DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Lieblingsrasse Genau mein Typ: die Wahl des Hundes

Kate Kitchenham, Astrid Nestler 08.09.2011

Etwa 340 Züchtungen stehen zur Wahl, und trotzdem entscheiden sich viele Hundeleute immer für denselben Typus. Kopf oder Bauch – nach welchen Kriterien suchen wir unseren vierbeinigen Begleiter aus?

Genau mein Typ: Die Wahl des Hundes
© Anja Hoelper

Das Wesen eines Menschen offenbart sich durch das, was ihm wichtig ist. So beschreibt es der Londoner Kulturwissenschaftler Steven Connor, und es kann auf alten Ölgemälden ebenso betrachtet werden wie auf Facebook. Hier wie dort setzen sich Personen mit ihrem Haustier in Szene, um ihren eigenen Charakter zu unterstreichen. Wer einen Mops neben sich präsentiert, wirkt nun mal anders als der Halter eines Retrievers.

Haustiere verleihen uns ein Image, bisweilen sogar „fehlende“ Identität. Rassehunde verkörpern Eigenschaften. Je nachdem wie sich das Ende der Leine gestaltet, wirken wir sportlich, gemütlich, klug, elitär oder verspielt. Mischlinge dagegen repräsentieren Toleranz, Weltoffenheit und soziales Denken. Prada, Puma und Pudel sind eben viel mehr als nur Taschen, Schuhe und Hunde.

Wählen Sie Ihre Lieblingsrasse!
Welche Rasse hat die Nase vorn und schafft es unter die Top 3 der beliebtesten Hunderassen? Tippen Sie mit und wählen Sie Ihre Lieblingshunderasse!
> Jetzt abstimmen!

Hund & Mensch sind Rudeltiere
Wie Menschen ihre Lieblingsrasse wählen, ist häufig schon in der Kindheit begründet, weiß Udo Kopernik, Pressesprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen, VDH: „Entweder hatten die Eltern schon genau diesen Hund, oder man sehnte sich seine ganze Kindheit lang vergebens nach dem Traumhund und erfüllt sich als Erwachsener endlich diesen großen Wunsch.“ Der Hundeexperte hat die Erfahrung gemacht, dass der Großteil der Hundehalter neben der Rasse ihrer Träume sogar ihrem Lieblingsgeschlecht ein Leben lang treu bleibt.

Klüger beim zweiten Mal
Dass sich viele Hundebesitzer normalerweise ausgiebig über ihre Wunschrasse informieren, ist nicht nur erfreulich, „sie werden auf diese Weise zum Kenner der Rasse. Und beim zweiten Hund ist man dann schon eine Art Experte – diesen Status gibt kaum einer gern wieder auf“, erklärt die Bonner Sozialpsychologin Silke Wechsung, die in einer Studie die Beziehung zwischen Menschen und Hunden untersucht hat.

Wenn nach Jahren der Treue doch ein Rassewechsel stattfindet, hat das meist mit einer Veränderung der Lebensweise zu tun, meint Udo Kopernik. So wechselt ein Paar im Ruhestand, dessen Kinder bereits aus dem Haus sind, gern schon mal vom großen Hund zur kleineren Begleitung, weil man die besser mit in den Flieger, ins Café oder auf den Schoß nehmen kann. „Bei Neulingen unter den Hundehaltern spielt dagegen die Optik beim Kauf die wichtigste Rolle“, hat Silke Wechsung herausgefunden. Diese Orientierung an Äußerlichkeiten ändert sich laut ihrer Studie beim zweiten Hund.

Prestigeobjekt und Mittel zur Selbstdarstellung? Ein Hund muss sich dem fügen, was wir in ihn hineinprojizieren. Denn unsere Suche nach dem perfekten Hund ist eine ganz und gar einseitige Angelegenheit, bei der er kein Mitspracherecht hat. Oder doch? „Er kam direkt auf meinen Schoß gesprungen und wollte nicht wieder von mir weg.“ Solche Geschichten hört man oft, und viele Halter fühlen sich geehrt, von ihrem Tier erwählt worden zu sein, es beherbergen und pflegen zu dürfen. Oftmals sind es nicht die schlechtesten Verbindungen, bei denen der Mensch der Intuition des Hundes gefolgt ist und ihn mitgenommen hat. Stimmt die emotionale Ebene, sieht man über unerwünschte Eigenschaften eher hinweg und ist bereit sich anzupassen.

Ich bin wie du
Menschen möchten gern ein Haustier besitzen, das ihnen gleicht, fanden Nicholas Christenfeld und Michael Roy von der University of California in San Diego heraus. Welche Art von Ähnlichkeit den Ausschlag gibt, das Erscheinungsbild oder Persönlichkeitszüge, ließen die Wissenschaftler allerdings offen. Merkmale wie Haarwuchs oder Körpergröße sind es eher nicht. „Allerdings lässt sich nur bei reinrassigen Hunden eine Ähnlichkeit mit den Besitzern nachweisen“, berichtete das Duo dem Fachblatt „Psychological Science“, „weil die Eigenschaften reinrassiger Tiere besser vorhersagbar sind, sodass die künftigen Besitzer eine verlässlichere Kaufentscheidung treffen können.“

Entgegen der landläufigen Meinung wird die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund mit der Zeit nicht stärker, sondern angehende Hundebesitzer wählen von vornherein solche Tiere aus, die ihnen am ehesten entsprechen, zeigten die Experimente.

Couch-Potato trifft Hasardeur
Hin und wieder irren beide, Mensch wie Hund, Kopf wie Bauch, und zwei Welten prallen aufeinander. Wenn der eine am liebsten auf dem Sofa kuschelt und der andere gern sein Leben in Dachsbauten riskiert, hat die Verbindung wenig Aussicht auf Erfolg. „Wir haben in unserer Studie feststellen können, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund umso besser funktioniert, je höher die Passung gemeinsamer Bedürfnisse, Interessen und Charakteristika ist“, erklärt Silke Wechsung wenig überraschend.

Umso erfreulicher ist, dass Welpenkäufer inzwischen gut informiert zum Züchter kommen. „Die lesen sich vorher schlau und wissen dann einigermaßen genau, mit welchen Eigenschaften sie bei ihrer Traumrasse rechnen können“, weiß Udo Kopernik, der selbst Pyrenäenhütehunde züchtet. Verhaltensweisen sind durch Zuchtauswahl so stark in einer Rasse verankert, dass sie durch Erziehung kaum überwindbar sind. „Auch wenn das individuelle Wesen des Hundes und Training eine Rolle spielen, mit bestimmten Anlagen muss man bei der Rassewahl fest rechnen“, weiß Kopernik.

Hunde nach Maß lassen sich noch immer nicht bestellen. Manchmal tanzen sie eben aus der Rasse, und dann ist der Jäger mit einem furchtsamen Terrier so enttäuscht wie Kinder, deren Retriever Bälle blöd findet. „Dass der Hund neben Rasseeigenschaften auch eine Persönlichkeit mitbringt, wird manchmal nicht bedacht“, meint Silke Wechsung. Dabei verleiht gerade die Individualität einer Beziehung Tiefe und schafft Nähe zwischen Mensch und Hund. Eigenschaften besitzen sowohl die Tasche von Prada als auch der Pumaschuh. Uns austricksen und mit den eigenen Waffen schlagen, das kann nur der Hund.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X