den Zecken als Wirte zu Verfügung stehen. Wärmere Temperaturen sorgen vor allem
dafür, dass die Zecken länger aktiv sind.

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