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Tierschutz Hunde ohne Heimat: Straßenhunde in Europa

Katharina Jakob 30.07.2013

Statt eines Namens tragen sie ein Schimpfwort, statt in ein Körbchen kuscheln sie sich in Schlamm. Straßenhunde gibt es viele in Europa, sie leben gefährlich. Deshalb brauchen sie dringend Hilfe. Eine mit Sinn und Sachverstand.

Die Marschrichtung immer wieder wechseln

Zu solchen Menschen gehört Dorothea Friz. Die Veterinärin arbeitet seit dreißig Jahren für italienische Straßenhunde (DOGS berichtete in Ausgabe 4/2012) und hat, wie sie selbst sagt, im Lauf der Zeit „mehrfach die Marschrichtung gewechselt“. Sie begann als Assistenztierärztin in einem Massentierheim mit mehr als 650 Hunden, in dem die Tiere unter primitivsten Bedingungen weggesperrt wurden. Trotzdem gab es draußen nicht einen Streuner weniger. Da läuft etwas falsch, dachte sich Friz und eröffnete 1986 ein Sterilisationszentrum in einem gemieteten Bauernhof. „Zu diesem Zeitpunkt war ich noch fest davon überzeugt“, sagt sie, „dass man nur die Tiere auf der Straße kastrieren muss, dann werden sie schon weniger.“

Ein Irrtum. Zwanzig Jahre und etwa 40.000 Kastrationen später liefen noch immer zahllose Hunde durch Italiens Straßen. Auch die Tierheime platzten aus allen Nähten. Die Tierärztin kam zu dem Schluss: Nicht die Straßentiere waren das Problem. Deren Zahl hätte man durch stetes Kastrieren in den Griff kriegen können. Nachschub kam offenbar durch die Hunde privater Halter, die draußen frei herumliefen.

Da auf die Politik kein Verlass war – die Verantwortlichen wechselten ständig -, suchte sich Friz ihre Verbündeten bei den Anwohnern. „Ich bin der festen Überzeugung, dass man ein solches Problem nur lösen kann, wenn die Bevölkerung das will und aktiv mitarbeitet“, sagt sie heute. Das sehen mittlerweile viele Tierschützer in Europa genauso und versuchen, diese Erkenntnis auf ihre Standorte zu übertragen.

Das Projekt, das Friz seitdem vorantreibt, heißt „Adozione strada“, Adoption direkt von der Straße: Für jeden kastrierten Straßenhund sucht sie nun einen Besitzer vor Ort, der das Tier auf seinen Namen registrieren und chippen lässt. Durch die Registrierung wird erneutes Aussetzen verhindert, denn darauf stehen in Italien empfindliche Strafen.

Wer schon einen Hund hat, dem bietet die Tierärztin an, ihn kostenlos chippen und kastrieren zu lassen. Dafür geht sie von Haus zu Haus und unterhält sich mit den Leuten. Sie besucht die Kinder in den Schulen und erklärt ihnen, was sie macht. „Das ist sehr aufwendig“, sagt sie. „Aber es wirkt nachhaltig. Ständig rufen Leute aus der Gegend an, die Hunde kastrieren lassen wollen. Subjektiv finden wir weniger, eigentlich fast gar keine Kisten mit Welpen mehr vor der Tür.“

Straßenhunde sind ein Geschäft der Mafia

Ein Modell, das auch in anderen Ländern funktionieren könnte, vor allem wenn die Politiker mauern. Rumänien ist so ein Fall. In einigen Gemeinden werden mit Kastrationsaktionen gute Fortschritte erzielt, die Anwohner ziehen mit und sind bereit, auch ihre eigenen Tiere kastrieren zu lassen. So etwa in Bals, einer Stadt im südlichen Rumänien. Dort kommen die Veterinäre des Tierärzte-Pools zum Einsatz.

In anderen Städten dagegen gibt es herbe Rückschläge. Petra Zipp, die Vorsitzende des Bundes gegen den Missbrauch der Tiere (BMT), berichtet, dass sich in der Stadt Brasov eine regelrechte Hundefängermafia eingenistet habe, die alle Tierschutzmaßnahmen torpediert. Jeder Hund auf Brasovs Straßen, den man einfangen kann, bedeutet für die Fänger bares Geld. Daher ist ihr Interesse groß, dass sich am Streunerproblem nichts ändert. „Es gibt sogar Hundetourismus“, sagt sie. „Da werden Tiere von einem Gebiet in ein anderes gebracht, damit die Quelle nicht versiegt.“

Mittlerweile hat sich der BMT mit der Tierschutzorganisation Tasso zusammengeschlossen, um juristisch gegen das Übel vorzugehen. Mithilfe rumänischer Tierrechtler wird jeder Vorfall gesammelt und zur Anzeige gebracht. Was durch Korruption und Vetternwirtschaft unter den Teppich gekehrt wird, muss irgendwann vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg landen.

Die Streuner auf Europas Straßen sind immer noch „zu fihle“. Es wird noch viel Zeit verstreichen, bis sie spürbar weniger werden. Trotzdem gibt es zu dieser Entwicklung keine Alternative. Grausamkeit gegen Tiere ist nicht zu tolerieren, nirgendwo.

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