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ESSAY Verliebt in einen Mann mit Hund

Yvonne van Elst

Was passiert, wenn der Traummann einen Hund hat? Eigentlich sah es für unsere Autorin ganz nach einem Happy End aus. Dann lernte sie Terrierdame Izzy kennen. Und merkte: Diese Ménage-à-trois könnte ziemlich kompliziert werden.

Rock oder enge Jeans? Schlichtes weißes Shirt oder leicht transparente Bluse? Als ich den tollen Mann zum ersten Mal in seiner Wohnung besuchte, war ich unfassbar nervös. Schwitzige Hände, als ich auf den Klingelknopf drückte. Er öffnete die Tür und … Noch bevor ich ihm in die Arme fallen konnte, sprang ein braun-weißer Terrier an mir hoch, zerkratzte mir die Strumpfhose (ich hätte die Jeans anziehen sollen) und bellte so hysterisch schrill, dass ich bleibende Schäden befürchten musste. Das also war Izzy.

Eigentlich hatte ich mich gefreut, dieses kleine Fellbündel endlich kennenzulernen, von dem der Mann mir bereits so viel erzählt hatte. Er trug sogar Fotos von ihr in seiner Brieftasche mit sich herum. Als überzeugter Hundemensch fand ich das alles nicht nur schrecklich rührend, sondern war mir auch sicher, diesmal tatsächlich den Fang meines Lebens gemacht zu haben: charmanter Mann + niedlicher Hund = big love forever. Was ich dabei leider vergaß, war die Tatsache, dass auch ein Mann mit Hund eine Vorgeschichte haben kann. Mitunter sogar eine ähnlich bewegte wie einer mit Kind. Jedenfalls verbargen sich in diesem tollen Gesamtpaket ungeahnte Überraschungen.

Überraschung Nummer eins: Izzy selbst. Diese niedliche Terriermischung mit lustigen Schlappohren und braunen Flecken um die Augen entpuppte sich als unfassbare Nervensäge. Hatte ich beim Eintreten noch gehofft, ihr Bellen würde irgendwann verstummen, ging es den ganzen Abend so weiter. Ein Schatten an der Wand? Wuff! Ein Geräusch im Flur? Wuff, wuff! Die Crème brulée auf meinem Teller? Wuff, wuff, wuff! Wir hätten uns auch auf einem Heavy-Metal-Konzert treffen können, es wäre kaum lauter gewesen. Und auch kaum unromantischer. Zumindest wäre dort wohl kein Hund regelmäßig mit Quietschespielzeug aufgetaucht, der jeden Moment der Intimität mit einem penetranten „Iek! Iek! Iek!“ sabotiert.

Und der tolle Mann? Der war so verliebt in seine kleine Hündin, dass er keine ihrer Unzulänglichkeiten überhaupt wahrzunehmen schien. Außerdem war ich die Neue. Zwar durchaus mit Potenzial, aber eben (noch) nicht die Nummer eins. Was für ein mieses Gefühl! Sollten nicht die ersten Wochen und Monate einer Beziehung ganz für den neuen Partner reserviert sein? Stattdessen musste ich die Aufmerksamkeit mit einem Hund teilen! Wäre Izzy ein Kind, hätte ich mich emotional darauf einstellen können. So aber schwankte ich zwischen unbeherrschter Eifersucht, selbstmitleidigem Unverständnis und, um diese emotionale Wildwasserfahrt noch ein wenig abwechslungsreicher zu gestalten, Rührung: Wer derart offen und ungeniert Gefühle für so ein kleines Lebewesen zeigt, konnte einfach kein schlechter Mensch sein. Okay, ich war einfach nur unfassbar verknallt. Jedenfalls beschloss ich, die Herausforderung anzunehmen. Diesen Mann würde ich mir so leicht nicht wegschnappen lassen.

Bei unserer nächsten Begegnung bestach ich Izzy ungeniert mit Hundekeksen. Der Tipp kam von einer Freundin, die seit einiger Zeit mit einem Vater zusammen war. Den Weg zum Herzen ihres Patchworksohns hatte sie sich mit Schokotalern, Gummibärchen und Zeichentrickfilmen auf ihrem Handy erschlichen. Ein diskussionswürdiger Trick, ja. Und auch wenn man Hunde nicht unmittelbar mit Kindern vergleichen kann, er funktionierte. Bei meiner Freundin, aber auch bei mir. Izzy zeigte sich nach und nach deutlich zugewandter und forderte nicht mehr unentwegt die ungeteilte Liebe ihres Herrchens ein. Nach etwa einem Monat ließ sie den Mann und mich sogar einen ganzen Film eng umschlungen auf dem Sofa genießen, ohne sich dazwischenzuquetschen.

Unseren Durchbruch erlebten Izzy und ich allerdings ohne Mann. Er wollte mit Freunden zum Segeln gehen – weder etwas für Izzy noch für mich. Also zog sie zu mir: vier Tage, an denen wir nicht um die Aufmerksamkeit ihres Herrchens buhlen mussten. Wir gingen stundenlang an der Elbe spazieren, ließen uns im Park die Sonne auf den Bauch scheinen und kuschelten vor dem Fernseher. Am Ende wollte ich sie kaum gehen lassen. Endlich hatten auch wir uns ineinander verliebt. Es hätte alles so schön sein können.

Doch dann kam Überraschung Nummer zwei:  Miriam, die Exfreundin und eigentliche Hundemama. Miriam sah nicht nur hinreißend aus, sondern hatte Izzy als Welpen von einem Bauernhof geholt und jeden Tag ihres ersten Lebensjahrs erlebt. Von ihr hatte Izzy Kunststücke und Benimmbasics wie Sitz!, Platz! und Fuß! gelernt. Bis zum Thema Hochspringen und Bellen sind die beiden allerdings nicht mehr gekommen: Miriam verliebte sich in einen anderen und zog von Hamburg nach Berlin.

Izzy blieb, wo sie war, allerdings wurde geteiltes Sorgerecht vereinbart: Der Mann kümmerte sich um Essen, Hundesitter und Tierarzt, Miriam rief an, wenn sie wieder etwas Zeit hatte, um Izzy zu empfangen. Wenn diese Anrufe kamen – in unregelmäßigen Abständen und maximal zwei, eher einen Tag im Voraus –, warf der Mann sämtliche Pläne über den Haufen, um den Hund dreihundert Kilometer nach Berlin zu kutschieren und zwei, drei Tage später wieder abzuholen. Er wolle keinen Streit und dem Hund Zeit mit seiner einst engsten Bezugsperson ermöglichen, sagte er. „Izzy freut sich dann doch immer so!“ Ich fand das alles wahnsinnig übertrieben, hielt aber zunächst einmal den Mund.

Innerlich kochte ich selbstverständlich. Mich nervte, welchen Einfluss seine Ex durch den Hund auf unseren Beziehungsalltag hatte. Auf der einen Seite liebte ich den Mann zwar dafür, dass er so fürsorglich und verantwortungsbewusst war. Andererseits hatte ich auch wahnsinnige Angst, dass diese Frau nun bis zum Ende von Izzys Leben um uns herumgeistern würde (vorausgesetzt wir hielten es überhaupt so lange aus). Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich erahnen, wie es Menschen gehen muss, die sich in einen Partner mit Kind verlieben: So eine Beziehung findet nie nur zwischen zwei Menschen statt. Und obwohl Izzy ein Hund war, lief es bei uns ähnlich. Ich befand mich mitten in einem Sorgerechtsstreit, mit dem ich eigentlich gar nichts zu tun haben wollte.

Wir redeten in dieser Zeit sehr viel. Er lernte, mir Sicherheit zu geben, ich bekam meine Eifersucht in den Griff. Was in anderen Beziehungen Jahre gebraucht hätte, erarbeiteten wir uns in Rekordzeit: Vertrauen. Irgendwann machten mir Miriams Anrufe immer weniger aus. Gleichzeitig zeigte Izzy kaum noch Begeisterung, wenn wir sie nach Berlin brachten. Vielleicht lag es daran, dass Wochen oder Monate auf die Gefühlswelt eines Hundes wie Jahre wirken und sie einfach schneller vergessen. Vielleicht waren aber auch der Mann und ich jetzt einfach ihr Rudel.

Heute, nach drei Jahren, versuchen wir, dieses Vertrauen stabil zu halten. Wir nutzen die Izzy-freien Tage, um etwas für uns zu machen, das mit Hund zu kompliziert wäre. Außerdem konnten wir nicht nur feste Besuchszeiten vereinbaren, sondern auch einen Treffpunkt irgendwo in der Mitte zwischen Hamburg und Berlin. Neulich fragte mich jemand, ob ich eigentlich Haustiere hätte. Da öffnete ich mein Portemonnaie und zeigte ein Bild von Izzy.

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