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Kirche und Glaube Hunde in der Religion

Katharina Jakob 16.12.2014

Hund, wie hältst du’s mit der Religion, würde das Gretchen aus Goethes „Faust“ fragen. DOGS fragt andersherum: Religion, wie hältst du’s mit dem Hund? Die großen Glaubensrichtungen der Welt blicken sehr unterschiedlich auf des Menschen besten Freund.

Die häusliche Haltung von Hunden wird im Islam abgelehnt

Auch die muslimische Welt ist reich an Widersprüchen, sobald es um Hunde geht. Die häusliche Haltung wird vielerorts abgelehnt, da im Koran, wie in der Tora, Reinheitsgebote im Weg stehen. In den islamischen Überlieferungen heißt es: „Die Engel betreten keine Wohnung, in der es einen Hund oder ein Bild gibt.“ In den arabischen Emiraten werden dagegen Salukis geradezu verehrt. Die Windhunde schlafen in den Räumen der Menschen, und wenn man wissen will, wie das mit dem Koran zusammengeht, heißt es: „Ein Saluki ist kein Hund. Er ist ein Geschenk Allahs.“

Hunde in der Religion: Islam

Die jüngste der drei monotheistischen Religionen zählt weltweit etwa 1,6 Milliarden Mitglieder. Der Islam beruht auf der Heiligen Schrift Koran und auf den Überlieferungen (Hadithe). Im Koran wird der Mensch dazu verpflichtet, für das Wohl der Tiere zu sorgen. So können nach den Überlieferungen Tiere vor Gott klagen, wenn sie gequält worden sind. Im Gegensatz zu Straßenhunden gelten Windhunde im Islam als kostbar, denn sie helfen wie in Afghanistan bei der Jagd. Die Beute, die ein Windhund herbeibringt, darf gegessen werden, obwohl Hundespeichel sonst als unrein gilt.

Was sagen die Menschen hierzulande, die Muslime sind und einen Hund halten? Anruf bei Halima Krausen. Die 65-Jährige ist Imamin und leitete bis vor wenigen Wochen die deutschsprachige Gemeinde der Hamburger Moschee. Sie kennt kaum einen muslimischen Menschen mit Hund. Und sie sagt auch, warum: „Muslime sind wie alle Menschen erst mal misstrauisch gegenüber Tieren, die sie nicht kennen. Man folgt der vorherrschenden Kultur. Ist das keine Hundehalterkultur, kommt man auch nicht auf die Idee, Hunde zu halten.“ Wenn doch, so Krausen, dann müsse es artgerecht zugehen. Im Koran werde darauf viel Wert gelegt, und in einer Wohnung sei das häufig nicht der Fall. Mit Ablehnung habe das nichts zu tun.

Wie man es bei einem türkischen Hundehalter sehen kann, der seinen Namen nicht gedruckt wissen möchte: Artgerecht ist ein Wort, das der 36-Jährige aus einer schwäbischen Kleinstadt viel benutzt, wenn er von Togi erzählt, seinem sechsjährigen Karabash. Togi lebt im Haus, hält sich tagsüber im Hof auf, nachts schläft er in einem Zimmer. Sein Mensch hat sich viel mit den Bedürfnissen eines Herdenschutzhundes auseinandergesetzt. Dass ein solches Tier Freiraum braucht, weiß er genau. Zum Ausgleich für das fehlende Bergland gehen Herr und Hund bis zu vier Stunden täglich spazieren. Gibt es Probleme, wenn türkische Verwandte zu Besuch kommen und nicht ins Haus wollen, weil ein Hund dort lebt? „Da gibt es keine Schwierigkeiten“, sagt Togis Halter knapp. „Wer nicht kommen will, soll sich zum Teufel scheren.“

Gottesdienste für Mensch und Tier

Pastor Holger Janke würde niemanden in die Hölle wünschen. Doch kann ihm der Himmel gestohlen bleiben, wenn Tiere dort nicht willkommen sind. Seit 2002 hält der Seelsorger der Hamburger Kirchengemeinde Langenfelde Mensch-Tier-Gottesdienste ab. Er hat einen Hund namens Tölpel und ist besorgt um die Ausblendung der Tiere in seiner Religion. Denn Tier- und Menschenliebe sind für Janke nicht zu trennen. „Die Kirche hat Angst vor Tieren“, sagt er. „Sie sind nur Symbole für den Menschen, aber keine wirklichen Geschöpfe. Außer auf dem Teller.“

Warum kann die „Kirche der Barmherzigkeit“ so wenig mit Tieren anfangen? „Das liegt an der Aufklärung. Sie hat den Verstand über alles gesetzt. Er ist das Kriterium des wahren Menschseins und die große Abgrenzung vom Tier.“ Wie sehr das an der Lebenswirklichkeit der Gläubigen vorbeigeht, sieht Janke an seinen Mensch-Tier-Gottesdiensten: „Die sind der Hit. Es gibt keine Gottesdienstform, die regelmäßig so viele Leute anspricht. Sodass ich mir schon sagen lassen muss, ich hätte das alles nur erfunden, um wieder die Kirche zu füllen.“

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