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zukunft Neues Futter, gutes Futter?

Annina Arnold 14.02.2018

Es gibt gewichtige Gründe, nach Futteralternativen für den Hund zu suchen: Gesundheit, Allergien, Massentierhaltung, Nachhaltigkeit. Von Green Petfood in Kleinheubach gibt es Futter aus Insekten – ein Zukunftsmodell? DOGS sprach mit der Marketingleiterin Nina Rimbach.

DOGS: Frau Rimbach, wie kam es zu der Idee, Hundefutter aus Insekten herzustellen?

Nina Rimbach: Angefangen hat es mit unserem Geschäftsführer Klaus Wagner. Für ihn ist Nachhaltigkeit eine Passion, schon seit der Schulzeit. Nachhaltigkeit bestimmt unser ganzes Tun und war die Grundidee bei der Gründung von Green Petfood. Uns geht es darum, pratikable Alternativen in der Hundefütterung aufzuzeigen und voranzubringen. Angefangen haben wir mit fleischreduziertem Futter. Das ist gerade bei flexitarisch lebenden Menschen gut angekommen. Dann gingen wir eine Stufe weiter und entwickelten ein vegetarisches Hundefutter, das trotzdem den vorgegebenen Standards entspricht und dementsprechend ein vollwertiges Futter ist. Das hat auch funktioniert, davon kann ein Hund wirklich komplett ernährt werden. Da wir viele Partner in Afrika und Asien haben und Klaus Wagner sehr viel reist, lag es nahe, dass irgendwann auch Insekten als Nahrungsmittel ein Thema wird.

DOGS: Wieso gerade Insekten?

Nina Rimbach: Wir sind immer auf der Suche nach nachhaltigen und innovativen Alternativen, die praktikabel, skalierbar und bezahlbar sind. Nur so können wir wirklich etwas bewegen und positive Veränderung zusammen mit unseren Kunden vorantreiben. Dabei bieten Insekten viele Vorteile: Ein Kilogramm Rindfleischprotein verursacht bis zu 175 Kilogramm Treibhausgase, ein Kilogramm Insektenprotein dagegen nur 14 Kilogramm. Auch Böden und Gewässer werden im Vergleich viel weniger mit Ammoniak belastet. Zusätzlich ist der Wasserverbrauch viel geringer, was wiederum ein gutes Mittel gegen die Wasserknappheit auf der Erde ist. Außerdem verbrauchen Insekten viel weniger Platz und können Futter viel effizienter verwerten. Zwei Kilogramm Futter wird in ein Kilogramm Insektenmasse umgewandelt, für Rinder werden acht Kilogramm für ein Kilogramm Körpermasse benötigt.

DOGS: Es gab sicher auch Bedenken?

Nina Rimbach: Es hat damals tatsächlich für sehr viel Furore gesorgt, da gab es viele Diskussionen gerade zwischen Barf-Vertretern und Vegetariern/Veganern. Eigentlich interessant, wie nahe diese beiden Welten liegen, denn im Endeffekt wollen beide bessere Lebensbedingungen für ihre, aber auch Nutztiere erreichen. Aber genau solche Diskussionen treiben an, und uns war es wichtig, eine gute und ökologische Alternative zu konventionellem Fleisch zu finden, die gesund ist.

DOGS: Wie haben die Mitarbeiter auf die Idee reagiert?

Nina Rimbach: Ungewöhnliche Ideen kommen öfter auf, aber Insekten haben auch hier im ersten Moment die Gemüter gespalten. Nach kurzer Betrachtung der Vorteile waren aber alle Feuer und Flamme. Und dann ging es auch schon in die Produktentwicklung. Insekten wurden erst vor Kurzem von der EU-Kommission als Nahrungsmittel zugelassen, so hatten wir einige Hürden zu nehmen.

DOGS: Apropos Nahrung, womit füttern Sie Ihre Insekten?

Nina Rimbach: Es ist erstaunlich, was für gute Futterverwerter Insekten sind. Sie können mit vermeintlichen Abfällen gefüttert werden. So bekommen sie beispielsweise die Reste von Ananas, die für den Direktverzehr in Supermärkten vorbereitet wurden und bei denen dementsprechend großzügig abgeschnitten wurde. Diese Abschnitte werden nochmals klein gehackt und vermischt mit nicht mehr verkaufsfähigem Gemüse oder Obst, beispielsweise krummem Gemüse oder braunen Bananen, die im Supermarkt liegen bleiben, aber noch gut sind. Dabei wird darauf geachtet, dass kein verschimmeltes Obst und Gemüse beigemischt wird. Diese Mischung kommt in die Mühle und heraus kommt ein Brei, der nochmals analysiert und entsprechend der benötigten Nährstoffe abgemischt wird.

DOGS: Wie sieht das Leben der Tiere aus?

Nina Rimbach: Die Insekten selbst haben eine unglaubliche Reproduktionsrate. Die Fliegen legen nämlich fünfhundert bis sechshundert Eier am Tag bei einer Lebensdauer von fünf bis zwölf Tagen. Nachdem sich die Fliege aus der Larve entwickelt hat, braucht sie in dieser Zeit gar keine Nahrung mehr. Die Larven selbst leben in einer Mischung aus Erde und Futter, wobei man von oben gar nichts sieht. Sie leben alle eng zusammen, um sich zu wärmen. Zehn bis zwölf Tage brauchen sie, bis sie kurz vor der Verpuppung stehen, dann werden sie mit kaltem Wasser betäubt und getötet. Dabei wird das ganze Tier verwendet, einen Panzer haben sie ja noch nicht. Die Erde wird abschließend als Dünger verwendet und kommt auf den Acker. So entsteht ein gesamter Kreislauf.

DOGS: Das klingt wirklich nachhaltig. Wie geht es dann weiter?

Nina Rimbach: Die weitere Produktion sieht unspektakulär aus. Wir produzieren auf Lebensmittelstandard in unserem Werk in Kleinheubach. Nach der Kontrolle im hauseigenen Labor werden die Einzelkomponenten mit Wasser zusammengemischt, im Extrusionsverfahren schonend aufgeschlossen und zu luftigen Kroketten verarbeitet. Die Rohstoffe beziehen wir so regional wie möglich, wir verwenden keinen Weizen, kein Soja oder künstliche Konservierungsstoffe. Stattdessen nehmen wir Kartoffeln oder Erbsen. Insgesamt fünfzehn Prozent Insekten haben wir als Trockenanteil. Nun werden auch die anderen Zutaten vermahlen und als Mehle mit Wasser zusammengemischt, mit Vitaminen angereichert und extrudiert. Am Ende sieht man also gar nichts mehr von den Insekten.

DOGS: Wie reagieren die Kunden?

Nina Rimbach: Im vergangenen Jahr haben wir einige Promos gemacht. Am Anfang gab es klar Berührungsängste. Doch als die Hunde dann angefangen haben, das Futter von der Hand zu essen, waren die Kunden schnell überzeugt. Im Endeffekt haben viele zugegeben, dass ihr Hund ja sowieso öfter mal nach einer Fliege oder einem Wurm schnappt. Viele Kunden bemerken auch, dass das Futter im Vergleich zu Futter mit Fleischrohwaren angenehmer riecht. Sobald klar ist, dass der Hund das Futter frisst und gut verträgt, gibt es meist keinen Grund mehr, unser Futter nicht zu füttern. Für viele spielen Gesundheitsgründe zudem eine große Rolle. Allergien werden ein immer wichtigeres Thema, und nachdem Hunde mit Insekten noch kaum in Kontakt gekommen sind, konnten sie noch keine Allergien entwickeln. Perfekt also für Allergiehunde! Sie fressen das Futter gerne und vertragen es gut, das ist für viele eine Erleichterung. Teilweise wurden unsere Kunden zu regelrechten Insektenbotschaftern. Zusätzlich ist es nachhaltig, praktikabel und kostet auch nicht mehr als herkömmliches Futter.

DOGS: Wird es bald auch Insektenleckerlis geben?

Nina Rimbach: Über Leckerlis haben wir schon nachgedacht, aber unsere Kernkompetenz liegt einfach bei Trockenfutter. Insektenmehl funktioniert anders, die richtige Rezeptur zu finden, ist gar nicht so leicht. In Dänemark hat zum Beispiel ein Bäcker angefangen, glutenfreies Brot mit Insektenmehl zu backen, und schnell gemerkt, dass er da erst mal rumprobieren muss, damit es passt. Ausschließen wollen wir es aber nicht.

DOGS: Glauben Sie, dass sich in der Zukunft Hund und Herrchen von Insekten ernähren werden?

Nina Rimbach: Bei uns war vor Ort mal ein Koch, der Insekten für uns zubereitet hat. Das hat uns durchaus Überwindung gekostet, aber geschmacklich war es nicht zu verachten. Seit der EU-Zulassung kommen immer mehr Produkte auch für den Menschen auf den Markt. Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis bei uns Insekten wie beispielsweise in Asien auf dem täglichen Spieseplan stehen, aber zwei Milliarden Menschen weltweit essen bereits täglich Insekten, also stehen die Chancen gut!

DOGS: Wo gibt es das Insektenfutter zu kaufen?

Nina Rimbach: Gestartet haben wir im Fachhandel, mittlerweile bekommen die Kunden das Futter auch bei Tegut, Budnikowsky und dm. Preislich liegen sie ganz normal im Bereich von Premiumfutter. Uns ist einfach wichtig, dass sich das trotzdem noch jeder leisten kann, wir wollen das auch nicht künstlich teuer halten. Wir machen das aus Überzeugung, auch wenn es ein steiniger Weg war. Nachhaltigkeit liegt uns einfach am Herzen. Wir sind gespannt, wohin die Reise jetzt noch geht.

Näheres unter: www.green-petfood.com

Fevzi

2018.04.09 um 00:38 Uhr

Hunde sind was einzigartiges
http://xn--fevzigrer-v9a.com/

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