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Straßenhunde Mein Freund vom Strand

Juliane Peschel-Paetzold, Philip Alsen 13.10.2015

Wer im Süden Urlaub macht, trifft auf viele Straßenhunde. Mit nach Hause nehmen? Hilfe muss anders ablaufen, sagen Tierschützer. Nicht alle haben so viel Glück wie Gluta, der Happy Dog aus Thailand.

Warum nur mag man einen bestimmten Hund? Warum den und nicht irgendeinen anderen? Straßenhunde gehörten jedenfalls für Sorasart Wisetsin, den früheren Studenten der Medienkommunikation aus Bangkok, zum Alltag. Noch nie hatte er sich besonders für einen von ihnen interessiert. Irgendwann aber stolperte er in einem Parkhaus über eine weiße Hündin mit cremefarbenen Ohren.

Nüchtern betrachtet, war sie ziemlich gewöhnlich, und dass sie, wie fast alle der geschätzt 300.000 Straßenhunde Bangkoks, total abgemagert und sogar krank war, ließ sie nicht besser aussehen. Sorasart aber mochte sie, und so begann er, sie zu füttern und sich mit ihr zu beschäftigen.

Straßenhunde in Thailand
In Bangkok gibt es rund 300.000 Straßenhunde © Getty Images

Gluta bekommt einen Namen

Über die Zeit wuchs ihr Vertrauen und seine Zuneigung. Er nannte sie Gluta, brachte sie zum Arzt, und der diagnostizierte Krebs. Sorasart suchte eine neue Wohnung, nahm die Hündin zu sich und bezahlte die eineinhalb Jahre dauernde Behandlung. Seither hat Gluta ein Zuhause, und Sorasart und seine Freundin Som haben einen Hund.

Straßenhunde: In den Ländern des Südens trifft man sie beinahe überall. Aber auch in Metropolen wie Moskau, der mit zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Europas, gehören sie zum Straßenbild – dort haben sie sogar gelernt, die Metro zu benutzen. Wissenschaftler haben dokumentiert, dass Hunde morgens die U-Bahn nehmen, um von den Vorstädten ins Zentrum zu gelangen, weil sie dort leichter an Futter kommen.

Straßenhunde sind Überlebenskünstler

Wie Straßenhunde leben, ist sehr unterschiedlich. Manche wurden ausgesetzt, andere bereits auf der Straße geboren. Gemein ist ihnen, dass sie Überlebenskünstler sind. Und auch wenn sie in den seltensten Fällen wirklich alt werden, heißt das nicht, dass sie kein glückliches Leben führen. Sie haben soziale Strukturen, tägliche Routen und Stellen, an denen sie Futter finden.

In Ländern mit einer schlecht organisierten Müllabfuhr beispielsweise landen viele Müllsäcke einfach auf der Straße, und hinter Restaurants und Hotels quellen die Abfallbehälter über. Sie locken Ratten und Mäuse an, und wer keinen Abfall mag, frisst die Nager. Sehr oft finden sich auch Menschen, die helfen. So tanzen die Straßenhunde in der Altstadt von Havanna beispielsweise nach der Pfeife der städtischen Museumswächter, die täglich nach ihnen schauen und sie sogar kastrieren lassen. Der allabendliche Triller vor dem Museo de la Ciudad bedeutet: Zeit fürs Futter!

Für das Gros der Streuner aber ist das Leben ein mit Leid und Schmerzen verbundener Kampf um das Überleben. Ihre Fruchtbarkeit ist enorm: Zweimal im Jahr wird eine Hündin läufig, und unter Garantie finden sich immer ein oder mehrere Rüden, die sie belegen. Jede Eizelle kann von einem anderen Rüden befruchtet werden, und nach durchschnittlich dreiundsechzig Tagen kommt in der Regel ein ziemlich bunter Trupp Welpen zur Welt. Zwischen einem und elf Stück ist alles möglich, durchschnittlich sind es sieben. Und auch wenn nur wenige überleben, ist die Vermehrungsquote enorm.

Das Leid der Hunde stört das sonnige Image der Urlaubsregionen

In vielen Ländern greifen die Behörden hart durch. Um der Tierschutzdiskussion mit den Urlaubern aus dem Weg zu gehen, werden Straßenhunde oft schon vorsorglich von der Straße geholt, in überfüllten Tierheimen untergebracht, eingeschläfert oder vergiftet. Ausgemergelte, um Futter bettelnde Hunde sind schließlich kein schöner Anblick für die Touristen.

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