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Tierschutz 30 Tipps, die Streunern im Süden helfen

Christina Stüven, Dr. Brigitte Glöwing 05.08.2014

Sie wühlen im Müll, betteln im Café und schlafen zusammengerollt an den unmöglichsten Stellen. Wer den häufig dünnen, räudigen Hunden im Süden begegnet, hat nur einen Wunsch: Helfen! Aber wie?

30 Tipps, die Streuner im Süden helfen
Die Bedingungen für Straßenhunde im Süden sind häufig sehr schwer © Cultura RF / vario images

Sollte man Streuner im Süden füttern, verarzten oder lieber gleich mit nach Hause nehmen? Internationale Tierschützer warnen bei aller Dankbarkeit vor blindem Aktionismus. Und sagen, was zu tun wäre.

1. Schon der vor der Reise informieren

Viele Tierschutzvereine, die in Urlaubsgebieten aktiv sind, findet man auch im Internet. Auf ihren Websites berichten sie über die aktuelle Situation vor Ort und beraten über sinnvolle Hilfe und Besonderheiten im Umgang mit den Straßenhunden. Wer vor seiner Reise die Situation der Tiere richtig einschätzt, erkennt, wo Hilfe benötigt wird, und kann eventuell vor Ort effektiver handeln.

2. Genau hinsehen

Nicht jeder Straßenhund braucht unsere Hilfe. Seit einigen Jahren ist in vielen Urlaubsländern ein langsamer Wandel im Umgang mit frei lebenden Hunden spürbar. Stadtverwaltungen und Hotelbetreiber erkennen zunehmend die abschreckende Wirkung von Tierelend auf Touristen und unterstützen die Arbeit der Tierschützer. Angezeigte Vergehen werden häufiger verfolgt als früher und Strafen konsequenter verhängt. Auch können private Halter vermehrt davon überzeugt werden, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Denn wo keine Überpopulation herrscht, leben Mensch und Streuner gut und friedlich nebeneinander. Immer häufiger sind es auch Einheimische, die Hunde im Garten oder auf der Straße mit Wasser und Futter versorgen. Solche Hunde, gerade wenn sie nicht an Menschen gewöhnt sind, wären im Tierheim höchst unglücklich und schwer zu vermitteln. Schauen Sie sich den Streuner deshalb gut an, bevor Sie einschreiten. Gut genährte und freundliche Tiere werden mit großer Sicherheit versorgt. Fehleinschätzungen über die Hilfsbedürftigkeit von frei laufenden Hunden führen leider immer wieder dazu, dass auch Hunde mit Futterheimat von Touristen eingesammelt werden. Auffangstationen sehen sich schon jetzt mit einer Flut von vermeintlich hilflosen Tieren konfrontiert.

3. Andere Sitten tolerien

In beliebten Urlaubsregionen gelten Hunde nicht, wie wir es gewohnt sind, als Sozialpartner, sondern erfüllen Aufgaben. Doch nicht immer leiden die Tiere auch darunter. Sie hüten die Herde oder bewachen Haus und Hof, bekommen Futter und haben einen Schlafplatz außerhalb des Hauses. Diese Hunde wirken manchmal zerrupft, haben aber ein Zuhause und führen ein für uns zwar ungewohntes, aber akzeptables und zufriedenes Leben. In ländlichen Regionen sind häufig auch Familienhunde tagsüber allein oder im Rudel unterwegs. Deshalb ist es ratsam, die kulturellen Unterschiede im Blick zu behalten.

4. Religiöse Gefühle achten

„In Antalya werden immer wieder Wasserflaschen und -näpfe an Gebetsbrunnen gefüllt, um Straßenhunde zu versorgen“, erzählt Silvia Greene von der Tierschutzorganisation Care 4 Life. „Dieses Wasser ist, ähnlich wie Weihwasser, allein dem Gebet zugedacht. Eine Entnahme zu nichtritualen Zwecken wird von den Gläubigen als große Respektlosigkeit empfunden.“ Mit ihrem Verein arbeitet sie aktiv daran, das Image der Straßenhunde zu verbessern, zum Beispiel durch die Ausbildung von Straßen- zu Rettungshunden. Auch als Urlauber kann man einen Beitrag zum Verständnis leisten: „Ruft der Muezzin zum Gebet, stimmen Straßenhunde häufig in den Gesang ein, was von den betenden Menschen als störend empfunden wird. Werden die Hunde kurz abgelenkt, wird dies gerade in ruhigen ländlichen Gegenden als nette Geste empfunden.“

Im buddistischen Thailand stehen Tierschützer vor einem ganz anderen Problem: Ist ein Fundtier schwer verletzt oder krank, bleibt manchmal nur, es erlösen zu lassen, was in buddhistisch geprägten Ländern problematisch sein kann. „Im Buddhismus ist es nicht erlaubt, über das Leben zu entscheiden. Viele Tierärzte in Thailand euthanasieren aus diesem Grund nach wie vor nicht“, so Claudia Sigrist von der Soi Dog Foundation. „Hier bleibt dem Finder nur die Möglichkeit, nach einem Tierarzt zu suchen, der bereit ist, das Tier einzuschläfern. Unsere Soi-Dog-Tierärzte in Phuket sind verpflichtet, im Notfall zu euthanasieren.“

5. Kettenhaltung genau ansehen

Anders als bei uns ist die Kettenhaltung in vielen Urlaubsländern erlaubt. Besonders in Griechenland trifft man auf Hunde, die tagein, tagaus an einer kurzen Kette liegen. Ihre Hundehütte, eine rostige Eisentonne, hat ihnen den Beinamen Tonnenhunde eingehandelt. Sie werden zum Bewachen von Feldern, Baustellen und Viehgründen eingesetzt und sind oft fernab von menschlichen Siedlungen zu finden.

„Jedem Kettenhund muss ein trockener und sauberer Bewegungsradius zur Verfügung stehen, er muss regelmäßig gefüttert werden und braucht freien Zugang zu frischem Wasser sowie Schutz vor Hitze und Kälte“, sagt Thomas Busch vom Förderverein Arche Noah Kreta e.V. (www.tieraerztepool.de). Ist dies nicht gewährleistet, sollte man aktiv werden. Schutzorganisatonen raten dringend davon ab, ein fremdes Grundstück ungefragt zu betreten und Tonnenhunde eigenmächtig zu befreien. Das gilt als Diebstahl und wird streng verfolgt.

Wird man Augenzeuge von Tierquälerei, empfiehlt es sich, den Fall zu dokumentieren: Fotos machen, Ort und Zeitpunkt der Beobachtung notieren, Augenzeugen hinzuziehen. Oft ist es sinnvoll, der Reiseleitung oder im Hotel von der Beobachtung zu berichten. In schweren Fällen kann der Tourist auch die Polizei einschalten.

6.  Keine Straßenhunde in die Unterkunft nehmen

Wer ein Tier ins Hotelzimmer oder Apart­ment schmuggelt, um es dort zu versorgen, könnte ihm indirekt schaden. Die Tiere ge­wöhnen sich an Futterplatz und Zuwen­dung, werden aber nach Ihrer Abreise nicht mehr geduldet und gar getötet. „Auch ver­steckt angelegte Futterstellen sind problematisch. Sind diese nach der Abreise des Touristen versiegt, muss sich der Hund erneut an ein Rudel anschließen“, so Claudia Sigrist von der Soi Dog Founda­tion. „Dabei kann es zu blutigen Auseinandersetzungen kommen.“

7. Nicht vom Tisch füttern

Einem hungrigen Straßenhund ein paar Futterbröckchen zu geben, ist in Ordnung, aber füttern Sie nie direkt am Hotel­ oder Restauranttisch und richten Sie auch innerhalb der Hotelanlage keine Futterstellen ein. Das zieht mehr Hunde an, und ein Rudel, das es sich neben dem Pool gemütlich macht, wird so manchen Betreiber veranlassen, Maßnahmen zu ergreifen, die nicht zum Bes­ten der Streuner sind.

8. Nicht lautstark beschweren

Pöbeleien über die Not der Straßenhunde im Hotel oder gleich beim Bürgermeister des Ortes können dazu führen, dass die Tiere nach der Saison systema­tisch getötet werden, um das Elend aus dem Straßenbild zu entfer­nen und um sich damit den Ärger vom Hals zu halten. Sinnvoller kann sein, Interesse zu zeigen und zu fragen, ob die Tiere kastriert sind und Futterstellen haben. Positive Worte finden auch im Aus­land eher Gehör als eine als arrogant empfundene Belehrung.

9. Innigen Körperkontakt zur Sicherheit vermeiden

Ein hysterisches „Fass den Hund nicht an!“ ist meistens übertrieben, dennoch ist eine gewisse Distanz zum Streuner angemessen. Waschen Sie nach dem Streicheln die Hände. Pilzerkrankungen und Räudemilben sind auf uns übertragbar. Kreisrunde haarlose Stellen im Fell weisen auf den Pilz Microsporumcanis hin. Kinder sowie chronisch Kranke können sich leicht anstecken und sollten lieber Abstand halten. Sarkoptesmilben verursachen Fellverlust und starken Juckreiz beim Tier. Sie befallen den Menschen, wenn auch nur kurzzeitig. Gefährlicher als diese Hauterkrankungen sind innere Parasiten, die in warmen Ländern ihr Unwesen treiben. Küssen und knuddeln sollte man die vierbeinigen Clochards daher besser nicht.

10. Streuner auf der Straße lassen

Wilde Streuner sind die Nachkommen ausgesetzter Hunde, die über Generationen gelernt haben, sich selbst zu versorgen, wach­sam zu sein, Menschen und den Straßenverkehr einzuschätzen und geeignete Futterquellen und Schlafplätze zu finden. Man tut ihnen keinen Gefallen damit sie einzufangen. Sie kommen in der Regel auch gut zurecht und sind schwer zu domestizieren. Außerhalb der Saison und abseits von Touristenzentren freuen sich diese Tiere über ein paar zugeworfene Futterbrocken. Die wichtigste und nach­haltigste Hilfe für sie ist die Kastration.

11. Zu aggressiven Hunden Abstand halten

Fast alle Streuner verhalten sich freundlich gegenüber Menschen und ihren Artgenossen. Der Grund: Besteht eine Gefahr für den Men­schen, wird ein aggressiver Straßenhund getötet. Außerdem be­kommen freundliche Hunde immer mehr Futter als unfreundliche und haben dadurch bessere Chance auf Fortpflanzung. Wenn Streuner allerdings schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, können sie aus Angst aggressiv reagieren. Achtung, auch Tollwut kann ihr Verhalten verändern. In Indien stirbt jede Minute ein Mensch an Tollwut. 99 Prozent der Fälle wurden von Streunern übertragen. Seien Sie in Indien oder Thailand besonders vorsichtig.

12. Den eigenen Hund im Süden vor Krankheiten schützen

Straßenhunde sind nur in Ausnahmefällen geimpft. „Viruserkran­kungen wie Staupe oder Parvovirose kommen in freilebenden Gruppen relativ selten vor“, sagt Tierarzt Busch vom Förderverein Arche Noah Kreta. Tierschützer sehen Virusinfektionen vor allem dort, wo viele Hunde aufeinandertreffen, in Tierheimen und Auffangstationen. Freilaufende Hunde leiden hingegen häufiger unter Leishmaniose, Babesiose oder Ehrlichiose, allesamt durch Parasi­ten wie Zecken oder Sandmücken übertragen. Fährt der eigene Bel­lo mit in den Urlaub, sollte er komplett durchgeimpft sein (Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose, Zwingerhusten, Tollwut), und ein spezielles Halsband (zum Beispiel „Scalibor“) schützt ihn gegen Zecken und Sandmücken. Durch Kontakt zu wilden Streunern, beim Beschnüffeln oder Balgen können zudem Pilzerkrankungen oder Parasiten übertragen werden. Tierärzte empfehlen, nach der Rückkehr ins Heimatland eine Entwurmung durchzuführen.

13. Bereits kastrierte Tier erkennen

Beobachten Sie streunende Hunde zunächst aus einiger Entfernung und achten Sie auf Ohrmarken, Kerben im Ohr oder fehlende Ohr­ spitzen. So gekennzeichnete Hunde sind eventuell geimpft und den ortsansässigen Tierschutzorganisationen bekannt. Häufig werden sie an festen Orten mit Futter versorgt. „Nichts verhindert das Tierelend nachhaltiger als Kastration“, sagt Thomas Busch. Mit ei­nem Team aus Tierärzten und Helfern führt er in vielen Urlaubs­ländern der Welt regelmäßig groß angelegte Kastrationsaktionen durch. Kastrierte Straßentiere können schon am nächsten Tag wie­ der in die Freiheit entlassen werden. Dies ist durch besonders klei­ne Schnitte und selbstauflösendes Nahtmaterial möglich.

14. Genau beobachten

Straßenhunde, die einst ein Zuhause hatten und von ihren Haltern ausgesetzt wurden, weil sie zu groß, alt und nutzlos oder krank geworden sind, stellen eine hohe Anzahl der frei lebenden Hunde dar. In Griechenland sind das sogar siebzig Prozent aller Straßenhunde, schätzt Thomas Busch. Diese Tiere kommen oftmals nicht gut mit der neuen Situation zurecht und sind schnell gezeichnet von Stress und Hunger. Sie sind es, die häufig menschliche Hilfe benötigen und verunfallt oder krank in Tierheimen und Auffangstationen lan­den. Besonders in Ländern, die heftiger von der Finanzkrise getrof­fen wurden, Griechenland oder Spanien, werden vermehrt Hunde ausgesetzt, berichten Tierschützer. Einen Extremfall bilden die Podencos in Spanien, die man nach der Jagdsaison häufig sich selbst überlässt. Wenn Sie einzelne Hunde immer wieder in densel­ben Straßen beobachten und sich Sorgen machen, erkundigen Sie sich gern in einem Café oder einer Boutique und benachrichtigen Sie im Zweifel die örtliche Tierschutzorganisation.

15.Verletzten Hunden sofort helfen

Ein angefahrenes oder offensichtlich vor Kurzem verletztes Tier be­nötigt Hilfe und sollte umgehend versorgt werden. Benachrichtigen Sie die örtliche Tierschutzorganisation oder packen Sie, wenn Sie es sich zutrauen, den Streuner in den Mietwagen. Allerdings können auch die liebsten Hunde unter Schmerzen schnappen! Meist kom­men Kosten auf den Tierretter zu, denn viele örtliche Tierschutzor­ganisationen sind selbst dringend auf finanzielle Unterstützung an­ gewiesen und nicht in der Lage, Behandlungskosten für jedes Tier zu übernehmen. Wer zu einem privaten Tierarzt vor Ort geht, muss mit ihm die Kosten selbst klären, die meisten sind nicht bereit, Straßentiere kostenlos zu behandeln. Trotzdem sollten Kosten kein Grund sein, an einem verletzten Tier einfach vorbeizufahren. Ein Tier, das leidet, braucht unsere Hilfe!

16. Den genauen Fundort notieren

Nach ihrer Genesung werden wilde Streuner manchmal an dersel­ben Stelle wieder ausgesetzt, an der sie gefunden wurden. Das ist wichtig, weil sich jeder Streuner in seiner gewohnten Umgebung am besten zurechtfindet. Das Aussetzen in einem fremden Revier könnte zu Kämpfen führen, die zu vermeiden sind.

17. Handyfoto vom aufgefundenen Straßenhund machen

Handyfotos oder kurze Filmsequenzen helfen Tierschutzorganisa­tionen, die Lage einzuschätzen. Die Tierschützer kennen viele Hun­de und Rudel in ihrer Region, betreuen Futterstellen, wissen um eventuelle alte Verletzungen, die zu dauerhaften Einschränkungen führen, und können häufig Entwarnung geben. Gleichzeitig helfen Fotos, später den genauen Fundort zu bestimmen und das Tier aus dem Tierheimrudel heraus zu identifizieren.

18. Im Notfall mit Futter an eine sichere Stelle locken

Finden Sie ein hilfebedürftiges Tier au­ßerhalb der Zeiten, in denen eine Tier­schutzorganisation erreichbar ist, überlegen Sie, ob und wie Sie selbst helfen können. Stark abgemagerte Tiere können gegebenen­ falls über Nacht mit Futter an eine sichere Stelle gelockt werden, ernsthaft verletzte oder sehr schwache Tiere benötigen sofort tier­ärztliche Hilfe. Handeln Sie besonnen und vertrauen Sie auf Ihre Intuition – die liegt einem Hundefreund wie Ihnen sicher im Blut.

19 Ein Hund ist kein Souvenir

Wer sich spontan dafür entscheidet, einen dieser anhänglichen, pastellfarbenen Vierbeiner mit nach Deutschland zu nehmen, muss an der Grenze mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen. Spontan geht dort gar nichts. Die Hunde müssen durch einen Mikrochip eindeutig identifizierbar sein, sie brauchen einen EU­-Heimtieraus­weis, eine gültige Tollwutimpfung und ein Gesundheitszeugnis. Die Tollwutimpfung muss mindestens drei Wochen alt sein, damit genügend Antikörper im Blut vorhanden sind. Die Einfuhr aus nicht­ europäischen Ländern wie Indien oder Thailand ist mit weiteren Auflagen verbunden. Das weiß auch Tom Diesbrock, Karriere­ Coach aus Hamburg. Als er 2012 Urlaub im südindischen Varkala machte, lernte er einen jungen Strandhund kennen und verliebte sich Hals über Kopf in ihn. „Die Idee, ihn zu mir nach Hamburg mitzunehmen, kam relativ schnell“, sagt Diesbrock. Doch es dauer­te lange fünf Monate, bis er seinen Strandhund nach Deutschland holen konnte. Diesbrock verbrachte ganze Nächte im Internet, führte unzählige Auslandstelefonate und flog insgesamt dreimal nach Indien, um die Einreise seines Streuners vom Varkala Beach zu ermöglichen.

20. Keine Welpen vom säugenden Muttertier trennen

Sammeln Sie vermeintlich verlassene Welpen nicht leichtfertig ein. Häufig ist die Mutter auf Futtersuche, die mehrere Stunden dauern kann. Beobachten Sie den Wurf aus sicherer Entfernung über einige Zeit und holen Sie gegebenenfalls Rat bei Tierschützern ein. An­ders verhält es sich mit Welpen, die in Pappkartons oder Müllton­nen ausgesetzt werden, sie sind häufig unterernährt, schwach und voller Parasiten. Sie brauchen Hilfe! Nehmen Sie in diesem Fall Kontakt mit den örtlichen Tierschutzorganisationen auf. Sie wer­den die Welpen aufpäppeln, sofern ihre Kapazitäten es zulassen. Wichtig zu wissen: Fundwelpen können nur mit gültigen Papieren, gültiger Impfung und im Alter von mindestens vier Monaten legal nach Deutschland oder andere EU­-Staaten eingeführt werden.

21. Keine Welpen aus Mitleid kaufen

Auf Märkten und im Schaufenster von Zooläden werden oft Hun­debabys ausgestellt, die jedem Touristen das Herz erweichen. Doch ihr „Freikauf“ löst die Probleme nicht, denn für jeden verkauften Hund rückt ein weiterer nach. Auch haben die Tiere häufig keinen gültigen Impfstatus und können wegen falscher oder nicht vorhandener Papiere am Flughafen beschlagnahmt werden. Ähn­lich problematisch ist das Fotografieren von Welpen oder Exoten gegen Geld. Diese Tiere stehen unter großem Stress, sind häufig sediert, werden unter schlechten Bedingungen gehalten und ge­tötet, sobald sie das Babyschema verlieren oder aggressiv werden.

22. Erst überlegen, dann adoptieren

Nehmen Sie ein Tier nie kurz entschlossen oder aus Mitleid an sich. Zwar sind die meisten Hunde aus dem Süden sehr sozial, wenig aggressiv und unkompliziert, doch ihre soziale Ader beschränkt sich in erster Linie auf den Umgang mit Artgenossen und eventuell noch mit Katzen. Sie sind ängstlich und unerfahren im Umgang mit Menschen. Manche Straßenhunde wollen nicht im Haus sein, an der Leine gehen oder Auto fahren. Ihr neues Leben wäre zu­ nächst ein Kulturschock. Viele mögen kein serviertes Futter und bleiben Spezialisten im Auffinden von Abfällen. Auch ihr gefestig­ter Jagdtrieb kann Probleme bereiten. Unerfahrene Hundehalter sind da oft überfordert. Älteren Hunden fällt es besonders schwer, sich an die neue Situation zu gewöhnen, Jüngere sind da flexibler. Wer sich dennoch für ein Tier entscheidet, das direkt aus dem Aus­land kommt, sollte für Eingewöhnung, Tierarztbesuche und even­tuell den Besuch einer Hundeschule viel Zeit und Geld einplanen.

23. Das Tier zu Hause untersuchen lassen

In Deutschland sollte ein Tierarzt die erste Allgemeinuntersuchung durchführen, um Erkrankungen zu erkennen und Blut­ sowie Kotproben in ein Labor zu schicken. Hunde, die nach Deutschland ein­ geführt werden, sollten auch auf Leishmaniose getestet werden – einmal infiziert, leiden die Hunde ein Leben lang darunter, viele sterben daran. Die Symptome der Leishmaniose können variieren: Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellung, Schwäche, Erbrechen, chronisch juckende Ekzeme und Haarausfall auf dem Nasen­ rücken, an den Ohrspitzen und um die Augen. Außerdem sind Pal­menländer ein Eldorado für parasitierende Würmer und Einzeller, zum Beispiel Herzwürmer (Dirofilaria immitis) oder Fadenwür­mer. Der Tierarzt sollte gut beraten können und Tests einleiten.

24. Städtischen Tierheimen misstrauen

In vielen Urlaubsländern fühlt sich von offizieller Seite kaum einer für Straßentiere verantwortlich. Die Polizei reagiert nicht immer im Sinn des Tierschutzes. Die wenigen städtischen Tierheime in Griechenland oder Spanien sind schlecht ausgestattet und über­füllt. Um der Lage Herr zu werden, droht Tieren, die nicht vermit­telt werden, nach wenigen Wochen die Todesspritze. In Italien wer­den private Tierheime durch öffentliche Gelder unterstützt. Manche Tierheime nehmen daher mehr Tiere auf, als ihre Kapazitäten es erlauben. Denn je mehr Hunde, desto mehr Gelder erhalten die Auffangstationen. Auch hier ist Ihr kritischer Blick gefragt.

25. Tierschützer unterstützen

Noch immer leben unzählige Hunde unter schlechten Bedingun­gen auf den Straßen dieser Welt. Private Tierschutzorganisationen vor Ort beraten, klären auf, kastrieren, versorgen, pflegen und ver­mitteln, um das Leben der Streunerhunde nachhaltig zu verbes­sern. Diese Organisationen finanziell zu unterstützen hilft dabei, die Situation der Straßentiere langfristig zu verbessern.

26. Seriöse Organisationen erkennen

Berichte über illegale Hundeimporte mit kranken und ungeimpften Tieren häufen sich. Angesichts der Vielzahl an Tierschutzvereinen, Orga­nisationen und privaten Tierschützern wird es immer schwieriger, unseriöse von verantwortungsvollen Tierschützern zu unterscheiden. Vereine, deren Hauptziel das Vermitteln von Hunden nach Deutschland ist, arbeiten nicht nachhaltig. Fragen Sie nach, ob der Verein ein Kastrationsprojekt und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Schauen Sie sich die Auffangstation an: Gibt es einen Wasseran­schluss, Strom und eine Station für Neuzugänge? Kann der Betrei­ber zu jedem Tier Auskunft erteilen? Versucht er, Ihnen ein Tier aufzuschwatzen? Werden Probleme angesprochen, die bei der Auf­nahme eines Tiers auf Sie zukommen können? Sind die zu vermit­telnden Hunde vollständig geimpft und auf Leishmaniose getestet? Prüfen Sie, ob der Verein durch einen Skandal aufgefallen ist.

27. Kastrationspatenschaften übernehmen

Mit der Übernahme einer Kastrationspatenschaft helfen Sie, die Zahl der Streuner nachhaltig zu verringern. „Kastrationen, um Le­ben zu retten“ ist das Motto von Thomas Busch von Arche Noah Kreta, Leiter der Organisation Tierärztepool, die mittlerweile in vielen Ländern der Erde Kastrationsaktionen von Straßentieren durchführt. Für ihn sind Öffentlichkeitsarbeit und Kastrationen die einzigen Möglichkeiten, dem Tierelend auf den Straßen in vielen Urlaubsländern zu begegnen. Auf der kapverdischen Insel Sal sind zum Beispiel mit Hilfe des Tierärztepools neunzig Prozent aller Hunde und Katzen kastriert worden. „Die kastrierten Tiere sehen gesünder aus, nehmen zu, liegen entspannt in der Sonne und sind nicht mehr in Revierkämpfe verwickelt“, so Busch. Gerade auf In­seln lässt sich der Erfolg von Kastrationen gut nachweisen, da keine Tiere zu-­ oder abwandern können. Allerdings beklagen sich Tier­schützer immer wieder, dass in vielen Ländern wie Kroatien, Italien oder Griechenland besonders die Männer ein Problem mit diesem Eingriff am Rüden haben. Doch wo finanzielle Unterstützung ein­deutig den Verwendungszweck benennt und den nachhaltig Han­delnden zugutekommt, kann den Tieren geholfen werden.

28. Hilfsmittel mitbringen

Wer noch Platz im Reisekoffer hat, könnte schon vor seiner Reise Kontakt bei Tierschützern im Reiseland aufnehmen und fragen, ob Hilfsgüter mitgebracht werden sollen oder sonst ein akuter Mangel besteht. Beispielsweise sind Zeckenhalsbänder und rezeptfreie Spot­on-Präparate gegen Parasiten bei den Tierhelfern vor Ort im­mer sehr willkommen. Auch Hundeleinen, Halsbänder, Hand­tücher oder alte Bettwäsche sind bei der Versorgung im Tierheim zu gebrauchen und leicht mal Mangelware.

29. Tierfreundlich reisen

Der Reiseveranstalter TUI Deutschland engagiert sich für Straßen­tiere. Seit einigen Jahren zeichnet das Unternehmen Vertragshotels mit dem Zertifikat „Tierfreundliches Hotel“ aus, wenn der Hotelier die auf dem Gelände befindlichen Hunde und Katzen kastrieren, impfen und tierärztlich versorgen lässt und mit dem örtlichen Tier­schutzverein kooperiert. Mit eigens eingerichteten Futterstellen außerhalb der Gästebereiche wird das Überleben der Tiere gesi­chert. Das Personal an der Rezeption kann zudem Fragen zum Um­gang mit streunenden Tieren im Ort beantworten. Auch ein As­pekt, bei wem man seine Reise bucht.

30. Sich genau über Flugpatenschaften informieren

Wer sich entscheidet, Flugpate für einen Hund aus dem Süden zu werden, sollte die aktuellen Einfuhrbestimmungen kennen und sich über die langfristige Verantwortung im Klaren sein. Die Ein­fuhr von Hunden unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften, die im August 2014 erneut verschärft wurden. Das zuständige Veteri­näramt im Heimatland muss über die Einfuhr informiert werden und zustimmen. Die Organisation im Ausland und auch die Pflege­stelle in Deutschland müssen eine Erlaubnis besitzen (laut § 11 Abs.1 Nr. 5 TierSchG). Erkundigen Sie sich am besten schon vor Antritt der Reise bei der Veterinärbehörde nach den Formalitäten. Bei Verstößen gegen Einfuhrbestimmungen kann es nämlich pas­sieren, dass das tierische Patenkind am Flughafen beschlagnahmt, in Quarantäne genommen oder zurück ins Ursprungsland ge­schickt wird. Die Kosten dafür trägt dann der Flugpate.

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