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TIERSCHUTZ Was China macht, ist einfach ekelhaft

Andrea Mertes 16.02.2018

Hunde essen und das noch Festival nennen? Weltweit entsetzt das Hundefestival von Yulin die Tierschützer. Aus gutem Grund, findet DOGS-Autorin Andrea Mertes.

Bitte stirb schnell. Niemals zuvor habe ich das beim Anblick eines Hundes gedacht. Dazu brauchte es erst das Video aus Yulin, das im Internet kursiert, die Tierschutzorganisation Animals Asia hat es eingestellt. Zu sehen sind Mischlinge, sanfte Augen, verwirrter Blick. Einer nach dem anderen stolpern sie aus ihrem Käfig in einem Raum voller Blut. Den Knüppel über sich nehmen sie kaum wahr. Schlag auf Schlag saust er nieder, die Hunde brechen zusammen. Manche zucken noch. Der Mann mit dem Knüppel holt erneut aus. Kein Zucken mehr, nur noch ein Haufen Fellkörper, denen die Kehle aufgeschnitten wird. Ausbluten, abhäuten, kochen. Essen ist fertig.

Jedes Jahr zur Sommersonnenwende am 21. Juni startet im südchinesischen Yulin das Hundefleischfestival. Dort ist es Tradition, den längsten Tag des Jahres mit solch einem Fest zu begehen. Serviert wird, was als Delikatesse gilt: In China gibt es Hund. Geschätzte zehntausend Vierbeiner sollen bei dem zweitägigen Spektakel brutal geschlachtet werden. Ein Großteil soll vom Schwarzmarkt stammen, Streuner sollen darunter sein und gestohlene Familienhunde, gekocht und gegrillt, mit Likör und Litschis eingelegt.

Es kursieren etliche Fotos rund um das Hundefest von Yulin. Wer sich wie ich mit ihnen beschäftigt, dem bleibt ein Grauen zurück. Hinter jedem Blick erahne ich den Schmerz, die Brutalität. Ich fühle mit ihnen, auch weil Hunde uns nahe sind wie kein anderes Tier. Deshalb weckt das Hundefest von Yulin auch bei anderen heftige Emotionen. Prominente weltweit protestieren. Petitionen kursieren durch das Netz. Die westliche Welt empört sich. Wir wollen nicht zulassen, dass das geschieht. Weil wir wissen, um wen es geht. Wir kennen Hunde. Wen man liebt, den will man beschützen.

Während ich schreibe, kann ich sie um Hilfe rufen hören. Nicht die Hunde. Die Kühe. In unmittelbarer Nähe meines Büros liegt der Münchner Schlachthof. Hundert Meter von mir entfernt wird im Minutentakt gestorben. Tag für Tag kann jeder zuhören, wie das klingt. Kühe haben mächtige Stimmen, sie brüllen um ihr Leben. Bis sich etwas um ihren Hals schließt, bis da der Druck auf der Stirn ist. Die Kopffixierung, das Bolzenschussgerät. Dann geht alles schnell. Wenn es gut geht, bekommt die Kuh von jetzt an nichts mehr mit. Oft genug geht es nicht gut. Dann erlebt sie ihre eigene Schlachtung mit. Die meisten von uns akzeptieren diesen Umstand klaglos. Selbst wenn wir Vegetarier sind. Auch in diesem Fall bekommen unsere Hunde in den Napf, was in München oder anderswo um sein Leben brüllte. Wer nicht komplett vegan lebt, kommt aus dem Kreislauf des Fressen-und-gefressen-Werdens nicht heraus.

Dennoch ist das Hundefest von Yulin von anderer, finsterer Qualität als das Treiben auf den Schlachthöfen. Nicht, weil die Chinesen Hunde essen. Wer sich darüber empört, stellt den Hund auf eine höhere Stufe als die Kuh, das Schwein, das Huhn. Doch sie stehen alle miteinander auf derselben Stufe. Es sind Mitgeschöpfe, einander in vieler Weise ähnlich. Jedes Tier hat Freunde, die es bevorzugt. Zeigt seine Freude, seinen Ärger. Und es erlebt Schmerzen und Trauer.

Genau deshalb ist das Hundefestival von Yulin eine Schande. Weil es Leben, das zu jeder denkbaren Empfindung fähig ist, zur Biomaschine degradiert. Weil es zurückfällt in die Barbarei, in eine Kultur der ungezügelten Rohheit. In Deutschland schützt das in vielerlei Hinsicht reformbedürftige Tierschutzgesetz unsere Haustiere vor solcher Barbarei. In China fehlt ein solches Gesetz. Dass es mittlerweile diskutiert wird, ist ein gutes Zeichen. Genauso wie die Geschichte der 65-jährigen Chinesin Yang Xiaoyun, die mindestens hundert Vierbeinern das Leben rettete, indem die Tiere für rund 7000 Yuan (1000 Euro) in Yulin freikaufte. Immer mehr Chinesen wenden sich gegen den Verzehr von Hundefleisch. Ganz schön spät, mag mancher denken. Doch die Moral hat ein kurzes Gedächtnis: Bis 1986 war das Schlachten von Hunden auch in Deutschland erlaubt.

Die chinesische Astrologie ehrt den Hund als ein Symbol. Im echten Leben hat das Verspeisen von Hunden in Südchina eine lange Tradition. Lesen Sie, was Tierschützer gegen das Hundefleisch-Festival von Yulin unternehmen, in DOGS 5/2016.

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