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GETREIDE UND GRÄSER Grannen: die Gefahr im Kornfeld

Johanna Esser 31.08.2016

Sonnenschein, blauer Himmel, bestes Wetter: Doch was DOGS-Autorin Johanna Esser mit ihrer Pointerhündin Elfie erlebt, erschreckt und gilt als Warnung an alle Hundehalter

Ausgelassen tobt meine Hündin im gestreckten Galopp die Wege auf und ab, hier und da wird die Hundenase in eine Wiese oder ein Getreidefeld gesteckt. Elfie bremst plötzlich ab und macht zwei große Sätze in ein Weizenfeld. Sofort pfeife ich sie aus dem Feld heraus, keine zwei Minuten hat dieser „Abstecher“ gedauert.

Hund im Getreidefeld
© Getty Images/David Leswick

Ununterbrochen niesend kommt sie zu mir zurück. Erst ist es nur schleimiges Sekret, einen Moment später mischt sich auch Blut unter das, was aus Elfies Nase kommt. Das Niesen hört nicht auf, das Blut wird mehr. Ich untersuche ihre Nase und finde keine Risse oder andere äußere Verletzungen. Der Gedanke, dass es Grannen sein könnten, die da in Elfies Nase sind, kommt schnell: Den gesamten Nachhauseweg, rund 30 Minuten, über niest sie heftig und blutet weiter aus der Nase.

Grannen sind diese widerhakenbesetzen Enden vieler Gräser- und Getreidearten, die Hunden gefährlich werden können, wenn sie durch Felder und Wiesen rennen. Sie brechen ab und verhaken sich im Fell des Hundes, werden anschließend immer tiefer durch das Fell in Richtung Haut geleitet, wo sie sich fest bohren und in die Haut eindringen können. Im schlimmsten Fall wandert die Granne durch den Körper des Hundes und verursacht einen Abszess. Häufig betroffen sind auch die Pfoten. Durch die relativ dünne Hautschicht zwischen den Zehen können die Grannen dort besonders gut eindringen. Auch in Körperöffnungen gelangen Grannen schnell: im Ohr, in der Nase, im Auge, aber auch durch Einatmen in die Lunge können sie schwere Verletzungen verursachen.

Also zögere ich nicht lange, packe meine Hündin ein und fahre mit ihr in die Tierklinik. Im Wartezimmer niest Elfie pausenlos weiter. Tierärztin Helen Sittig fällt vorerst keine eindeutige Diagnose. „Es könne auch eine Verletzung der Nasenscheidewand sein, eine Schramme“, meint sie. Genau in dem Moment niest Elfie heftig und bespritzt die weiße Tür des Behandlungszimmers mit vielen kleinen Blutspritzern. Damit ist die Entscheidung gefallen, Elfie wird in Vollnarkose gelegt. Diese ist nötig, weil die Tierärztin mit einem Endoskop in Elfies Nasenöffnung eindringen muss, um nach den Grannen zu suchen.

Die entfernten Grannen
Herausoperiert: diese feinen Grannen steckten in Elfies Hundenase © Johanna Esser

Nach einer guten halben Stunde ist es geschafft, Helen Sittig hat zwei Grannen aus Elfies Nase gezogen. Glück gehabt. Um 18.30 Uhr sind wir endlich wieder zuhause. Müde, erschöpft und um eine Erfahrung reicher. Wären diese Grannen in Elfies Nase unentdeckt geblieben und nicht rechtzeitig entfernt worden, hätten sie schwere bis lebensgefährliche Verletzungen verursachen können.

Ich grüble: Besser keine Spaziergänge mehr unternehmen, wenn das Getreide hoch auf dem Feld steht? Ganz so streng muss man es nicht nehmen, meint die Tierärztin. Aber aufpassen sollte man, und den Hund nach jedem Spaziergang gründlich nach Grannen absuchen. Hauptsächlich im Sommer und zum Herbstbeginn heißt es daher Obacht geben: kratzt und leckt sich ein Hund ständig an derselben Stelle, könnte er sich eine Granne eingefangen haben. Elfie und ich wissen jetzt, was die Biester anrichten.

Gefahr durch Grannen erkennen

Am Körper: plötzliche entzündliche Reaktionen, gerötete & geschwollene Körperpartien

Im Auge: starker Tränenfluss, eitriger Ausfluss, gerötete Bindehaut (Hund versucht sich zu kratzen)

Im Ohr: Hund trägt Kopf schief, heftiges Schütteln, Innenohr gerötet

In der Lunge: Husten, Atemnot, eingeschränkte Leistung

In der Nase: im ersten Moment heftige Niesanfälle, einseitiger Nasenausfluss, anfangs wässrig, später blutig

Marie Peters

2016.09.10 um 21:18 Uhr

Das mit den Grannen kenne ich nur zu gut. Meine Hündin hatte einen riesen Abszess am Hinterschenkel und mußte operiert werden. Der Tierarzt zeigte mir dann die entnommen Grannen; die nur 2-3 mm lang waren. So wie der TA mir berichtete wandern die Grannen im Körper, was die Sache noch schlimmer macht. Sie hatte die Grannen aber nicht aus einem Kornfeld sondern von dem wild wachsenden Weizen der an jedem Weges- oder Straßenrand steht. Seit dem warne ich jeden Hundebesitzer, wenn ich den wilden Weizen sehe.

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