DOGS Logo Geschichten, die nur mit Hund passieren

ANATOMIE Hör mal zu!

Philip Alsen

Das Gehör ist für den Hund der zweitwichtigste Sinn. Seine Lauscher kann der Hund separat bewegen, er kann das Fiepen kleiner Mäuse wahrnehmen und die Ultraschallschreie der Fledermaus. Nur unsere Rufe scheint er gern zu überhören.

„Oskar! Ooossskaar!“ Nichts passiert. Der große, schwere Labradormischling dreht weiter seine Kreise auf der Hundewiese. Klaut einem anderen Hund den Ball, jagt einem Frisbee hinterher, weist einen kleinen Hund in die Schranken. „Können Sie Ihren Hund nicht mal zu sich rufen?“, faucht eine ältere Dame das Frauchen an. Andere gucken böse. Frauchen bemüht sich. Ruft und ruft. Irgendwann gibt sie es auf, marschiert auf Oskar zu und entschuldigt ihren Rüpel: „Ist ja auch ’ne Menge Gegenwind, der kann mich wahrscheinlich gar nicht hören.“

Kann Oskar bei Wind nicht hören? Sehr unwahrscheinlich. Denn Hunde haben mit die besten Ohren im Tierreich. Das leise Fiepen einer Maus auf fünfzig Meter Entfernung: für einen Hund kein Problem. Der Versuch des spät nach Hause gekommenen Teenagers, sich auf Socken unbemerkt in sein Zimmer zu schleichen: vergebens. Herrchens nur mühsam unterdrückter Ärger über den Zögling? Der heimkommende Teenager kriegt ihn nicht mit, der Hund weiß schon Bescheid. Gegen das Hörvermögen der Hunde ist das absolute Gehör eines Musikers eine grobe Fähigkeit.

Wie gut Hunde Töne wahrnehmen, ist bestens geklärt. Für audiometrische Untersuchungen wurden Hunde bereits von vielen Forschern in Narkose gelegt, mit Klicktönen bombardiert, ihre Gehirnwellen wurden gemessen. Ergebnis: zwischen 60 und 45.000 Hertz, das sind Schwingungen pro Sekunde, wird alles wahrgenommen, je höher der Ton desto besser. Zum Vergleich: Beim Menschen ist, abhängig vom Alter, bei etwa 16.000 Hertz Schluss, bei 20.000 Hertz beginnt der Ultraschallbereich. Fledermäuse zum Beispiel stoßen auf der Jagd Schreie um die 35.000 Hertz aus. Hunde hören das, wir Menschen sehen nur Tiere am Abendhimmel, die lautlos jagen. Als grobe Faustregel gilt dabei: Hohe Töne werden besser wahrgenommen als tiefe.

Es ist ein wölfisches Erbe, denn kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten stoßen in der Regel höhere Töne aus als große. Da Mäuse schon immer häufiger auf dem Speiseplan von Wölfen standen als Rehe, Hirsche oder anderes Großwild, ist es sinnvoll, hohe Töne besser zu hören. Nicht nur wegen des größeren Frequenzbereichs ist der Hund dem Menschen weit überlegen, sondern auch bei der Ortung von Tonquellen. Das hängt mit der beweglichen Ohrmuschel zusammen, die durch siebzehn Ohrmuskeln gesteuert wird. Dadurch ist der Hund in der Lage, dreidimensional zu hören, er kann Geräuschquellen zuordnen und Störgeräusche herausfiltern. Das Hundeohr ist anatomisch dem des Menschen sehr ähnlich. Es beginnt mit den Ohrknorpeln, die dem Ohr seine äußere Form geben, den Ohrmuscheln und dem äußeren Gehörgang. Das Trommelfell ist die Grenze zum Mittelohr, einem mit Luft gefüllten Raum, in dem die Knochen Hammer, Amboss und Steigbügel den auf das Trommelfell auftreffenden Schalldruck auf das Innenohr übertragen.

Das Innenohr liegt geschützt in einer knöchernen Paukenhöhle und besteht aus dem Vorhof, den Bogengängen (hier sitzt auch der Gleichgewichtssinn) und der sogenannten Schnecke, in der das eigentliche Hörorgan seinen Platz hat: das nach dem mittelalterlichen Anatomen Alfonso Corti benannte Corti­Organ. Darin werden die akustisch empfangenen und mechanisch weitergeleiteten Schwingungen mithilfe feinster Haarzellen in Signale übersetzt und zum Gehör weitergeleitet.

 

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