DOGS Logo Geschichten, die nur mit Hund passieren

INTERVIEW „Hilfe, mein Hund hat das Hotelzimmer zerlegt!“

Friederike Trudzinski

Wer glaubt, Hundeversicherer müssten sich ausschließlich mit frechen Vierbeinern auseinandersetzen, irrt. Wir sprachen mit Franziska Obert von der Agila AG über Nacktjogger, panische Partybesucher – und Kotpäckchen im Posteingang.

DOGS: Frau Obert, was war der verrückteste Haftpflichtfall, mit dem Sie konfrontiert wurden?
Franziska Obert: Es gab einen Hund, der zu einer Party mitgenommen wurde. Der Halter band ihn an einer Heizung fest, doch der Hund riss sich los und hat die Party gesprengt. Die Gäste hatten solche Angst vor dem Tier, dass sie rausliefen und auf ihre Autos sprangen – und die bekamen dann Beulen, klar.

Die Reparatur musste Ihre Versicherungsgesellschaft bezahlen?
Natürlich. Der Hund hat schließlich dafür gesorgt, dass bei den Autobesitzern ein Schaden entstand.

Das war sicher teuer.
Richtig. Anders bei folgendem Fall: Eine Nacktjoggerin lief am Strand entlang, als ein Besitzer mit seinem Hund ein Fotoshooting veranstaltete. Der Hund rannte der Joggerin hinterher, wollte spielen. Die Frau bekam Angst, fiel hin und lief ins Wasser, wo sie sich nach eigener Aussage ihre „Muskeln kühlen“ wollte. Der Besitzer rief den Krankenwagen, weil sie sich ja offensichtlich verletzt hatte. Doch als der dann kam, wollte sie sich weder bedecken noch behandeln lassen.

Verrückt.
Einen habe ich noch, wieder am Meer, aber diesmal am Hundestrand. Dort ging eine Frau mit Hundeallergie spazieren. Ihre Medikamente hatte sie in einem Rucksack dabei. Plötzlich lief ein Hund auf sie zu, die Spaziergängerin bekam Angst und lief samt Rucksack ins Meer. Das haben die Medikamente nicht überstanden. Die sollten wir dann erstatten.

Erstaunlich ist dabei, dass in allen Fällen weglaufende Menschen den eigentlichen Schaden anrichteten.
Das stimmt. Haftpflicht ist ja immer so eine Sache. Da muss man sehr genau gucken: Wann trägt der Hund die Schuld? Wo ist der Geschädigte vielleicht mitschuldig? Entsprechend wird dann von uns reguliert.

Was sagen Sie dazu: Der Hund einer Kollegin hatte Geldscheine gefressen. Die Versicherung wies sie an, den Kot des Tieres zu sammeln und der Versicherung zu schicken.
Es gibt eben immer wieder Fälle, bei denen wir überprüfen müssen, wie glaubwürdig ein Versicherungsnehmer ist. Wenn Rückstände des Geldes im Kot gefunden werden können, zerstreuen sich eventuelle Zweifel. Papiergeld zersetzt sich nämlich nicht vollständig im Verdauungstrakt des Tieres, wie ich gelernt habe. Es ist also nur logisch, dass Ihre Kollegin dazu aufgefordert wurde.

Was ist ein typischer Schaden?
Im Haftpflichtbereich gehört der Aufenthalt im Hotel oder Ferienhaus zu den Klassikern. Da pinkeln Hunde auf den Teppich, knabbern am Sofa oder Ähnliches.

Die neue Umgebung im Urlaub macht den Tieren zu schaffen?
Offenbar. Aber auch den Menschen! Eine Situation, die immer wieder am Strand passiert: Jemand telefoniert, der Hund springt ihn an, das Handy landet im Wasser. Das ist ein ganz typischer Schaden. So wie bei der Krankenversicherung Kreuzbandrisse, Hüftschäden und Magenverstimmungen.

Gibt es eigentlich Rassen, die besonders viele Schäden verursachen?
Anhand der Hunde, die bei uns versichert sind, kann man das nicht sagen. Das ist ganz unterschiedlich. Und die häufigste Rasse ist ja ohnehin der Mischling.

Aber könnte man denn zumindest sagen: großer Hund, großer Schaden?
Nein.

Die Kleinen haben es also faustdick hinter den Ohren?
Klares Ja. Kleine Hunde sind ja etwas einfacher zu handeln. Die Halter denken oft: „Ach, was soll der schon anrichten?“, und erziehen entsprechend nicht konsequent. Aber auch ein Chihuahua kann auf die Straße laufen, Autos zum Ausweichen zwingen und große Schäden verursachen.

Viele Versicherungen weisen Halter sogenannter Kampfhunde ab. Sollte man sich nicht besser die Herrchen genauer ansehen?
Definitiv. Das Nichtversichern ist aus unserer Sicht auch vollständiger Quatsch. Bei uns wird jeder Hund, jede Rasse versichert. Es gibt keine geborenen Kampfhunde. Es kommt immer darauf an, wie der Hund aufwächst, wie er erzogen wurde. Weder bei der Tierkrankenversicherung noch bei der Haftpflichtversicherung schließen wir Rassen aus. Wir können auch nicht bestätigen, dass Hunde, die in manchen Bundesländern als Kampfhunde gelten, mehr Schäden anrichten als andere.

Gibt es Hunde, bei denen die Sachbearbeiter nörgeln: „Ach, nicht schon wieder der Lumpi von Frau Meyer?“
Die gibt es, ja. Im Krankenversicherungsbereich sind das quasi Montagshunde: Sie scheinen besonders anfällig zu sein, fangen sich dies und jenes ein, weil ihr Immunsystem nicht so gut ist. Im Haftpflichtbereich taucht dieses Phänomen auch auf, allerdings vor allem, weil die Hunde nicht richtig erzogen wurden. Irgendwann ahnt man: Wenn der Hund das eine Hotelsofa angeknabbert hat, knabbert er vielleicht auch das andere an.

Gab es Hunde, die Sie aufgrund der Halter oder aus anderem Grund abgelehnt haben?
Nur vollständig gesunde Hunde bekommen eine Krankenversicherung bei uns. Wenn einer bereits Diabetes hat oder eine Allergie, versichern wir ihn nicht mehr. Eine Ablehnung aufgrund der Haltungsbedingungen ist nicht vorgekommen. Wir haben auch gar nicht die Kapazität, um diese zu überprüfen.

Gibt es Klienten, die spezielle Versicherungswünsche haben?
Kürzlich wollte ein Kunde eine Lebensversicherung für seinen Pudel abschließen, weil es sich um ein Ausstellungstier handelt. Solche Anfragen werden uns tatsächlich immer wieder gestellt.

Und bekommt der Pudel seine Lebensversicherung?
Nein, die bieten wir leider nicht an. Ich kann Ihnen auch nicht sagen, wie hoch die Versicherungssummen wären, die die Menschen da im Kopf haben. In dem Bereich kenne ich mich nicht aus. Ich habe selbst nicht mal eine Lebensversicherung.

Bei einer Versicherung arbeiten und nicht lebensversichert sein, das geht?
Na ja, ich arbeite bei einem Haustierversicherer. Mein Hund ist umfassend abgesichert! Immerhin. Es gibt übrigens auch immer wieder Halter, die Versicherungen für sich abschließen möchten. Falls ihnen etwas passiert, wollen sie sicher sein, dass ihr Tier versorgt ist.

Aber das haben Sie nicht im Portfolio?
Nein, leider nicht. Aber ich frage mich schon, was passieren wird, wenn ich einmal ins Krankenhaus komme und der Hund alleine zu Hause sitzt. Wer kümmert sich dann?

Wie stehen Sie zu Bürohunden?
Hier liegen gerade zwei herum. Wir haben bei Agila im Moment 37 Mitarbeiter und ungefähr zehn Bürohunde, die regelmäßig da sind. Auch im Mutterkonzern sind Hunde gern gesehene Gäste.

„Tierisch Pech gehabt“, „auf den Hund gekommen“…: Welche Redensarten kann man in Ihrem Job nicht mehr hören?
In Sachen Hundekrankenversicherung bekommen wir häufig zu hören: „Mein Hund ist total gesund. Der schnarcht nur.“ Dass das aber ein Anzeichen für eine Rassekrankheit sein kann, verstehen die Leute nicht. Oder sie wollen es nicht verstehen. Viele finden das sogar niedlich.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?
Dass man vielen Menschen aus der Patsche hilft. Wir kriegen sehr, sehr viele positive Rückmeldungen. Etwa: „Ohne euch hätte mein Hund oder meine Katze eingeschläfert werden müssen.“ Viele Halter schicken uns Fotos oder schreiben Postkarten. Ich weiß nicht, ob das auch anderen Versicherern passiert.

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