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Jetzt in der neuen DOGS Haarige Kostbarkeiten

Ruth van Doornik

Gabi Angele hat ein ausgefallenes Hobby: Sie spinnt Hundehaare zu Strickgarn. Menschen aus ganz Europa schicken der 56-Jährigen die ausgekämmte Unterwolle ihrer Chow-Chows oder Collies.

Gabi Angele bekommt Post. Hund Theo und die Entenschar im Garten kündigen den Boten lautstark an. In dem Briefumschlag steckt ein karamellfarbenes Wollbüschel. „Das ist von meinem Bernhardiner-Golden-Retriever-Mix. Denken Sie, es eignet sich?“, steht auf dem beiliegenden Kärtchen. Die 56-Jährige sitzt am Küchentisch in ihrem Bauernhaus im Unterallgäu und zwirbelt die Wolle zwischen Daumen und Zeigefinger, bis ein kurzer Strang entsteht. „Das wird nichts, fühlt sich an wie Stacheldraht“, sagt sie.

Gabi Angele ist eine zupackende, direkte Frau, die gern spinnt. Ihr Spezialgebiet: Hundewolle. Wer Angele sucht, wird meist im Arbeitstrakt fündig, der dem Wohnhaus angeschlossen ist. Dort stapeln sich Kisten, Waschmittel und in Tüten verpackte Wollberge. Flusen hängen an den weiß gekalkten Wänden. Aufgeräumt sieht anders aus. Doch mit nur einem Griff findet Gabi Angele stets, was sie sucht. Gerade kippt sie eine Ladung weiße Hundewolle ins Waschbecken und gibt einen ordentlichen Spritzer Spülmittel dazu. „Am Ende riecht hier nichts mehr“, versichert sie.

Seit mehr als dreizehn Jahren verarbeitet Gabi Angele im schwäbischen Rummeltshausen das Unterfell von Vierbeinern zu Garn. Gerade mal eine Straße zieht sich durch den zwischen Feldern und Wiesen gelegenen Ort bei Memmingen. Doch Angeles Expertise hat sich längst über die Dorfgrenze hinaus herumgesprochen. Hundebesitzer aus Deutschland, Österreich, Italien, der Türkei, sogar aus Russland schicken ihr den ausgekämmten Flaum ihrer Lieblinge, um daraus Pullis, Mützen oder Schals stricken zu lassen. Die Aufträge kommen mit teils rührenden Geschichten. „Fast alle berichten mir von ihrem Hund“, sagt Gabi Angele. „Und von ihrem Leben.“

Da war zum Beispiel die über neunzigjährige Frau aus München. „Sie klang am Telefon wie eine echte Dame.“ Die Enkelin wollte aus dem Fell des geliebten Chow-Chows der Großmutter etwas stricken. „Die Dame meinte, sie hätte nicht mehr viel Zeit. Das ist mir sehr nahegegangen, also habe mich beeilt.“ Das war 2009. Ein vergilbter Dankesbrief in geschwungener Handschrift erinnert in der Werkstatt an den Auftrag.

„Manche Menschen bewahren die Wolle ihres verstorbenen Hundes jahrelang auf. Bis sie es schaffen, sie wegzuwerfen oder ein Erinnerungsstück daraus zu fertigen.“ In manchen Fällen ist Gabi Angeles Diskretion gefragt. Mit einem jungen Mann beispielsweise durfte sie ausschließlich über seine Geschäftsmail korrespondieren. „Er wollte seine Freundin mit einem Schal aus dem Haar ihres Hundes überraschen“, sagt sie und zeigt auf ihrer Homepage die Beschenkte mit ihrem Unikat. Gabi Angele, das merkt man, hat nicht nur ein Herz für Tiere.

 

Mehr über die Hundehaarspinnerei und Adressen finden Sie in der neuen DOGS!
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