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INTERVIEW Marsch nach Hause

22.01.2018

Viele Soldaten nehmen auf Auslandseinsätzen einen Straßenhund auf. Ihn mit in die Heimat zu bringen, erlaubt kaum eine Armee. Der Brite Pen Farthing, 49, gründete daher den Hilfsverein Nowzad.

DOGS: Herr Farthing, Ihr Verein hilft tierliebenden Soldaten auf besondere Art. Wie kam es dazu?

Pen Farthing: Ich habe zwanzig Jahre lang in der britischen Armee gedient. Von 2006 bis 2007 war ich in Afghanistan stationiert, in einem entlegenen Ort namens Now Zad. Eines Tages fand direkt vor unserer Basis ein organisierter Hundekampf statt. Nachdem wir ihn unterbunden hatten, war da dieser Hund, der mir nicht mehr von der Seite wich. Ich nannte ihn Nowzad. Viele dieser Straßenhunde haben ein elendes Leben. Noch nie hatte sich ein Mensch für sie interessiert. So kam es, dass Nowzad und ich uns anfreundeten, er wurde mein Hund.

DOGS: Warum durften Sie Nowzad nach Ende Ihres Einsatzes nicht mit nach England bringen?

Pen Farthing: Die Armee hat strenge Regeln. Transportiert werden nur Soldaten und Marschgepäck, wozu ein Straßenhund nicht zählt. Außerdem fürchtet man sich davor, Krankheiten einzuschleppen. Das ist nicht nur in Großbritannien so, sondern bei den meisten Armeen der Welt. Für viele Soldaten, die sich im Ausland mit Hunden anfreunden, ist das ein Riesenproblem. Was wird aus ihren Hunden, wenn sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr da sind? Nowzad musste ich in einem afghanischen Taxi außer Landes schmuggeln.

DOGS: Wie genau hilft Ihre Organisation weiter?

Pen Farthing: Wir betreiben eine Hundeklinik und eine Auffangstation in Kabul, die erste überhaupt in dem Land. Dort können Hunde, Katzen und neuerdings auch Esel medizinisch untersucht und geimpft werden. Die Tiere können dort so lange bleiben, bis wir genügend Spenden für einen Heimflug zusammenhaben. Auf diese Weise konnten inzwischen tausend Veteranen mit ihren Hunden zusammengeführt werden. Meist handelt es sich um Briten, aber es waren auch viele Amerikaner, Kanadier, Australier, Südafrikaner, auch Deutsche dabei. Die Klinik in Kabul hilft auch den Ein- heimischen, denn sie steht allen offen. Und sie bietet unseren hoch qualifizierten Tierärzten einen Arbeitsplatz, darunter drei Frauen, was in Afghanistan immer noch eine Besonderheit ist.

DOGS: Warum setzen Sie sich überhaupt dafür ein, die Tiere aus ihrer Heimat auszufliegen? Immerhin sind sie dort zu Hause.

Pen Farthing: Wir sind nicht nur in Afghanistan aktiv, sondern auch im Irak, in Libyen, in Kuwait und der Ukraine. Die Probleme ähneln sich, und die Straßenhunde haben meist nur ein sehr kurzes Leben. Sie sind ständig damit beschäftigt, Futter zu suchen. Sie leiden unter Krankheiten und unter Menschen, die sie nicht gut behandeln. Hinzu kommen extrem kalte Winter und extrem heiße Sommer. Das Gleiche gilt für Katzen, die unter Tollwut und anderen ansteckenden Krankheiten leiden. Wenn wir diesen Tieren helfen, tun wir nicht nur ihnen etwas Gutes, sondern auch den Menschen vor Ort.

DOGS: Vom wilden zum heimischen Leben, das ist nicht einfach. Wie meisterte es Nowzad?

Pen Farthing: Anfangs war er total verängstigt, sobald laute Geräusche zu hören waren. In Afghanistan war er bei mir gewesen, als wir beschossen wurden, so etwas kann weder ein Mensch noch ein Hund vergessen. Deshalb hatte er an Silvester immer besonders große Angst. Auch bei Fehlzündungen bei einem Auto ist er am An- fang immer erschrocken. Doch wir haben zusammen daran gearbeitet und ihn an die Geräusche der Stadt gewöhnt. Mit Leckerchen!

DOGS: Wie geht es Nowzad heute?

Pen Farthing: Er ist dieses Jahr leider gestorben. Das macht mich traurig, aber ich empfinde auch sehr große Dankbarkeit, ihn gehabt zu haben. Sein Erbe lebt in unserer Arbeit weiter. Bei jedem Hund, den wir vermitteln, denke ich an Nowzad.

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