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Hundezucht Wozu Papiere?

Philip Alsen 30.06.2016

VDH, FCI, DRC, UCI, DDHC, ARU, ARC, DHS, DKU, EKU, IRJGV, BRV: Blicken Sie noch durch? Über fünfzig Vereine und Verbände, die Hundezüchtern Ahnentafeln für Welpen ausstellen, gibt es allein in Deutschland. Besiegeln alle dasselbe: guter, gesunder Hund?

Sind Hunde mit Papieren dann noch wertvoller?

Sind Hunde mit Papieren dann noch wertvoller?Ganz klar ja! Sofern sich der Züchter an die Spielregeln gehalten hat. Doch in der Regel gibt es beim Kauf kaum einen Preisunterschied zwischen Hunden mit „guten“ und denen mit „schlechten“ Papieren. Warum nicht? Die meisten Clubs im VDH geben ihren Züchtern einen Rahmen für den Verkauf der Welpen vor, die Dissidenzzüchter übernehmen den meist. Den Interessenten gilt der Preis auch als Qualitätsmerkmal. Ein teuer bezahlter Hund gibt vielen Käufern das Gefühl, der Züchter habe sich Mühe gegeben. In Ausnahmefällen kann es allerdings auch zu skurrilen Situationen kommen. So rief eine gänzlich ohne Papiere vermehrende „Schwarzzüchterin“ aus Rostock bei einem­ Landesgruppenzuchtwart des im VDH züch­tenden Vereins für Ungarische Vorstehhunde an, um sich zu beschweren. „Wieso nehmt ihr für einen Welpen nur tausend Euro?“, fragte sie und schimpfte: „Ihr macht die Preise kaputt, manche sind bereit, für einen Vizsla zweitausend Euro und mehr zu bezahlen.“

Um das große Geld geht es oft erst, wenn es einen Unfall gibt, der Hund stirbt und die Versicherung dessen Sachwert berechnet. Die Besitzer trauern um ihr Tier und bekommen obendrauf einiges zu hören.­ Hunde mit anerkannter Ausbildung haben einen Wert. Um die Ausbildung zu bekommen, braucht man oft die richtigen Papiere.­ Ein Beispiel: Der Jagdhund, der nur die staatliche Brauchbarkeit gemacht hat, ist allerhöchstens seinen Anschaffungspreis wert. Hat der Hund überdies jedoch die im Jagdgebrauchshundeverband möglichen Zusatzprüfungen absolviert, steigt sein finanzieller Wert mit jedem Punkt und jedem Leistungsabzeichen. Wurde er zum Deckrüden oder zur Zuchthündin gekört, gibt es einen Aufschlag. Ebenso wird bei Therapie-, Blinden- oder Assistenzhunden verfahren. Und auch wenn Hunde keine Sache sind, gilt rechtlich die Regel: Je besser­ die Prüfungen, desto höher der Sachwert.

Gleich eine neue Rasse züchten?

Wer gleich eine neue Rasse züchten möchte, kann seine­ Vorstellung in kleineren Verbänden verwirklichen. Alles, was man braucht, sind Fantasie und Erzählkunst. Im Deutschen Rassehunde­ Club Soltau wird der Germanische Bärenhund gezüchtet. Was das für einer ist? Auf den Internetseiten der Züchter wird er als „Lagerschutzhund“ beschrieben, „eine Rückzüchtung auf den Urhund der alten Germanen zu Zeiten der Völkerwanderung“. Im Lauf der Zeit seien seine Spuren verloren gegangen, heißt es, bis es in den Achtzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem Fehlwurf zwischen Bernhardiner und Hirtenhund gekommen sei: „die Wiedergeburt der Germanischen Bärenhunde“. Fazit: Mit dem richtigen Verband kann aus einem Mischling schnell ein Rassehund werden.

Tatsächlich hat man bei manchen Zuchtverbänden das Gefühl, sie wären allein zum Zweck des Geldverdienens gegründet worden. Wer mit seinem Hund einen Titel gewinnen möchte, der nach Größe­ klingt, kann gegen eine Meldegebühr von 35 Euro am „Noèl Luxemburg-Cup“ oder an der „Kontinent Sieger Show“ des Nationalen Rassehunde Clubs Deutschland teilnehmen. Die Internet­seite des NRCD sieht dürftig aus, die Zuchtpapiere aber machen etwas­ her. Bei Downloads gibt es ein dem FCI-Siegel ähnliches Logo: FCI-D für „Förderung Cynologisch International Deutschland“. Zur Zucht zugelassen wird der Hund durch den Stempel eines­ Tierarzts, einen Deckschein gibt es online zum Ausdrucken. Die Zuchtordnung umfasst nur wenige Absätze, in der Einleitung steht, dass sie „kynologisch durchdacht und erforderlich“ ist.

 

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