DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Physiologie Die Zunge des Hundes

Philip Alsen 28.08.2012

Die Zunge ist das vielfältigste Organ des Hundes und spielt besonders bei der Aufnahme von Flüssigkeiten und der Temperaturregelung eine wichtige Rolle. DOGS erklärt, wie die Zunge des Hundes aufgebaut ist und wie sie funktioniert.

Nahrungsaufnahme

Fressen ist die drittwichtigste Aufgabe der Zunge, neben der Temperaturregelung und dem Trinken. Anders als bei uns Menschen beginnt die Verdauung nicht erst im Magen, sondern schon im Maul. Was immer dort hineingeschaufelt wird, muss in mehr oder weniger große Bröckchen zerkleinert, eingeweicht und glitschig gemacht werden. Dafür braucht der Hund eine Menge Speichel, der zum großen Teil von seiner Unterzungendrüse produziert wird. Schmecken können Fellträger übrigens viel schlechter als wir Menschen: Süß, sauer, bitter und salzig können sie zwar unterscheiden, für die „Zwischentöne“ aber haben sie mit ihren nur rund 1.500 Geschmacksknospen auf der Zunge keinen Sinn, der Mensch hat davon 9.000!

Gut schmecken muss Hundefutter deshalb auch nicht. Gut riechen reicht, damit Hunde sich begeistert über eine Futterschüssel hermachen. Denn wenn es um Delikatessen geht, verlassen sie sich allein auf ihre Nase. Dort nämlich sitzt das nach einem dänischen Mediziner benannte Jacobsonsche Organ, mit dem sie Nahrung und Sexuallockstoffe erschnuppern. Und signalisiert die Nase erst einmal „lecker“, fangen die Speicheldrüsen an überzulaufen, das Maul geht auf, und egal was da liegt, es rutscht beinahe von allein den Schlund hinunter. Die Drüsen beginnen mit der Produktion nicht erst beim Fressen. Das Sprichwort „Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen“ ist vom Hund abgeguckt.

Hygiene

Apropos Speichel: Ist Hundespucke eigentlich unhygienisch oder mit Bakterien „verseucht“, macht sie krank? Oder kann die Hundezunge vielleicht sogar heilen? „Et calor qui in lingua est, vulneribus et ulceribus sanitatem convert“ – die Wärme, die in der Zunge ist, bringt Gesundheit für Wunden und Geschwüre, schrieb schon die im Jahr 1098 geborene Mystikerin und Ärztin Hildegard von Bingen. Die Ärzte des Mittelalters hielten viel von Hunden, zumindest als Heilmittel. Hundehaut helfe gegen Arthritis, sagte man. Säugende Welpen wurden gesotten und zu einer Heilsalbe für Gelähmte verarbeitet, Hundegalle wurde bei Epilepsie eingesetzt. Lungenkranken wurde Hundefett auf die Brust geschmiert, und wer Zahnschmerzen hatte, der bekam, wenn er Pech hatte, eine Hundekotpackung.

Moderne Schulmediziner kennen solche Methoden zum Glück nur aus Geschichtsbüchern, allein die Idee des Wundenleckens hält sich. Wenn ein Hund an einer Wunde leckt, so sagen selbst manche Ärzte, heile sie besser. Tatsache ist: Im Speichel des Hundes befinden sich, je nachdem wo er gerade herumgestöbert hat, unzählige Bakterien und Keime. Bestandteile des Hundespeichels wirken aber bakterizid, also Bakterien abtötend. Doch wie viele Keime werden vernichtet? Und welche? Neuere medizinische Untersuchungen zeigen, dass das Lecken einer Wunde zur Heilung führen kann. Woran das genau liegt, weiß bisher niemand. Dass das Speichel Substanzen enthält, die den Heilprozess fördern? Möglich. Am Spüleffekt? Könnte sein. Und wieso tragen Hunde nach einer Operation Halskrausen, statt sich gesund zu lecken? Wegen des Fadens, den sie herauszuziehen versuchen. Außerdem ist die Zunge rau, sie können sich wund lecken.

Ist ein Kuss von einem Hund nun eklig? Vielleicht. Ist er unhygienisch? Nicht wirklich. Gesundheitsgefährdend? Nein! Natürlich, ein Hundebiss kann sich infizieren. Wer abgeleckt wird, geht aber kein Risiko ein. Und Hand aufs Herz: Was zeigt mehr Vertrauen, Liebe und Hingabe, als eine von Schwanzwedeln begleitete Schlabberattacke mitten durchs Gesicht?

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zum Seitenanfang

Mehr Lust auf DOGS?

News, Wissen, Gewinne – jetzt im Newsletter für Hundefreunde

  • Aktuelle Hunde-News
  • DOGS Video-Wissen
  • Tolle Gewinnspiele

Hier direkt kostenlos anmelden:

Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X