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Zoophilie Sexueller Missbrauch von Tieren

Nicole Maibaum 30.11.2012

Der Fall der Mischlingshündin Amelie beleuchtet die dunklen Seiten der Menschheit. Er handelt von Zoophilie, dem sexuellen Missbrauch von Tieren durch den Menschen.

Hunde sind die häufigsten Opfer von Zoophilie

Der Hund spielt für Zoophile eine besondere Rolle. „Unseren Untersuchungen zufolge ist der Hund das von Zoophilen am häufigsten geliebte Tier“, sagt Sebastian Dittert und glaubt zu wissen, warum: „Hunde gehen zum Menschen schon von sich aus eine sehr enge Bindung ein. Zudem ist ein Hund als Objekt für den Menschen leicht verfügbar. Bei einem Pferd oder einer Kuh beispielsweise ist das anders. Auch Katzen sind eigenwilliger.“ Mit der Nähe, die ein Hund zu ihnen sucht, rechtfertigen Zoophile gern ihr Handeln. In ihren Internetforen distanzieren sie sich von Gewalt und beharren darauf, dass sie ihr Tier nicht quälen, sondern die Tiere den Wunsch nach Sex mit ihnen teilen. Auf einer einschlägigen Seite im Netz heißt es: „Sind wir schlechte Menschen, nur weil wir die Tiere etwas mehr lieben als der Rest der Bevölkerung? Wir werden die Tiere nie quälen, auch ist Sex mit großen Hunden für sie nicht mit Gefahren verbunden.“ Der Autor geht noch weiter: „Ich wage sogar zu behaupten, Zoophile behandeln ihre Hunde besser als viele andere Hundbesitzer.“

„Hunde lassen viel über sich ergehen, auch Schmerzen“

Dr. Dorit Feddersen-Petersen jedoch hält derartige Aussagen zur Zoophilie nicht nur für äußerst fragwürdig, sie ärgert sich auch darüber. Für die studierte Tierärztin und Verhaltensforscherin von der Universität Kiel ist so etwas Schönrederei von Menschen, die sich selbst die Absolution für ihr Handeln erteilen wollen. „Woher wissen denn diese Menschen, dass das, was sie tun, im Einvernehmen des Tieres geschieht? Wie können sie das erfahren? Wie messen, wie ermessen? Das ist doch subjektives Gerede“, sagt sie. „Hunde lassen viel über sich ergehen, auch Schmerzen. Ihnen ist nur wichtig, dass ihr Halter da ist. Sie sind abhängig von dem Menschen, ihrem Bindungspartner. Sie sind ihm ausgeliefert und vertrauen ihm.“

Mehrmals wurde Dr. Dorit Feddersen-Petersen bereits zu Prozessen als Gutachterin herangezogen. Wenn gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird und es zu einer Anzeige kommen kann. Was wie eine Rettung für das Hundeschicksal klingt, entpuppt sich auf den zweiten Blick aber als heiße Luft. Die Tierärztin hat noch nie eine Verurteilung mitbekommen, da keine konkreten Nachweise erbracht werden konnten oder die Tiere vor Prozessbeginn „plötzlich verstarben“. So erinnert sich Feddersen-Petersen an einen Fall aus dem Rotlichtmilieu. Eine Prostituierte hatte Anzeige gegen ihren Arbeitgeber erstattet, da sie mit ihren Kolleginnen stets vor Publikum den Hund des Bordellbetreibers oral befriedigen musste. „Um ein Urteil zu erlangen, hätte nachgewiesen werden müssen, dass der Hund leidet. Doch das Tier war zuvor getötet worden“, erklärt die Verhaltensforscherin.

Die Tierärztin entdeckt bei ersten Untersuchungen Metastasen in Amelies Körper. Amelie hat Krebs und die Veterinärin des Franziskustierheims macht den Pflegern kaum Hoffnung. Aber so schnell gibt man im Tierheim nicht auf. Da Amelie sich immer in die äußerste Ecke ihres Zwingers drängt und scheinbar resigniert, sobald ein männlicher Pfleger sich ihr nähert, kümmert sich Hundepflegerin Christina Scholz um Amelie. Dreimal am Tag geht sie mit der Hündin spazieren. Amelie darf zum ersten Mal in ihrem Leben mit anderen Hunden herumtollen. Sie frisst gut, nimmt zu, wiegt bald um die 26 Kilo und beginnt sogar, von sich aus die Nähe zu Christina Scholz zu suchen, um sich ausgiebig streicheln zu lassen.

Das Ziel jedoch ist, Amelie zu vermitteln und nur drei Wochen nach Ankunft in Hamburg erklären sich Anke Steinmann und ihre Lebenspartnerin Svenja bereit, Amelie bei sich aufzunehmen. Auch sie sind erschüttert von dem Schicksal der missbrauchten Hündin. Bei dem Frauenpaar muss Amelie keinen Mann fürchten. Sie hat die Chance, in Ruhe und hundgerecht die letzten Monate ihres Lebens zu verbringen.

Zoophilie: Verhaltensstörungen können die Folge sein

Verhaltensstörungen von missbrauchten Hunden kennt die Forscherin trotzdem. Es gibt unterschiedliche Störungsbilder. Viele Hunde zeigen zum Beispiel eine Berührungsempfindlichkeit der hinteren Körperregionen, sind teilnahmslos, drängen sich in die Ecke und zittern. „Das Problem ist“, so die Biologin, „diese Verhaltensstörungen können auftreten, müssen aber nicht. Unter Umständen sieht man dem Hund den Missbrauch nicht einmal an. Das ist das Fatale an der Sache.“

Doch wo hört die normale Liebe zum Hund auf und fängt die Zoophilie an? „Wenn ich nur die Wärme des Hundes spüren möchte, mich in seiner Nähe geborgen fühle, ist das keine Störung der Sexualpräferenz. Dann ist der Hund das, was er für die meisten Menschen ist und sein sollte: ein Freund und Wegbegleiter“, erklärt Sebastian Dittert. „Wenn ich aber neben meinem Hund liege und merke, dass es mich erregt, dass ich die Genitalien des Tieres anfassen möchte, dann ist das außerhalb der normalen Bandbreite.“

Forderung nach einem Verbot von Zoophilie

Auch Dr. Dorit Feddersen-Petersen hat ihre klaren Ansichten. Sie fordert, dass Zoophilie wieder Strafbestand wird und am besten einen anderen Namen bekommt. „Zoophilie klingt viel zu niedlich und heißt nichts anderes als Liebe zum Tier. Doch es geht nicht um Liebe, sondern um den sexuellen Kontakt zum Tier. Das ist etwas Anderes.“

Das neue Zuhause von Amelie ist ein ehemaliges Forsthaus. Es liegt umgeben von einem 3.000 Quadratmeter großen Garten. Die neuen Spielkameraden heißen Tara und Janosch, eine achtjährige Schäferhündin und ein dreijähriger Schäferhundrüde. „Die ersten Tage lag Amelie nur auf einem Kissen neben dem Sofa“, erzählt Anke Steinmann. „Dann taute sie auf, fing an zu spielen, wühlte zum Beispiel begeistert mit ihrer Schnauze in Pappkartons, in denen wir Leckerchen versteckt hatten. Auch mit Janosch und Tara kam sie gut klar.“

Amelie kostet jede Minute aus. Als sie mit Janosch und Tara auf dem freien Feld ist, rennt sie los, bleibt dann abrupt stehen, reckt ihre Schnauze in die Luft und schnuppert. Anke Steinmann: „Ich glaube, Amelie hat in diesem Moment die Freiheit begrüßt.“ Das Glück dauert nur drei Wochen. Die Metastasen verbreiten sich in Amelies Körper schneller, als es die Tierärztin befürchtet hatte. Der Krebs hat in die Lunge gestreut, ein Tumor drückt aufs Herz. Amelie muss eingeschläfert werden. Agnieszka Draabe vermutet, dass ihr alter Besitzer einen neuen Hund hat. Er war damals nur verwarnt worden.

Nachtrag: An einer Raststätte in Köln wird eine fünf Monate alte Hündin aus dem Wagen gestohlen und am nächsten Morgen in einem Tierheim abgegeben. Die Hündin hat Verletzungen im After- und Scheidenbereich. Aus dem Tierheim Stargard Szczecinski holt Agnieszka Draabe die Colliehündin Lady. Sie kann weder Urin noch Kot halten. Der Tierarzt stellt fest, dass jegliche Nerven im Darmbereich der Hündin abgestorben und die Scheideninnenwände entzündet sind. Fest steht: Amelie war kein Einzelfall.

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