DOGS Logo Geschichten, die nur mit Hund passieren

KOLUMNE Hunde und Ihre Namen

Anja Rützel

Stämmige Rottweiler mit märchenhaften Namen oder Labradore, die so heißen wie eine Tochter von Til Schweiger: Wie wir unsere Hunde nennen, verrät viel über uns Halter, ist sich unsere Kolumnistin Anja Rützel sicher.

Schneewittchen hat eine Plauze. Ein leichtes Schiefgebiss, ein paar Fahlstellen im Fell. Ihr Wesen ist eher rumpelig, ganz und gar nicht prinzessinnenhaft, und sieben Zwergpinscher würde sie eher mit einem Happs verspeisen, als ihre Hundehütte aufzuräumen. Schneewittchen ist ein Rottweiler, ich traf sie auf einem Hundeauslaufplatz, und zuerst musste ich herzlich über die absurde Namenswahl lachen, als ihre Besitzerin sehr ernsthaft ihren Namen über den Platz brüllte: „Schneewittchen, geh sofort runter von dem Mops!“ Als ihre Besitzerin mir dann aber die Geschichte ihrer Hündin erzählte, die keiner mehr haben wollte, die ewig im Heim saß, die sich in ihrer neuen Familie zuerst vor allem fürchtete, rührte mich der doch nur auf den ersten Blick alberne Name plötzlich sehr: Für ihre schrecklichen Vorbesitzer war sie ein großer, schwarzer Wegwerfhund, für ihre neue Familie ist sie nicht weniger als ein Märchenwesen.

Die Namen, die wir unseren Hunden geben, verraten, was wir in ihnen sehen und was wir uns von ihnen wünschen. Hört man den Namen eines Hundes, reicht das oft schon für eine Blitzanalyse seines Besitzers. Heißen die Hunde besonders martialisch, verdächtige ich die Halter sofort, mit ihrem meist massigen Fellkumpan tatsächlich ihr eigenes Mickrig-Ego aufpumpen zu wollen, wie es das Klischee besagt. Ist ein Name besonders zuckrig, ist der Hund für seinen Besitzer vielleicht ein Fitzelchen heile Süßi- Welt in ansonsten trüben Verhältnissen.

Seit Jahren forsche ich an der Frage herum, warum heute etwa achtzig Prozent aller weiblichen Labradore so heißen wie eine Tochter von Til Schweiger: die meisten Emma, ziemlich viele Luna, immer mehr Lilly. In schlaflosen Nächten denke ich darüber nach, ob es kaltschnäuzig oder einfach nur praktisch wäre, die Hunde seines Lebens gleich zu nennen und nur durchzunummerieren, wie es Winston Churchill mit Rufus und Rufus II tat – anders als landläufig angenommen, hielt er sich übrigens keine feisten Bulldoggen, sondern zierliche Toypudel.

Bis jetzt habe ich zwei Hunde getroffen, die so heißen wie ich (also Anja, nicht Rützel, obwohl Rützel ein Topname für einen eher phlegmatischen Neufundländer wäre). Als ich klein war, hatte unser Postbote einen leicht linkischen Cocker Spaniel namens Anja, der ihn manchmal bei seinen Verteilergängen durch das Dorf begleitete. Für mich als Kind war es schwer zu begreifen, dass ich meinen Namen nicht exklusiv hatte, ich kannte bis dahin nur immer genau einen Menschen von jeder Sorte, eine Heidi, eine Katja, einen Herbert, und fand es schwer nachvollziehbar, dass ich ausgerechnet mit einem Schlappohr teilen musste. Als ich zwanzig Jahre später einmal bei einer Reportage über eine Drückjagd als Treiber mitwirkte, traf ich den zweiten Anjahund und empfand diese Namensgleichheit als blanken Hohn: Die Weimaranerin sprang elegantestmöglich über Stock und Stein, ich strauchelte mich schnaufend durch Hecken und Büsche.

Am liebsten mag ich Hundenamen, die nicht nur etwas über den Hundebesitzer, sondern auch über das Tier aussagen. Taxi zum Beispiel war ein Golden Retriever mit ganz spezieller Färbung. Man hätte sehr viel mit ihrer Felltönung assoziieren können, sie Claudia, Marilyn oder Pamela nennen können, nach einer der großen Blondinen, mir der sie die Haarfarbe teilte, oder Sandy oder Sunny oder sonstwie strand-, sand-, sonnebezogen taufen können. Ihre Besitzerin nannte sie Taxi und behauptete hartnäckig, das Fell ihrer Hündin entspreche exakt dieser hellbeigen Autolacknuance. Taxi ist nicht mehr da, aber immer wenn ich in eine Mietdroschke steige, denke ich kurz an sie, und das ist ziemlich oft. Einmal erzählte ich einem Taxifahrer von ihr, und er berichtete von seinem eigenen Hund, einem Staffordshire Terrier, der Mozart hieß: „Der hört nämlich auch sehr schlecht“, griente er, und ich brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass eigentlich Beethoven der berühmte Schwerhörige war.

Mein Hund heißt Juri. Eigentlich wollte ich ihm einen spanischen Namen geben, denn er kommt aus Ibiza. Aber da fiel mir trotz ausgiebigen Nachdenkens immer nur Xabi ein, was wahrscheinlich meiner Überzeugung geschuldet ist, dass Fußballernamen auch tolle Hundenamen sind (und meiner seinerzeitigen Schwäche für Xabi Alonso). Meinen ersten Hund nannte ich Figo, weil er eine ähnlich markante Nase wie der verehrte Weltfußballer hatte, außerdem war er auch schon älter. Bruno Schlabbadia halte ich für den besten Bernhardinernamen überhaupt, einen verschlagenen Terrier könnte man gut Ribéry nennen, ein leicht angemopster Dackel fordert den Namen Hummels geradezu heraus. Irgendwas hakte aber mit Xabi, und als ich Juri bei seiner Flugpatin abholte, bat ich den halb russischen Freund, der mich fuhr, weil ich viel zu aufgeregt war, mir doch mal einen schönen russischen Namen zu nennen. Als ich meinen Hund dann sah, langbeiniger als erwartet und doppelt so groß wie angekündigt, dazu abenteuerlustig wie Kosmonaut Juri Gagarin, war die Sache geritzt.

Xabi Alonso kam später übrigens dann doch noch zu Tierpatenehren. Ich benannte eine besonders große Madagaskar-Fauchschabe nach ihm, die ich umständehalber bei mir aufnahm. So fügte sich alles wunderbar.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zum Seitenanfang

Mehr Lust auf DOGS?

News, Wissen, Gewinne – jetzt im Newsletter für Hundefreunde

  • Aktuelle Hunde-News
  • DOGS Video-Wissen
  • Tolle Gewinnspiele

Hier direkt kostenlos anmelden:

Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X