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GESUNDHEIT Die Sache mit den Augen

Sarah Heider

Der Sehsinn ist für den Hund ebenso wichtig wie für uns Menschen. Der Verlust seiner Sehkraft bedeutet für den Vierbeiner daher einen gravierenden Einschnitt. Wie man Augenerkrankungen erkennt.

© Antony Sojka

Keratitis pigmentosa

Keratitis pigmentosa ist eine fortschreitende entzündliche Erkrankung der Hornhaut, die in beiden Augen gleichzeitig auftritt. Die Ausprägung kann jedoch unterschiedlich stark sein. Typischerweise beginnt die Erkrankung mit einem erröteten, verdickten Herd an der Bindehaut im äußeren Augenwinkel. Von dort aus sprießen Gefäße in die Hornhaut, die schwarzes Pigment transportiert, das sich bis in die Pupille hinzieht. Im Endstadium ist die gesamte Hornhaut verdickt und schwarz pigmentiert. Der erkrankte Hund erblindet, obwohl das Auginnere noch intakt ist, da die Hornhaut nicht mehr durchsichtig ist. Deutsche Schäferhunde und andere Hütehunde sind am häufigsten von der Krankheit betroffen, weshalb sie auch Schäferhund-Keratitis genannt wird.

Keratitis sicca

Von einer Keratitis sicca oder einem trockenen Auge wird gesprochen, wenn die Tränenproduktion mangelhaft oder fehlend ist. Die Tränenflüssigkeit hat viele wichtige Funktionen, die zur Aufrechterhaltung und Transparenz der Hornhaut dienen: Reinigung, Versorgung mit Sauerstoff, Glucose und Proteine, Schutz durch antibakterielle Enzyme und Antikörper sowie Feuchtigkeit. Symptome der mangelnden Tränenproduktion können eine Rötung der Bindehaut, ein schleimig-eitriger Ausfluss, krustige Ablagerung am Lidrand, eine matte und trübe Hornhaut oder ein Zukneifen des Auges aufgrund der Schmerzen sein.
Eine Keratitis sicca führt zu einer Veränderung der Hornhaut. Wegen eingewachsener Blutgefäße, Pigmenteinlagerung und eingewanderter Entzündungszellen kommt es zu einer Trübung der Linse, die im fortgeschrittenen Stadium zum Verlust des Sehvermögens führt. Diese Erkrankung kann bei allen Hunderassen auftreten, einige Rassen sind jedoch genetisch vorbelastet, dazu gehören zum Beispiel West Highland White Terrier, Spaniels, Englische Bulldogge, Shar Pei, Shih Tzu, Pekinese, Mops, Lhasa Apso, Malteser, Dackel, Jack Russell Terrier und Chow-Chow.

Progressive Retinaatrophie

Die Progressive Retinaatrophie (PRA) ist ein langsam fortschreitendes Absterben (Atrophie) der Netzhaut (Retina). Die Netzhaut besteht aus unzähligen Nervenzellen und kleidet als innerste dünne Schicht die hinteren Augenabschnitte aus. Ihre Aufgabe ist es, die Lichtreize aufzunehmen und zu elektrischen Impulsen zu verarbeiten, die anschließend vom Sehnerv zum Gehirn geleitet und dort zu Bildern zusammengesetzt werden.
PRA ist ein Überbegriff ähnlicher genetisch bedingter Erkrankungen der Netzhaut, die ab einem bestimmten Alter auftreten und allmählich zur vollständigen Erblindung führen. In den meisten Fällen treten die erste Symptome im Alter von etwa drei bis fünf Jahren auf und führen im Alter von sechs bis neun Jahren zur Erblindung. In der Netzhaut gibt es Zellen, die das Sehen bei Nacht verantworten, und welche, die für das Sehen bei Tag zuständig sind. PRA beginnt bei den Zellen, die für die Sicht bei Nacht zuständig sind, sodass erste Symptome Unsicherheit bei Dämmerung und Verbellen fremder Personen oder Objekte sind. Ein weiteres Zeichen ist eine dünner werdende Netzhaut, die sich in einem stärkeren Leuchten der Augen in der Dunkelheit äußert.

Sehnerventzündung

Eine Sehnerventzündung tritt oft als Begleiterscheinung von Multipler Sklerose und anderen Krankheiten auf, es muss jedoch nicht zwingend eine Primärerkrankung vorliegen. Der Sehnerv verlässt die Netzhaut des Auges durch die Papille und leitet Signale, die durch Lichteinfall entstehen, an das Gehirn. Der Sehnerv kann sowohl direkt an der Papille als auch im weiteren Verlauf entzündet sein.
Die Erkrankung führt in erster Linie zu einer Minderung des Sehvermögens, die in wenigen Stunden oder Tagen stark zunimmt. Die Sehschärfe nimmt vor allem im zentralen Bereich des Blickfelds ab.

Linsenluxation

Unter dem Begriff wird die Loslösung der Linse im Auge verstanden. Bei gesunden Tieren ist die Linse rundum an den sogenannten Zonulafasern befestigt. Im Anfangsstadium der Erkrankung reißen meist erst einige Fasern und es entsteht eine sogenannte Subluxation der Linse, eine teilweise Loslösung. Mit der Zeit reißen die restlichen Fasern und die Linse kann sich frei im Auge bewegen, wodurch das ganze Auge in Mitleidenschaft gezogen wird.

Bei der Krankheit wird zwischen der primären und der sekundären Linsenluxation unterschieden. Die primäre Linsenluxation (PLL) ist eine rezessiv vererbte Augenerkrankung. Die betroffenen Hunde haben einen angeborenen Defekt der Zonulafasern, die nur minderwertig ausgebildet werden. PLL tritt häufig im Alter von drei bis sechs Jahren ohne vorherige Grunderkrankungen auf. In der Regel sind beide Augen betroffen, jedoch in zeitlich versetzten Abständen. Mithilfe eines Gentests kann nachgewiesen werden, ob ein Tier betroffen ist und wahrscheinlich erkranken wird, ob es die Krankheit überträgt oder ob es frei von der Genmutation ist. Die sekundäre Linsenluxation ist hingegen eine Folge einer anderen schwerwiegenden Augenerkrankung wie Grauer Star, chronische Entzündung der Regenbogenhaut, starke Stöße im Kopfbereich, ein schweres Trauma (etwa durch einen Unfall) oder Tumoren im Auge.

Grüner Star

Die Krankheit Grüner Star oder auch Glaukom bezeichnet die Erhöhung des Augeninnendrucks. Im gesunden Auge ist eine konstante Menge des Kammerwassers vorhanden. Dieses besteht unter anderem aus Eiweiß und Zucker und dient der Versorgung der nicht durchbluteten inneren Strukturen des Auges. Kommt es zur Behinderung des Abflusses, steigt mit der Menge des Kammerwassers auch der Augeninnendruck an.

Prinzipiell wird zwischen zwei Arten dieser Krankheit unterschieden: dem Primärglaukom und dem Sekundärglaukom. Bei dem Primärglaukom ist häufig der Kammerwinkel, über den die Flüssigkeit abläuft, verengt oder fehlerhaft ausgebildet. Einige Rassen neigen aufgrund einer angeborenen und vererbten Missbildung des Kammerwinkels vermehrt zu Primärglaukomen. Dazu gehören unter anderem Amerikanischer Cocker Spaniel, Basset, Bouvier des Flandres, Entlebucher Sennenhund, Flat Coated Retriever, Siberian Husky, Chow-Chow, Englischer Springer Spaniel, Magyar Vizsla, Samojede, Tatrahund, Leonberger und Kleiner Münsterländer. Beim Sekundärglaukom kommt es infolge einer anderen Erkrankung am Auge zu einem Anstieg des Innendrucks. Die auslösende Krankheit kann gleichzeitig auftreten, aber auch schon länger (bis zu einigen Jahren) zurückliegen. Eine häufige Ursache ist eine Linsenluxation.

Grauer Star

Der Graue Star, auch Katarakt, ist eine der häufigsten Erblindungsursachen, auch beim Hund. Diese Krankheit kann verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten sind erbliche Faktoren, Diabetes, Entzündungen, Verletzungen und Vergiftungen. In den meisten Fällen ist die Entwicklung von Katarakt genetisch veranlagt und kommt bei manchen Hunderassen häufiger vor. Dazu gehören unter anderem Dachshunde, Cocker, Zwergschnauzer, Retriever und Pudel. Diese erkranken teilweise schon in jungen Jahren. Grauer Star kann jedoch bei allen Hunderassen auftreten.

Die Symptome sind für den Hundehalter im Anfangsstadium zumeist schwer zu erkennen. Die Trübung des Auges und die damit verbundene bläulich weiße Farbveränderung der Linse können zunächst recht unauffällig sein. Eine Veränderung des Verhaltens sowie Orientierungsschwierigkeiten setzen ebenso erst in einem späteren Stadium ein, wenn das Sehvermögen bereits eingeschränkt ist. Oft wird der Graue Star mit einer altersbedingten Graufärbung der Linse, der sogenannten Linsensklerose, verwechselt. Diese ist ein normaler Prozess und beeinträchtigt das Sehen nicht.

 

Lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe von DOGS über eine Berliner Tierärztin, die sich auf Augenerkrankungen spezialisiert hat und erkrankten Hunden ihr Augenlicht wiedergeben konnte.
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