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Moderne Therapien Hormone des Hundes

Dr. Brigitte Glöwing, Dr. Sophie Strodtbeck, Dr. Udo Gansloßer 10.05.2012

Bei Problemen mit der Schilddrüse, Diabetes oder dem Cushing-Syndrom leidet ein Hund, nicht selten verändert sich auch sein Verhalten. Wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten: DOGS erklärt moderne Therapien.

Hormone machen Hunde aktiv

Im Körper eines Säugetiers wirken an die hundert Botenstoffe. Sie werden in den vielen Hormondrüsen des Körpers gebildet und an das Blut abgegeben. Die bekanntesten Hormondrüsen sind Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Nebennieren. Aber auch im Magen und im Darm werden Hormone produziert. Zudem werden sie in bestimmten Geweben, etwa dem Fettgewebe, gebildet.

Beeindruckt den Hund etwas in seiner Umgebung, sendet sein Gehirn ein Signal an den Hypothalamus. Dieser meldet der Hypophyse, dass Handlungsbedarf besteht. Bei Gefahr werden die Nebennieren angeregt, Adrenalin in die Blutbahn zu injizieren. Die Hypophyse kontrolliert den Gehalt des Adrenalins im Blut und beendet nach erfüllter Mission die Hormonausschüttung.
Beeindruckt den Hund etwas in seiner Umgebung, sendet sein Gehirn ein Signal an den Hypothalamus. Dieser meldet der Hypophyse, dass Handlungsbedarf besteht. Bei Gefahr werden die Nebennieren angeregt, Adrenalin in die Blutbahn zu injizieren. Die Hypophyse kontrolliert den Gehalt des Adrenalins im Blut und beendet nach erfüllter Mission die Hormonausschüttung. © André Gottschalk

Hormone wandern über die weit verzweigten Blutbahnen zu ihrem Zielorgan. Jedes Hormon bringt, bildlich ausgedrückt, den Schlüssel für ein ganz bestimmtes Schloss an einer Zelle mit und nur da kann es ansetzen und wirken. Durch das Andocken an die Zelle lösen Hormone eine ganze Kaskade von mikrobiologischen Veränderungen aus. Sie greifen in den Stoffwechsel der Zelle ein. So sind die kleinen Moleküle in der Lage, das Leben in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ob Flucht oder Kampf, Mobilisierung oder Ruhephase, das alles geht nur mit Hormonen.

Leidet der Hund unter einer hormonellen Störung, können deutschlandweit gut ausgebildete Tierinternisten weiterhelfen. Einige haben sich auf Endokrinologie spezialisiert. DOGS zeigt eine Auswahl von Ansprechpartnern.
Adressen: Tierinternisten in Deutschland

Professor Claudia Reusch von der Vetsuisse Universität in Zürich hat die Hormone zu ihrem Lebensthema gemacht. „Warum ich Endokrinologin geworden bin?“ Professor Reusch hat sich diese Frage anscheinend schon häufiger gestellt, denn eine Antwort kommt prompt: „Weil ich Tieren mit Hormonerkrankungen oft gut helfen kann. Ist das Problem erst einmal erkannt, gibt es meist eine Therapie, mit der das Tier wieder eine gute Lebensqualität und ein langes Leben hat.“ Die Endokrinologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Hoch spezialisierte Endokrinologen oder gar Diabetologen wie in der Humanmedizin gibt es unter den Kleintierärzten nur sehr wenige. Dafür ist das Patientenaufkommen zu klein.

„95 Prozent der Fälle können von gut ausgebildeten Internisten behandelt werden“, sagt Expertin Claudia Reusch, für den Rest gibt es einige wenige Spezialisten, vor allen an den Universitäten.

Hormone des Hundes: Schilddrüsenunterfunktion

Fussel ist der passende Name für eine Lhasa-Apso-Mischlingshündin. Der Verlauf ihrer Schilddrüsenerkrankung ist jedoch eher untypisch und damit bezeichnend für die Erkrankung. Vor zwei Jahren wurde bei ihr ein Gesäugetumor entfernt. Nach der Operation erholte sie sich auffallend langsam. Sie lag viele Tage und Wochen nur noch müde, lustlos, fast depressiv im Körbchen. Besitzerin Cornelia Nikolic suchte Rat bei ihrer Tierärztin. Die überprüfte die Schilddrüsenhormone im Blut. Das Ergebnis: Fussel leidet wahrscheinlich schon seit Längerem unter einer Hypothyreose.

Die Modekrankheit Hypothyreose: Was sich wie Lippengymnastik anhört, ist der Fachbegriff für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Krankheit ist auf dem Hundeplatz in aller Munde und scheint sich zu einer regelrechten Modekrankheit zu entwickeln. „Ich halte die Erkrankung jedoch für stark überdiagnostiziert“, sagt Professor Claudia Reusch. Ihrer Meinung nach wird vielen Hunden mit diffusen Beschwerden fälschlicherweise dieser Stempel aufgedrückt.

Die Krankheit Hypothyreose eindeutig zu diagnostizieren, ist oftmals schwierig. Die Symptome sind vielschichtig und reichen von Verhaltensveränderungen über Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Hautproblemen. Den Hormonspiegel im Blut zu überprüfen, hilft nicht in jedem Fall weiter. Ein tiefer Schilddrüsenwert kann durch viele Krankheiten oder auch Medikamente verursacht werden. Zum Beispiel haben Schmerzmittel oder Glucocorticoide, im Volksmund: Kortison, einen Einfluss auf die Höhe der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut. Ein Funktionstest kann weiterhelfen und in vielen Fällen die Diagnose sichern.

Eine gesunde Schilddrüse produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) und sondert sie in die Blutbahn ab. Die beiden Ts regulieren die Geschwindigkeit des Stoffwechsels, sie steuern Verdauung, Körpertemperatur, Herz, Kreislauf und die Tätigkeit des Gehirns. Die Ursache der Hypothyreose ist in über 95 Prozent der Fälle ein Verlust von Schilddrüsengewebe. Fast immer handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der ein irritiertes Immunsystem körpereigenes Schilddrüsengewebe angreift. Was übrig bleibt, versucht sein Bestes, um den Hormonmangel zu kompensieren, doch irgendwann fällt der Hormonspiegel ab.

Die Symptome sind meist deutlich, denn fehlen die Botenstoffe der Schilddrüse, führt das beim Stoffwechsel zur Entdeckung der Langsamkeit. Müdigkeit, Unlust, Fettablagerungen sind die Folge. Hypothyreose-Hunde schlafen 23,5 Stunden pro Tag in ihrem Körbchen. Gassi gehen sie nur unter Protest und bei kaltem Wetter schon gar nicht.

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen macht die Tiere kälteempfindlich, sie werden leicht reizbar, aggressiv, und noch junge Hunde wirken plötzlich sehr alt. Ihr Fell wird trocken und stumpf. Kahle Stellen im Fell entstehen, die Haut kann sich schwarz verfärben. Die Symptome kommen schleichend, sodass viele Hundehalter die Veränderungen als Alterserscheinungen fehldeuten.

Als Therapie wird die lebenslange Gabe von Schilddrüsenhormonen empfohlen. Auch Fussel bekommt seit fast zwei Jahren Schilddrüsenhormone. Zunächst hat eine Wirkung sehr lange auf sich warten lassen, etwa vier Monate musste Cornelia Nikolic auf eine Veränderung von Fussels Verhaltens hoffen. Doch jetzt ist die kleine Hündin wieder munter, spielt und ist neugierig.

Hormone des Hundes: Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Hyperthyreose ist es genau umgekehrt. Eine Überdosis an Schilddrüsenhormonen peitscht auf den Stoffwechsel ein und überfordert ihn. Herzrasen, Schweißausbrüche und Gewichtsabnahmen sind die Folge. Fellnasen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sind nervös, zittern, trinken und fressen vermehrt, nehmen aber trotzdem ab. Ursache ist meist ein hormonproduzierender Schilddrüsentumor. Durch den Tumor kann außerdem Druck auf Luft- und Speiseröhre entstehen.

Zur Therapie muss der Tierarzt oft den Tumor und sogar die gesamte Schilddrüse operativ entfernen. Bei Hunden mit sehr großen Schilddrüsentumoren oder solchen, die bereits in die Umgebung eingewachsen sind, kann eine Tumorbestrahlung helfen.

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