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PRÄSIDENTENHUND Bonjour Monsieur Hund

Carla Woter

Frankreichs „premier chien“ ist ein Labradormischling. Mit seinem Herrn empfängt er Staatsgäste – wenn er nicht im Park unterwegs ist oder sich danebenbenimmt. Er ist erst drei Jahre alt und schon eines davon im Amt. Zeit für eine Zwischenbilanz über einen, der sein Glück kaum fassen kann.

Schwarzes Fell, einmal bereits das Heim gewechselt, niemand wollte ihn – es sah nicht gut aus für den kleinen Labrador-Griffon-Mischling Marin, wie er vor einem Jahr noch hieß. Dann kamen die Macrons. Es war ein „coup de foudre“, Liebe auf den ersten Blick, erzählt das Präsidentenpaar. An einem Sonntagabend im August 2017 holten sie ihn ab und zahlten 250 Euro, so wie jeder. Geschenkt wollten sie ihn natürlich nicht. Man kann sich Brigitte und Emmanuel Macron so richtig vorstellen: Hand in Hand, in lässiger Freizeitkleidung und fröhlicher Stimmung, suchen sie den Mitbewohner für ihr neues Heim. Einen, der ein bisschen Stimmung in die altehrwürdige Bude bringt, der die Etikette nonchalant ignoriert und alle zum Lachen bringt. Er sollte allerdings mit Staatsgästen genauso zurechtkommen wie mit kleinen Kindern.

Eine gute Idee war das. Fast alle Präsidenten haben Hunde. Das gehört dazu. Bei den Macrons fiel die Wahl also auf Marin. Er ist freundlich, wie sein Steckbrief verriet, intelligent, lebendig. Am 3. August vergangenen Jahres war Madame mit einer kleinen Entourage erschienen und bereitete die Aktion vor, zwei Stunden sei sie geblieben und habe mit allen gesprochen, erzählt die Mannschaft des Tierheims Hermeray euphorisch. Das Tierheim in Hermeray, einem Ort in der idyllischen ländlichen Umgebung von Paris, platzte vor Stolz über die Aktion des Präsidenten und gab auf seiner Facebook-Seite die „Adoption“ formvollendet bekannt. Wie Macron in aller „simplicité“ erschienen sei und sie alle ihm „merveilleuses aventures“, wundervolle Abenteuer, mit dem kleinen Kerl wünschten. Die sollte er bekommen, doch dazu später. Seitdem hat sich das Interesse seiner Landsleute an Adoptionen aus dem Tierheim verdoppelt, hört man.

Schon ein cooler Hund, dieser Emmanuel Macron, der bereits als Kind Hunde liebte. Er liebt sie wirklich, das bestätigen alle, die ihn erleben, und Hunde mögen ihn auch. Aber Monsieur weiß natürlich auch, was bei seinem Volk gut ankommt. „Vom Tierheim in den Élyseé-Palast. Ich mag diese Idee, der Hund weiß ja nicht, wo er hier gelandet ist“, sagt er in einem Interview. Die beiden scheinen jedenfalls schon jetzt ein gutes Team zu sein, in Videos, die im Internet kursieren, sieht man sie im Gleichschritt laufen. Sehr lustig sieht das aus. Sie stehen zusammen auf der Treppe des Élysée, wenn Besuch kommt. Auch Nemo hat Gespür für Timing. Er kann sich durchaus zurückziehen und seinem Herrn das Terrain überlassen. Nemo? Genau, Macron taufte ihn um. Und das hat zwei Gründe. Nemo ist eine literarische Figur seines Lieblingsautors Jules Verne, der ein halbes Leben in Amiens verbrachte, Macron stammt von dort. Und jedes Kind kennt diesen Namen, Nemo, der süße Clownfisch aus dem Pixar-Zeichentrickfilm.

Französische Präsidenten haben immer Hunde, und wenn man sich ihre Bilder anschaut, muss man schmunzeln. Valéry Giscard d’Estaing etwa hatte Weimaraner, sie waren schlank, erhaben, ein bisschen arrogant wie er selbst. François Mitterrand lebte mit einer Labradorhündin, sie hieß Baltique, in ihrem Namen erschienen sogar Memoiren, sie speiste von Sèvres-Porzellan und trank Mineralwasser. Jacques Chiracs Hund, ein weißes Malteser-Knäuel, bekam angeblich eine Depression, als er den Palast verlassen und fortan in einer gemeinen Wohnung residieren musste.

Gut, wir wissen noch nicht, wie es mit Nemo weitergeht, aber außer seinem schicken roten Halsband, das sehr schön zu seinem schwarzen Fell passt, sind noch keine Extravaganzen bekannt geworden. Sein Herr gilt als Meister der Inszenierung. Bei allem Pomp, den er so liebt, muss Macron aber zusehen, dass er auf dem Teppich bleibt, dass er sich zumindest sympathisch, bescheiden, mit einem Wort: volksnah gibt. Und das geht mit Hund perfekt, vor allem mit einem aus dem Tierheim. Da machte Emmanuel Macron schon wieder etwas, das noch keiner seiner Vorgänger getan hat. Wenn der französische Staatspräsident einen Hund aus dem Tierheim holt, ist das ein Zeichen und selbstverständlich alles andere als Zufall. Madame Macron schilderte, worauf es ankam: „Der Hund sollte freundlich sein, vor allem kinderlieb, damit er mit den Enkeln zurechtkommt und umgekehrt.“ Rasse, Alter, Herkunft, alles war unwichtig.

Frankreich wäre nicht Frankreich, wenn der Hund des Präsidenten nicht auch die Denker der Grande Nation zu tiefschürfenden Analysen inspiriert hätte. So hat etwa Philippe

Moreau Chevrolet, Professor für Kommunikation an der Hochschule für Politik in Paris, einen interessanten Ansatz zu Nemo gefunden: „Der Präsident ist in der Lage, die Natur zu beherrschen, er wirkt menschlich und er zeigt Mitgefühl.“ Des Weiteren vermittle allein der Name Nemo, Macron sei gebildet und habe ein Herz für Kinder. Falls hinter der Aktion tatsächlich Kalkül steckt, ist die Rechnung jedenfalls aufgegangen.

Angeblich wurde Nemo in zwei Tagen sozialisiert, also Élysée-tauglich gemacht. Er kapiert wohl recht schnell. Incroyable, unglaublich. Wäre da nicht die Sache mit dem Kamin gewesen. Emmanuel Macron hatte ein Arbeitstreffen mit Kabinettsmitgliedern in einem goldenen Salon, das Treffen wird für das französische Fernsehen aufgezeichnet. Da gibt es ein ziemlich eindeutiges Geräusch: Nemo pinkelt in das prachtvolle Innenleben eines barocken Marmorkamins, markiert sein Terrain. Alle lachen sich halb tot, am meisten Macron selbst. „Passiert das öfter?“, fragt der Wirtschaftsminister amüsiert. Macron antwortet: „Oh nein, Sie haben da in meinem Hund ein ganz unübliches Verhalten ausgelöst.“ Voilà, der perfekte Emmanuel, so hieß er schon als Kind, nie um eine Antwort verlegen.

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