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TIERSCHUTZ Wühltischwelpen: Nicht kaufen, Händler melden!

Interview: Andrea Mertes 02.03.2017

Der Handel mit Hundebabys boomt. Was lässt sich gegen die Welpenmafia unternehmen? Der Verein „Das Leid der Vermehrerhunde“ beobachtet die Szene und kennt Gegenmaßnahmen.

Wie ist der brutale Welpenhandel zu stoppen? Jennifer Regenbrecht ist Vorsitzende des Vereins „Das Leid der Vermehrerhunde“. Sie klärt über die Schattenseiten des Welpenhandels auf, besonders über das Schicksal von Tieren, die als Gebärmaschinen missbraucht werden

 

DOGS: Frau Regenbrecht, schon der Name Ihres Vereins lässt aufhorchen. Warum sprechen Sie von Vermehrer- und nicht von Zuchthunden?

Jennifer Regenbrecht: Weil die Welt, von der wir hier reden, rein gar nichts mit Zucht zu tun hat. Zucht ist geprägt von Fürsorge und Geborgenheit und nicht davon, Tiere auszubeuten. Vermehrer halten Hunde auf Hinterhöfen, in Käfigen, nicht größer als zwei mal zwei Meter. Es ist ihnen egal, dass es dort kalt ist und dreckig, dass Welpen auf Beton geboren werden, dass ihre Eltern an Entzündungen und Tumoren leiden. Die Vermehrer rufen bei einem Kaiserschnitt auch nicht unbedingt einen Tierarzt. Die greifen selbst zum Messer. Das ist die brutale Wirklichkeit. Das ist eine Mafia, die dahintersteht. Diese Welpenmafia produziert den Nachschub für den hiesigen Markt, für Internet-Kleinanzeigen und Parkplatzgeschäfte.

DOGS: Wie haben wir uns das konkret vorzustellen?

Jennifer Regenbrecht: Es ist eine Industrie im Verborgenen. Rüden werden über Jahre in Einzelhaltung eingesperrt und nur für den Deckakt aus ihren Käfigen geholt. Um sie gefügig zu machen, werden sie geschlagen, man quält sie mit Elektrostößen. Die Hündinnen müssen mindestens zweimal im Jahr werfen. Bis sie so auslaugt sind, dass sie aussortiert werden, haben sie fünfzehn bis zwanzig Würfe hinter sich. Im Vergleich dazu bekommt eine Zuchthündin von einem seriösen Züchter in ihrem Leben nur vier bis fünf Würfe. Die Vermehrerwelpen werden sehr früh dem Muttertier entrissen, sie sind viel zu jung, teilweise nur fünf Wochen alt. Für die Reise zum neuen Besitzer werden sie dann gesund gespritzt, und in den Papieren wird ein falsches Alter angegeben.

DOGS: Was meinen Sie mit „gesund gespritzt“?

Jennifer Regenbrecht: Die Welpen bekommen beispielsweise ein Kortisonpräparat, deshalb wirken sie bei der Übergabe häufig ganz fit. Aber wenn die Wirkung nachlässt, brechen die Kleinen zusammen. Vermehrerwelpen sind oft todkranke Hunde, die meisten haben ein kaputtes Immunsystem, haben Knochenprobleme, bleiben ihr Leben lang traumatisiert, da sie auch keine Prägung erhalten haben. Zudem sind die meisten weder geimpft noch entwurmt. Viele leiden an Parvovirose, einer unter Hunden vor allem im Welpenalter von zwei bis sechzehn Wochen hoch ansteckende Infektionskrankheit. Seit der Welpenhandel boomt, haben wir in Deutschland überhaupt Probleme mit Parvovirose.

DOGS: Was sind das eigentlich für Leute, die solche Welpen kaufen?

Jennifer Regenbrecht: Ich unterscheide da drei Typen. Typ eins sind die Unwissenden, die gibt es tatsächlich! Da setzen wir mit unserer Aufklärungsarbeit an. Typ zwei sind die Ignoranten, denen alles egal ist. Die geben lieber mehr Geld für das Auto aus und sparen beim Welpen. Typ drei sind die Mitleidskäufer. Diese Leute meinen, sie retten den putzigen Welpen, wenn sie ihn kaufen. Richtig ist: Sie retten vielleicht ein Individuum. Mit Sicherheit aber besiegeln sie mit dem Kauf gleichzeitig das Schicksal der nächsten Generation von Wühltischwelpen. Unser Rat: Nicht kaufen, sondern den Händler melden. Zum Beispiel bei uns. Einem deutschen Vermehrer konnten wir so das Handwerk legen. Er darf bis auf zwei eigene Hunde keine Tiere mehr halten.

DOGS: Die Vermehrer sitzen also auch bei uns in Deutschland?

Jennifer Regenbrecht: Sie sitzen in ganz Deutschland! In jeder Stadt, in jedem Landkreis. Und Belgien ist der größte Umschlagplatz für Welpenhandel. Das Thema ist mitten in unserer Gesellschaft. Hundevermehrung ist wie Massentierhaltung, nur elender, weil ungeregelter. Es ist ja nicht verboten, Welpen zu züchten und zu verkaufen.

DOGS: Was muss passieren, um dieses Geschäftsmodell, in dem die Herkunft der Tiere verborgen bleibt, zu zerschlagen?

Jennifer Regenbrecht: Mein größter Wunsch ist, dass diese Tierportale im Internet gestoppt werden – ich rede von Ebay-Kleinanzeigen und ähnlichen Angeboten. Und dass die Leute mal nachdenken. Wenn ich auf einen Parkplatz bestellt werde, muss mir doch klar sein, dass etwas nicht stimmen kann.

Jennifer Regenbrecht und ihr Tierschutzverein bieten kostenfreie Welpenkaufberatung an und begleiten Welpenkäufer auf Wunsch auch zu Treffen mit Anbietern. Ihre Arbeit wurde 2016 mit dem Deutschen Tierschutzpreis ausgezeichnet. www.leid-der-vermehrerhunde.de

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