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TRAINING Apport!

Astrid Nestler

Damit der Spaß am Spiel mit dem Bringsel erhalten bleibt, gilt es, schnödes Ballwerfen zu vermeiden. Raffinierter ist es, mit zwei gleichen Dummys zu arbeiten, die der Hund im Tausch bespielt.

Wer bewegt wen? Beim Apportieren und auch sonst der Mensch den Hund. Ist Letzterer im Besitz der Beute, sieht das oft ganz anders aus. Viele Hunde wollen die Beißwurst oder den Ball behalten, das Spielzeug nicht abgeben, sondern schütteln, darauf kauen, damit angeben. Manche versuchen sogar, es zu vergraben. Aus dem souveränen Zweibeiner wird dann schnell ein hilfloses Menschlein, zu langsam, um dem Hund seinen Schatz wieder abzujagen. Ein scharfes „Aus!“, selbst wenn es hilft, verdirbt beiden schnell die Stimmung. Was also tun, damit der Mensch beim Spiel die Zügel in der Hand behält und der Hund lernt, dass ihm nichts weggenommen wird?

 

DER TRICK MIT DEN ZWEI DUMMYS

Damit der Hund lernt, dass für ihn kein Nachteil entsteht, wenn er ein Spielzeug abgibt, wird zunächst der Beutetausch geübt. Es wird ihm sofort ein gleichwertiger Ersatz angeboten. Dabei lernt er auch, dass es sinnvoll ist, das Dummy zurückzubringen und gleich loszulassen, weil nur so das Spiel mit dem nächsten Dummy beginnt.

Lernziel: Bringen wollen statt bringen müssen
Da das Dummy in der Hand des Menschen immer das interessanteste ist, fokussiert der Hund sich nicht auf einen Gegenstand, sondern auf das gemeinsame Tun. Die Folge: Er möchte seinem Menschen das Spielzeug überreichen, da dies der Schlüssel zu einem neuen Spiel ist.

Geeignetes Spielzeug: Der Hund muss das Material mögen
Weichbeißer wie Retriever bevorzugen Baumwollknoten oder Plüschtiere. Beutegeier wie Malinois lieben hartes Gummi. Entscheidend ist, mindestens zwei gleiche Spielzeuge zu haben. Unterschiedliche Farben spielen keine Rolle, unterschiedliche Materialien durchaus. Wer zum Beispiel die Beißwurst aus Jute und eine aus Leder verwendet, kann damit rechnen, dass der Hund Leder bevorzugt und nicht mehr mitspielt, sobald er die Lieblingswurst erobert hat.

TAUSCHEN LERNEN

Interessant machen durch Vorenthalten: Der Mensch beginnt das Spiel mit einem der beiden Dummys, indem er sich selbst damit beschäftigt, Spannung aufbaut, allerdings ohne den Hund zu beachten. Erst wenn dieser mitmachen und den Gegenstand unbedingt haben möchte, bezieht er ihn mit ein. Dummy zwei ist für den Hund noch unsichtbar, aber so, dass man es schnell zur Hand hat.

Den richtigen Moment bestätigen
Spielt der Hund mit, wird er gelobt, wenn er das Spielzeug im Maul hält und der Mensch es gleichzeitig in der Hand hat. Dabei wird ein wenig gezergelt und anschließend dem Hund das Spielzeug überlassen. Er darf also ruhig gewinnen. Dann wendet der Mensch sich vom Hund weg, zieht Spielzeug zwei heraus und beginnt, sich damit zu beschäftigen, bis der Hund darauf anspringt und Spielzeug eins fallen lässt, um Spielzeug zwei zu schnappen. Ist der Hund hier gut bei der Sache, lässt ihn der Mensch Spielzeug zwei gewinnen, nimmt sich Spielzeug eins erneut und beginnt, dieses interessant zu machen, und so weiter. Beim Wechsel auf das jeweils andere Spielzeug bewegt sich der Mensch immer tendenziell vom Hund weg, möglichst nie auf ihn zu. Das animiert Hunde zum Ausweichen und Beutesichern. Generell ist wichtig, sich anfangs nicht anmerken zu lassen, welche Absicht man verfolgt, sondern unbefangen mit dem Hund zu spielen.

Aufhören, wenn es am schönsten ist
Der einfachste Weg, das Spiel zu beenden, ist das Dummy wegzupacken und es gegen ein Futterstück zu tauschen. Spielbegeisterte Hunde sind oft nicht bereit, das Beutestück gegen Futter herzugeben. Hier ist Geschick gefragt: Im Moment, in dem der Hund ein Spielzeug loslässt, um das andere zu greifen, nimmt der Mensch beide Dummys an sich.

BRINGEN LERNEN

Schritt 1: Spielzeug aufnehmen und bringen
Sobald der Hund ein Spielzeug gewonnen hat, läuft der Mensch erst ein paar Meter weg, bevor mit Dummy zwei weitergespielt wird. Dabei passiert es oft, dass der Hund Spielzeug eins von sich aus mitbringt. Zu Anfang kann es auch sein, dass der Hund sein Spielzeug fallen lässt, bevor er nachkommt, doch das ist egal. Die Erfahrung zeigt, dass die Hunde mit der Zeit das Spielzeug von allein mitbringen.

Schritt 2: Das Spielzeug nach oben anbieten
Hier hat sich das Spielen mit „kurzen Armen“ bewährt, damit der Hund lernt, den Gegenstand nach oben zu halten und anzubieten. Dasselbe erreicht man, wenn der Mensch beim Spielen sitzt.

Schritt 3: Das Spielzeug halten
Dem Hund wird das zweite Spielzeug zeitverzögert angeboten. Erst lässt man ihn Spielzeug eins ein paar Sekunden halten, bevor das Spiel mit dem zweiten Beutestück weitergeht. Diese Zeitspanne wird nach und nach ausgebaut.

VORTEILE DIESES TRAININGS

Beziehungsfördernd
Der Hund erfährt Spaß durch gemeinsames Tun nahe beim Menschen. Durch die zwei Dummys lernt er, dass ihm nichts abgenommen wird, sondern dass das Spiel zu zweit schön ist. Ganz anders, wenn ein Dummy bloß geworfen wird: Dann ist das Spiel weit weg vom Menschen lustig und befriedigend.

Gelenkschonend
Beim Werfen degradieren sich manche Menschen zur schnöden Ballwurfmaschine. Überdies ist diese Art der Bewegung auf Dauer schädlich. Die schnellen Sprints und Stopps, vor allem ohne vorheriges Aufwärmen, schädigen über die Jahre Muskeln und Gelenke. Beim Dummytausch entfernt sich der Mensch, nachdem Dummy eins gegeben wurde. Der Hund muss dem Menschen folgen, damit das Spiel mit Dummy zwei weitergeht, was in der Regel sanfter, ohne extreme Sprints und Stopps abläuft.

Flexibel
Man kann diese Art des Beutetauschs spielen, ohne dass der Hund bereits perfekt apportiert. Sequenzen, die der Vierbeiner noch nicht kann, zum Beispiel das gezielte Aufnehmen und Halten der Beute, werden vorerst ausgeklammert. Je nach Ausbildungsstand des Hundes kann man mehr oder weniger Spielanteile einfließen lassen. Ist die Ablenkung ringsherum groß, beginnt man mit dem lustvollen Beutetausch, bevor man eine Apportierleistung des  Hundes verlangt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er konzentriert bei der Sache bleibt, ist dann einfach größer. In einer ruhigen Umgebung reicht es beim selben Hund vielleicht schon, ihn ohne Anspiel nur mit etwas Spannungsaufbau zum Apportieren zu schicken.

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