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IN DER AKTUELLEN DOGS Ohne Worte: Tierkommunikation

Anja Rützel

Zugegeben, wir haben uns Sorgen gemacht, als unsere Autorin erzählte, sie könne mit Tieren sprechen. Mit dem Hund kommunizieren per Gedanken, ist das Spinnerei oder funktioniert das wirklich? Ein Selbstversuch.

Ich unterhalte mich mit einer Möpsin. Sie sagt, sie würde gern mehr Gemüse essen, das knackt so schön beim Reinbeißen – Karotten, super! –, und dass sie den Zweitmops, der vor einem Jahr eingezogen ist, nur so mittel findet, aber na ja, passt schon. Ich spreche mit ihr nicht in einem Traum, in dem ich mich durchaus öfter mit Tieren unterhalte und auch schon mal mit einem Tapir besprach, welches Sofa ich mir kaufen sollte. Ich spreche mit ihr auch nicht mit dieser weichbuttrigen Hinschmelzstimme, in die ich immer automatisch falle, wenn ich flauschige Hundeohren oder -bäuche kraule. Die Mopshündin, mit der ich gerade spreche, ist nicht mal anwesend, ich habe sie auch noch nie persönlich getroffen, kenne sie nur von einem Foto. Ich sitze mit geschlossenen Augen in einem Tierkommunikationsseminar und ich habe telepathischen Kontakt mit Karla, der Möpsin, die mir ihren liebsten Gassiweg zeigt, die Wiese hinter dem Haus, die Kaninchen, die sie manchmal beim Abendspaziergang sieht.

Dann stecke ich plötzlich in einer Art Röhre oder Durchgang. Die Bilder sind verschwommen, als hätte ich das Scharfstellrädchen am Fernglas in die falsche Richtung gedreht. Als mein Gespräch zu Ende ist, frage ich Cilla, Karlas Besitzerin, nach dem komischen Loch, durch das ich in Karlas Perspektive eben gekrochen bin, und erfahre, dass sie Karla vor ein paar Tagen eine Mopsklappe in die Tür zum Garten eingebaut hat. Auch die anderen Details, die ich gesehen habe, stimmen, ich habe mir das nicht zusammengesponnen, Karla hat mir die Bilder geschickt. Es funktioniert.

Als Kind wäre ich wahnsinnig gern Doctor Snuggles gewesen, der kauzige Erfinder aus meiner liebsten Zeichentrickserie, denn er konnte mit den Tieren sprechen. Mit dem Dachs Dennis, der eine blaue Latzhose trug und bei allen handwerklichen Miseren weiterhelfen konnte, und mit der Kosmokatze, die bei allen anderen Problemen stets einen guten Rat für Snuggles hatte. Später las ich von Doktor Dolittle, der mithilfe der Papageiendame Polynesia die Sprache von 498 Tierarten erlernt hatte (und gerade an „Goldfisch“, Nummer 499, arbeitete), und als ich noch etwas später begann, mich für Superhelden zu interessieren, musste ich nie überlegen, welche Superkraft ich mir wünschen könnte, wenn ich die Wahl hätte: Mit Tieren sprechen können, völlig klar.

Auch der immer mächtiger werdende Realismus, der einem mit den Jahren die Snuggles-Träume austreibt, konnte daran nichts ändern. Hätte ich Figo, den alten, ungarischen Zauselterrier, den ich vor ein paar Jahren aufnahm, doch einfach fragen können, was ihm in seinen Jahren auf der Straße denn passiert ist, dass er immer noch zusammenzuckte, wenn ich mir die Haare föhnte und dabei zu schnell die Hand hob. Hätte er mir nur sagen können, ob das Leben für ihn noch schön war, auch wenn er immer öfter rasselnd husten musste, weil der Tumor wieder auf die Lunge drückte. Und könnte mein Hund Juri mir nur einfach erzählen, warum er von einem Tag auf den anderen nicht mehr mit der U-Bahn fahren wollte und dabei jetzt manchmal regelrechte Panikattacken bekam. Ich fragte eine Tierheilpraktikerin, wie ich ihm helfen könnte, sie sagte: „Versuch es doch mit Tierkommunikation.“ Ich hatte schon vage davon gehört, hatte mich auch schon mal auf die Webseiten von Frauen verirrt, die behaupteten, telepathisch mit Tieren sprechen zu können. Das klang mir eigentlich zu irre, esomäßig, nach einem völlig fremden Puzzleteil, das nicht in mein Leben passt. Die Heilpraktikerin empfahl mir die Seite von Claudi Widder, die deutlich weltlicher von dieser mir schwer obskuren Angelegenheit erzählte, und ich dachte: Ich glaube schließlich auch an die hautheilende Wirkung prassteurer Gesichtsmasken, dann kann ich es auch mal mit Tierkommunikation versuchen.

Ich schickte ihr ein Foto von Juri und eine Liste mit Fragen, und Claudi schickte mir Juris Antworten. Details von gemeinsamen Reisen, Beschreibungen unseres Alltags, bei denen mein Verstand keine andere Erklärung fand als diese: Das hat Juri erzählt. Sie schickte auch eine Lösung für Juris neue U-Bahn-Furcht: Er habe sich bei einer Fahrt so sehr vor einem Grüppchen pöbelnder Betrunkener erschreckt, dass ihm plötzlich klar geworden sei, dass eine U-Bahn eine Falle ist, der er im Ernstfall nicht entkommen könnte. Das mache ihm Angst. Ein bisschen Angst machte mir dieses erste Tierkommunikationserlebnis auch, aber dann dachte ich an Snuggles und Dolittle und beschloss: Das will ich auch können…

Mehr über das Experiment von Anja Rützel lesen Sie in der aktuellen DOGS!

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