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LITERATUR Ein Hund namens Kominek

Antje Bones

Exklusiver Auszug aus dem Kinderbuch von Antje Bones bei DOGS: Der schwarze Mischling Kominek muss sein entspanntes Leben auf dem Schrottplatz aufgeben – und mit dem Postboten Janusz auf eine turbulente Reise gehen. Lesen Sie einen Auszug aus dem Buch.

Der Duft der großen weiten Welt

Bei den nächsten Besuchen stürmt der Hund schon von Weitem auf Janusz zu. Aber nicht wie früher. Er bellt nicht. Sondern wedelt mit dem Schwanz! So viel Hundesprache versteht Janusz: Kominek freut sich!

Der Hund begrüßt den Postboten nun jedes Mal sehr ausgiebig, springt an ihm hoch oder rollt sich vor seinen Füßen herum.

Immer öfter tippelt Kominek nun ein Stück Weg mit ihm mit. Janusz fährt dann auf seinem roten Postfahrrad und der Hund läuft neben ihm her, begleitet ihn bis zum nächsten Hof, manchmal sogar bis in den nächsten Ort. Sein buschiger Schwanz kringelt sich freudig in die Höhe, wenn er die kleinen Sträßchen und Wege der Nachbarschaft erkundet. An jedem Busch hebt Kominek sein Bein und seine feuchte Nase schnuppert neugierig den Duft der großen weiten Welt.

Janusz gefällt das. Der Hund ist fröhlich.

Janusz und Kominek sind nicht mehr allein.

Als der Postbote am nächsten Tag nach getaner Arbeit durch die Straßen von Przemyśl radelt, rumpelt der schmale braune Koffer auf seinem Gepäckträger. Janusz pfeift ein fröhliches Lied und er beschließt, bei Kasper Kowalczyk Halt zu machen. Er ist Metzger und in der ganzen Stadt für seine weltbesten Krakauer Würstchen bekannt. Weshalb ihn alle nur Krakowski nennen.

Aber Krakowski hat auch die tollste Bratwurst, die leckerste Fleischwurst und die längste Bockwurst. Bald ist die Tüte voll und schwer. Beladen mit Köstlichkeiten steuert Janusz zum Schrottplatz.

Janusz steigt gerade erst von seinem Rad, da nimmt am anderen Ende des Platzes schon jemand Witterung auf! Komineks Nase führt ihn schnurstracks zu der verführerisch duftenden Tüte. Allerdings muss er sich noch ein bisschen gedulden. Janusz packt seinen Koffer auf den Tisch und hängt die Tüte hoch an eine Leiter in der Werkstatt. Dann sucht er auf dem Hof ein paar Stöcke, Äste und Bretter zusammen, stapelt alles zu einem Haufen und zündet es an. Das wird ein herrliches Lagerfeuer mit einem feinen Festschmaus – und mit einer Musikeinlage –, freut sich Janusz.

Als er zurück in die alte Scheune kommt, traut er seinen Augen nicht! Kominek steigt vorsichtig die Stufen der Leiter hoch, bis er ganz oben ankommt. Dort schnappen seine Zähne nach dem Henkel der großen Papiertüte und – schwupp – trägt der Hund sie blitzschnell davon. Während Janusz noch wie angewurzelt dasteht und darüber staunt, wie grazil Kominek sich bewegt und wie sicher seine Schritte sind, flitzt der samt Wurst an ihm vorbei!

Janusz versucht, sein Abendbrot zu retten. Mit seinen langen, schlaksigen Beinen rennt er Kominek hinterher. Aber als er am Auto ankommt, saust der Hund schon in die Büsche. Kominek schlägt einen Haken, dass die Erde nur so spritzt, und rast rund um das Feuer, das inzwischen auf dem Hof lodert. Nach zwei oder drei Runden mit dem Hund im Kreis gibt Janusz auf und lässt sich prustend auf einen Baumstamm sacken. Kominek hockt ihm gegenüber auf der anderen Seite des Feuers und lässt die Wursttüte keine Sekunde aus den Augen.

Der Hund schüttelt sich kräftig, schnuppert und bellt Janusz über die fliegenden Funken hinweg an. Janusz weiß nicht, was er davon halten soll.

»Was?«, ruft er dem Hund zu und zuckt ratlos mit den Schultern.

Kominek legt sich neben die Tüte und stupst sie mit seiner Nase an. Er fiept ungeduldig und der Postbote versteht. Langsam geht er auf Kominek und die Wursttüte zu, die der Hund wie einen Schatz bewacht.

»Soll ich sie dir in kleine Stücke brechen?«, fragt Janusz und Kominek wedelt mit seinem buschigen Schwanz. Der Hund setzt sich aufrecht und hechelt, bis ihm der Speichel aus dem Maul läuft. Endlich fliegt ihm ein Stück feinster Krakauer Wurst entgegen! Kominek schnappt es, da kommt ein zweites Stück geflogen! Wupp! landet auch dieses Stück in seinem Maul. Es folgen Bratwurst, Fleischwurst und Salami.

»Ein Stück für dich, ein Stück für mich!«, ruft Janusz. Aber das stimmt gar nicht. Der Hund bekommt viel mehr ab.

Janusz will die Tür des alten Autos öffnen, damit sie die Musik aus dem Radio besser hören können. Aber das verrostete Teil klemmt und der Postbote muss mit all seiner Kraft daran ziehen. Er stemmt sich mit einem Fuß gegen das Auto. Es knarrt und quietscht! Da bricht plötzlich die Tür aus den Angeln und fällt scheppernd zu Boden! Janusz hält nur noch den Griff in der Hand. Kominek rennt vor Schreck hinter den nächsten Busch und Janusz bricht in lautes Gelächter aus. »S’wietnie! Prima! Umso besser«, meint Janusz, dreht die Musik auf und klatscht begeistert in die Hände.

Was nun geschieht, ist ganz und gar wundervoll. Die flotte Marschmusik mit ihren fröhlich treibenden Trommeln, Pauken und Trompeten lockt den Hund wieder hervor.

Er kommt aus seinem Versteck – und geht. Ja, Kominek geht! Auf zwei Beinen geht er! Bis zum Auto und weiter zu Janusz geht er! Will der Hund etwa? Nein, das kann doch nicht sein … Janusz reibt sich die Augen, als Kominek seine vorderen Pfoten im Takt der Musik schwingt. Der Hund macht ein paar Schritte nach links, ein paar Schritte nach rechts. Er wiegt sich, geht vor und zurück.

Er geht!

Nein! Er geht nicht.

Er tanzt.

Kominek tanzt!

Janusz ist wie verzaubert. Ein Hund, der sich im Kreis dreht, der sich zur Musik dreht! Zur Musik … Janusz’ Herz hüpft und er stolpert in die Werkstatt, um nach seinem Koffer zu suchen. Der liegt noch genau an derselben Stelle auf dem Tisch, an der er ihn vorhin abgestellt hat. Janusz kann jetzt nicht klar denken, er ist zu aufgewühlt. Ein Hund, der sich zur Musik im Kreis dreht!

Kominek sucht sich derweil einen Platz am warmen Feuer und rollt sich zu einer schwarzen Kugel zusammen. Als sei nichts Besonderes geschehen, schaut er in die Flammen, die sich in seinen dunklen Augen widerspiegeln.

Doch so viel versteht Janusz vom Tanz, dass er einen tanzenden Hund erkennt, wenn er sich vor ihm im Kreis dreht! Schließlich hat er schon einige Ballerinas und Tänzer auf seiner Klarinette begleitet. Und dieser Hund hier … kann tanzen.

 

Antje Bones: Ein Hund namens Kominek

„Ein Hund namens Kominek“ von Antje Bones mit Illustrationen von Jasmin Schäfer ist für acht- bis zehnjährige Leser empfohlen. Es erscheint am 15. März 2018 im Knesebeck Verlag, 128 Seiten, 13 Euro

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