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Demenz, Arthrose & Co. Leiden von Hunden im Alter

Kate Kitchenham, Jesko Wilke 11.10.2010

Viele Tierärzte haben sich auf eine Hundegesellschaft eingestellt, die immer älter wird. Sie bieten Vorsorgeuntersuchungen an, die helfen, grauen Schnauzen einen würdigen Alltag zu schenken. Über häufige Alterserkrankungen und ihre Therapien.

Leiden von Hunden im Alter
Wohlfühlen im Alter: Gute Pflege verbunden mit dem richtigen Maß an Bewegung und einem auf den Hund zugeschnittenen Futter können das Voranschreiten des Alterns verlangsamen. © stocksy/Eddie Pearson

Schlechte Sicht

Fast jeder ältere Hund entwickelt Trübungen auf der Linse. Anfangs bilden sich blaugrüne Lichtreflexe auf den treuen Hundeaugen. Es sind normale Altersreflexe, die den Hund nicht oder nur kaum beeinträchtigen. Entwickelt sich ein Grauer Star, wird die Linse blickdicht. Dieses Leiden kann genetisch bedingt sein oder als Folge anderer Krankheiten entstehen. Hunde, die unter Diabetes mellitus leiden, können binnen Tagen einen Grauen Star entwickeln.

Therapie: Die einzige Möglichkeit ist eine komplette Entfernung der Linse. Augenspezialisten können bei Hunden mittlerweile Kunstlinsen einsetzen. Beim jährlichen tierärztlichen Alterscheck sollte auch die Untersuchung der Augen auf dem Programm stehen, denn außer einer Linsentrübung können im Alter Veränderungen der Netzhaut vorkommen. Übrigens: Blinde Hunde kommen in ihrer gewohnten Umgebung und mit kleinen Hilfestellungen auch ohne ihr Augenlicht gut zurecht.

Schwerhörigkeit

Taubheit ist unter betagten Hunden weit verbreitet und sollte nicht mit selektivem Hören verwechselt werden. Taube Hunde erschrecken leichter, bemerken beispielsweise Artgenossen, die sich von hinten nähern, erst spät. Auch chronische Ohrenentzündungen beeinträchtigen das Hörvermögen und sollten schon wegen der quälenden Schmerzen, die sie verursachen, vom Tierarzt behandelt werden. Häufig kann eine langsame Verschlechterung des Hörvermögens nicht rückgängig gemacht werden. „Halter sollten ihren Hund an Handzeichen gewöhnen, die sie mit Kommandos verbinden“, rät die Osnabrücker Tierärztin Thekla Vennebusch. Unterwegs kann es sinnvoll sein, den schwerhörigen Hund an die Flexleine zu nehmen.

Senile Demenz

Die sogenannte Kognitive Dysfunktion beim Hund zeigt viele Parallelen zur Alzheimer-Demenz beim Menschen. Senile Hundesenioren verhalten sich merkwürdig, sind unruhig, verlieren die Orientierung, wirken vergesslich. Manche verlieren sogar ihre erlernte Stubenreinheit. „Bei Verhaltensveränderungen ist es wichtig, zunächst andere Ursachen auszuschließen“, weiß Thekla Vennebusch. Zum Beispiel kann auch eine fortschreitende Nieren- oder Leberschwäche ähnliche Symptome hervorrufen.

Hat der Tierarzt eine Demenzerkrankung festgestellt, ist es wichtig, dem Hund geistige Anregungen zu bieten: Häufige, kurze Spaziergänge, tägliche Fellpflege, die Fütterung in zwei oder drei Portionen über den Tag verteilt können schon Abwechslungen sein und ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Bestimmte Futtermittel sollen die Gehirnaktivität verbessern. Helfen kann auch eine Erhöhung an Vitamin E in Futter oder Medikamenten, die eine Bildung von freien Radikalen unterdrücken.

Arthrose

Kommt es zu Verschleißerscheinungen in den Gelenken, sind meist mehrere Gelenke betroffen, was starke Schmerzen verursacht. Doch weil die Hunde nicht eindeutig lahmen, werden Arthrosen vom Besitzer schnell übersehen. Erkrankten Senioren fällt es schwer, aus dem Körbchen zu steigen. Nach dem Aufstehen sind sie unbeweglich und steif, was im Tagesverlauf verschwindet. Verweigert Bello den Sprung ins Auto oder den Treppenaufstieg, kann das ein erstes Zeichen für einen Gelenkverschleiß sein.

Therapie: Übergewichtige Hunde sollten abnehmen, um die Gelenke zu entlasten. Die Hundepatienten sollten nach Absprache mit dem Veterinär kontrolliert bewegt werden. Medikamente wie NSAIDs (zum Beispiel „Rimadyl“, „Metacam“) wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend, haben jedoch manchmal Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt. Naturheilkunde und Physiotherapie können ebenfalls helfen. Schwimmen in warmem Wasser wirkt sich positiv aus. In vielen Futtersorten für Hundesenioren sind Zusatzstoffe wie Chondroitinsulfat oder Glucosaminhydrochlorid enthalten, sie sollen den Gelenkknorpel schützen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. In schweren Fällen muss über eine Operation nachgedacht werden.

Kranke Nieren

Die Nieren verlieren im Alter etwa zehn Prozent ihres Gewichts, abgestorbene Zellen werden nicht mehr ersetzt. Dadurch reduziert sich laufend die Menge an funktionsfähigem Nierengewebe. Aufgabe des Ausscheidungsduos ist es, das Blut zu filtern und Giftstoffe auszuleiten. Nebenbei regulieren sie noch Bellos Wasserhaushalt.

Nehmen die Nieren ihre lebenslange Aufgabe nicht mehr wahr, hat das fatale Folgen für den Körper: Der Gehalt von harnpflichtigen Stoffen im Blut, etwa Harnstoff, steigt an und bewirkt eine langsame innere Vergiftung des Hundes. Kranke Nieren scheiden auch vermehrt Wasser aus, die Hunde trinken auffallend viel. Harnstoff kann Geschwüre in Magen oder Mund verursachen. Symptome wie Schlappheit, Erbrechen, Koordinationsstörungen und Anfälle bis hin zum Koma können auftreten. Nierenversagen zählt zu den häufigsten Todesursachen älterer Hunde. Therapie: Helfen kann man Patienten von Nierenerkrankungen mit einer vom Tierarzt verschriebenen nierenschonenden Diät, die wenig Protein enthält und die Ausscheidungsarbeit der Nieren verringert.

Harninkontinenz

Das Harnträufeln ist besonders bei kastrierten großen Hündinnen eine häufige Alterserscheinung, fast ein Drittel kennt dieses Problem. Inkontinenz kann viele Ursachen haben, zum Beispiel können hormonelle Veränderungen im Alter eine Schwäche des Blasenschließmuskels bewirken. Auch geistige Senilität bewirkt, dass Bello „ausläuft“.

Wenn die Trinkmenge des Hundes eher der eines Ponys entspricht, kann der Urin über Nacht nicht mehr gehalten werden. Ursache für häufiges Trinken ist meist Nierenschwäche oder Diabetes mellitus.

Therapie: Um dem Besitzer zu helfen, muss der Arzt eine genaue Ursachenforschung betreiben. Nur die richtige Therapie kann wirken: Inkontinenten können Hormone oder Medikamente helfen, die die Spannkraft des Blasenschließmuskels stärken. Der Wasserkonsum darf bei angeschlagenen Nieren aber nicht reduziert werden. Bleibt nur, Gassigänge auf nachts auszuweiten oder den See im Haus in Kauf zu nehmen.

Herz-Kreislauf-Leiden

Wie bei Zweibeinern steigt auch bei Vierbeinern mit dem Alter die Anfälligkeit für Herzerkrankungen. Rassen wie Cavalier King Charles Spaniel und Dobermann sind besonders betroffen. Von tödlichen Herzinfarkten bleiben Hunde verschont, sie leiden eher an Herzklappenveränderungen, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder an Bluthochdruck. Oft entstehen Herzleiden infolge anderer Krankheiten wie Nieren- oder Leberschwäche. Einige Veterinärmediziner haben schlechte Zähne als Ursache für Herzklappenveränderungen aus gemacht. Sie haben festgestellt, dass Bakterien über das Blut aus der Mundhöhle in das Herz gelangen und an den Herzklappen hängenbleiben, wo sie zu Entzündungen führen.

Bei einer Herzinsuffizienz kann die Pumpe nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf drücken, Schlagkraft und Schlagvolumen nehmen ab. Symptome sind, je nachdem ob die linke oder rechte Herzhälfte betroffen ist, Keuchen oder Husten bei Belastung oder Wasseransammlung in Beinen oder Bauchhöhle. Nach Stress, Anstrengung oder Fressen von stark salzigen Happen kann sich eine Herzinsuffizienz schlagartig verschlechtern.

Therapie: Es gibt Medikamente, die bei Herz-Kreislauf-Störungen helfen. Wichtig: Herzpatienten müssen auf ihre schlanke Linie achten. Vermeiden Sie Aufregung. Bewegung ist wichtig, jedoch sollte der tägliche Spaziergang dem betagten Hund angepasst werden. Überfordern Sie ihn nicht. Alles Salzige ist tabu. Die meisten Herzpatienten haben bei guter Pflege eine annähernd normale Lebenserwartung. Spezielle Herzdiäten unterstützen durch besondere Zusammensetzung an Nährstoffen das Wohlbefinden des Hundes.

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