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Hundezucht Wozu Papiere?

Philip Alsen 30.06.2016

VDH, FCI, DRC, UCI, DDHC, ARU, ARC, DHS, DKU, EKU, IRJGV, BRV: Blicken Sie noch durch? Über fünfzig Vereine und Verbände, die Hundezüchtern Ahnentafeln für Welpen ausstellen, gibt es allein in Deutschland. Besiegeln alle dasselbe: guter, gesunder Hund?

Der Traum, ihren Labradorrüden Toni als „Best of Show“ auf dem Treppchen einer großen internationalen Hundeausstellung zu sehen, endete für Sabine Schäfer drei Tage nach dem Meldeschluss für eine Show in Hannover: Es täte ihr sehr leid, sagte eine Dame aus dem Organisationsbüro am Telefon, aber Toni hätte die falschen Papiere. „Wie, die falschen Papiere? Was soll das denn heißen?“ „Na ja“, sagte die Dame, „er hat Papiere, aber die sind nicht von einem FCI-anerkannten Verband.“ In Paragraf vier der Ausstellungsordung des VDH stehe schließlich, dass nur Hunde zugelassen werden, die in einem FCI-anerkannten Zuchtbuch eingetragen sind. „Und das ist Toni nicht?“ „Nein, er hat Papiere vom DRC e. V., das ist der Deutsche Rassehunde Club in Soltau. Und der ist nicht Mitglied im VDH und damit auch nicht in der FCI.“

© André Gottschalk

VDH, FCI, DRC, UCI, DDHC, ARU, ARC, DHS, DKU und EKU, IRJGV, BRV, NRCD, hinter den Abkürzungen stehen Vereine und Verbände,­ die Hundezüchtern Ahnentafeln für die bei ihnen geborenen Welpen ausstellen. Alle haben eine Satzung, eine Zuchtordnung, einen­ Ehrenrat, Richter und Zuchtwarte. Alle organisieren Ausstellungen und vergeben Titel in verschiedenen Klassen und alle betrachten ihr Logo als Gütesiegel für eine „gesunde Zucht“. Weil sie alle vor dem Gesetz gleich gestellt sind, gibt es rechtlich gesehen­ auch keine „guten“ oder „schlechten“ Papiere.

Kann ein Hund auch schlechte Papiere haben?

„Ja, das geht“, sagt Professor Georg Thaller vom Kieler Institut für Tierzucht und Tierhaltung. Und wie? „Wenn das hinter den Papieren stehende Versprechen nicht eingelöst wird.“ Versprechen? „Den meisten Hundekäufern ist bewusst, dass mit der Rassehundezucht gesundheitliche Risiken verbunden sind, Erbrankheiten, aber auch Wesensmerkmale, die besonders bei der Linienzucht auftreten“, erklärt der Experte. „Manchen ist das egal, sie kaufen ihren Hund irgendwo­ und hoffen, dass er nicht krank wird. Die meisten aber, das sind sehr oft Käufer, die schon mal einen kranken Hund hatten, suchen einen engagierten Züchter, um das Risiko einer möglichen Erkrankung zu minimieren.“ Das Versprechen hinter den Papieren heißt also: Alles richtig gemacht. Das ist das Ziel guter Züchter.

Zucht, das ist, einfach und vielleicht ein wenig flapsig ­ausge­drückt, der Versuch, der Natur seine eigenen Vorstellungen auf- zuzwin­gen. Man möchte den Zufall ausschalten und strebt ein vorher de­finiertes Ziel an. Bei Nutztieren geht es um Fleisch-, Milch- oder Legeleistung, bei Rassehunden um das Erreichen eines vom Menschen festgelegten Ideals, des Standards. Ein Hund, der bei
einer großen Ausstellung auf dem Siegertreppchen steht oder im Feld voller Passion hütet oder jagt, ist eben auch eine züchterische Leistung. Das Problem ist dabei: Anders als in der Nutztierzucht tummeln sich in der Hundeszene meist Amateure. Manche stecken tief im Thema, haben viel Erfahrung und gehen sehr überlegt vor. Andere machen sich weniger Gedanken oder betrachten die Zucht als ein schönes und mitunter einträgliches Hobby. Doch wie unterscheidet man den einen vom anderen?

Weit verbreitet ist der Konsens, die „besten“ Papiere bekomme man vom VDH, dem Verband für das Deutsche Hundewesen. Der 1949 gegründete­ Zusammenschluss von derzeit 156 Zuchtvereinen vertritt rund 650 000 Mitglieder. Er ist damit der mit Abstand größte Zuchtverband Deutschlands. Wer im VDH züchten will, muss sich einem der Rasseclubs im VDH anschließen. In den Vereinen geht es natürlich um Zucht, vielfach aber auch schlicht um das Leben mit dem Hund: Es werden verschiedene Hundesportarten und Ausbildungskurse angeboten, Fortbildungen organisiert sowie Arbeits- und Leistungsprüfungen ausgerichtet. Die überwiegende Zahl der Mitglieder in einem VDH-Verein sind also keine Züchter. Wer sich irgendwann entscheidet zu züchten, tut das meist, weil er mit seinem Hund besondere Erfolge hatte, alle zur Zucht notwendigen Hürden genommen hat und deren Genpool weitergeben möchte.

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