DOGS Logo Geschichten, die nur mit Hund passieren

PRAXISTIPPS Helden des Alters

Dr. Brigitte Glöwing

Die Haare ergrauen, Bewegungen werden gemächlich, die Nickerchen länger. Doch alt sein ist relativ. Viele graue Schnauzen können und wollen in unserer Mitte leben und entsprechend ihrer Möglichkeiten gefordert werden.

ERNÄHRUNG

Die Verdauung älterer Tiere ist anfällig gegen Störungen: Ungewohntes Futter und geänderte Fresszeiten können Beschwerden bereiten. Was er braucht, um fit zu bleiben.

Kalorien raus

Mit der Zeit passt sich der Stoffwechsel der geringeren Bewegung im Alter an. Fatal, denn dann wird aufgenommenes Futter nicht mehr in Muskulatur, sondern in Fett umgewandelt. Die Folge: Die Hunde neigen zu Übergewicht. Ein Seniorenmenü sollte deshalb weniger Kalorien enthalten. „Wenig sinnvoll ist es, einfach nur kleinere Portionen zu geben, denn dabei bleiben nicht nur Kalorien, sondern auch wertvolle Nährstoffe auf der Strecke“, sagt Osnabrücker Tierärztin Thekla Großbröhmer. Ausnahmen bestätigen die Regel: Manche alte Herrschaften leiden unter dem gegenteiligen Problem: Sie werden im Alter dünner oder leiden unter Appetitmangel, weil Geruch und Geschmack nicht mehr funktionieren oder ihre Zähne schmerzen. Außerdem arbeitet der Darm nicht mehr so effektiv, viele ältere Hunde können weniger Nährstoffe aus dem Verdauungstrakt aufnehmen. Bei schlechten Fressern sollte man aus diesem Grund auf eine Reduktion der Kalorien verzichten.

Muskelfleisch statt Schlachtabfälle

Qualitativ hochwertiges Eiweiß schmeckt nicht nur besser, es lässt sich vom Organismus auch optimal verwerten. Je älter der Hund, desto mehr sollte er zum Gourmet werden. Muskelfleisch, Herz, Ei, auch Quark oder Hüttenkäse sind leicht verdaulich. Hochwertiges Eiweiß wird schon im Zwölffingerdarm von den Verdauungsenzymen in Bestandteile zerlegt, mit denen der Körper arbeiten kann.

Schwer verdauliche Eiweiße

…sind zum Beispiel in Ackerbohnen oder in stark sehnen- und knorpelhaltigem Fleisch vorhanden. Dieses Futter ist schwer verdaulich und gelangt nahezu unverdaut in den Dickdarm. Anstelle der Verdauungssäfte spalten dort Bakterien den Nahrungsbrei auf. Problem: Als Endprodukte entstehen zum Teil giftige Stoffe wie Ammoniak, das durch die Dickdarmschleimhaut in den Körper gelangt und Leber und Nieren belastet. Die Folge: Es entstehen Blähungen, riechende Gase, häufig auch Durchfall.

Auf Phosphor achten

Wenn bei alten Hunden die Nierenfunktion nachlässt, wird auch Phosphor vermindert über die Nieren ausgeschieden, sodass es zu einem Phosphorüberschuss im Blut kommen kann. Die Mineralstoffe Phosphor und Kalzium sind auf das Engste miteinander verknüpft. Der Körper ist immer bemüht, diese Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten. Auf einen erhöhten Phosphorgehalt im Blut reagiert er deshalb mit dem Ausbau von Kalzium aus dem Skelett, die Knochen werden entmineralisiert und instabil. Gleichzeitig lagert der Hundekörper Verbindungen aus Kalzium und Phosphor in Weichteilgewebe und Blutgefäßen ein, weil das Blut damit übersättigt ist. Arterienverkalkung, Durchblutungsstörungen und Nierenverkalkung sind die Folge, was die Nierenfunktion weiter verschlechtert. Mit hochwertigem Seniorenfutter wird dies berücksichtigt, es enthält moderate Mengen an Phosphor. Leidet der Hund bereits unter einer Schwäche der Nieren, sollte der Phosphor weiter reduziert werden. Es empfiehlt sich eine therapeutische Nierendiät. Sprechen Sie Ihren Tierarzt an.

Anti-Aging-Programm

Hochwertige Futter für ältere Hunde enthalten fast alle L-Carnitin und Antioxidantien wie die Vitamine C und E. Diese Stoffe stärken die Immunabwehr und fangen die aggressiven freien Radikale ab, die von Alternsforschern als eine Ursache für den Alterungsprozess ausgemacht werden. Vitamin E kommt in Maiskeimöl oder Sonnenblumenöl vor. Auch mit anderen wasserlöslichen Vitaminen wie den B-Vitaminen sollte im Seniorenfutter nicht gespart werden. Da bei geriatrischen Hunden die Nieren oft durchlässiger für wasserlösliche Vitamine werden, sollten sie in doppelter Erwachsenendosis gegeben werden. Vorsicht bei dem fettlöslichen Vitamin A: Hunde, die Leber lieben oder übermäßig Vitaminpaste oder Lebertran schlabbern, können sogar überversorgt werden. Vitamin A reichert sich im Lauf der Zeit im Fettgewebe an und kann auf lange Sicht die Leber belasten. Leidet der Senior unter trockenem Fell, Haarausfall, Juckreiz und vermehrten Hautinfektionen, kann die Zufuhr von essenziellen Fettsäuren, vor allem den Omega-3-Fettsäuren helfen. Diese sind in Leinöl und Fischöl enthalten.

Übergewicht

Wer sich weniger bewegt, muss Kalorien zählen, denn ein Überschuss an Energie wird vom Körper in Fettgewebe umgewandelt. Das sieht nicht nur unschön aus, zu viel Fett ist auch ungesund. Dicke Hunde haben ein höheres Risiko für Diabetes mellitus und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Pfundskerle werden kurzatmig und leiden unter chronischen Schmerzen in den überlasteten Gelenken. Ihr Übergewicht beeinträchtigt auch die Funktion des Immunsystems. Es erhöht das Narkoserisiko bei eventuell notwendigen Operationen und das Risiko für Haut- und Tumorerkrankungen. Neuere Untersuchungen zeigen: Weißes Fettgewebe ist nicht nur lästig, es ist sogar hormonell aktiv. Von den Fettzellen werden Hormone ausgeschüttet, die in den Stoffwechsel eingreifen und unter Verdacht stehen, Gelenkentzündungen und Diabetes mellitus hervorzurufen. Wissenschaftlich belegt ist, dass Übergewicht die Lebenserwartung eines Hundes um etwa zwanzig Prozent verringert. Auch wenn es noch so schwerfällt, den treuen Augen zu widerstehen: Leberwurstbrote sind tabu, Leckerlis für zwischendurch müssen von der Tagesmahlzeit abgezogen werden. Kontrollieren Sie das Gewicht Ihres Begleiters regelmäßig auf der Waage, damit erst gar keine Rettungsringe um die Hüften entstehen. Besonders kastrierte Hündinnen neigen zur Gewichtszunahme. Man glaubt es kaum, aber Östrogene haben eine hemmende Wirkung auf den Appetit. Fehlen diese, fressen die Hündinnen hemmungslos. Diätfutter zeichnet sich durch einen reduzierten Fettgehalt aus, da in einem Gramm Fett rund doppelt so viele Kalorien stecken wie in Kohlenhydraten oder Proteinen.

Schonkost

Ist die Verdauung des Hundes durcheinandergeraten, kann man ihm mit einer gut verdaulichen Schonkost aus Reis, Hühnerfleisch (beides gekocht) und Magerquark oder Hüttenkäse auf die Beine helfen.

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