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WISSEN Wie schlau sind Hunde?

Sarah Heider

Hunde gelten als besonders klug. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts hat über ihre Intelligenz herausgefunden: Im Kommunizieren sind Hunde Meister.

Perspektivenwechsel

Nana muss nicht lange überlegen, welchen der beiden Bälle sie Juliane Bräuer bringt. Zielsicher hebt sie den richtigen auf und bringt ihn der Forscherin. In diesem Experiment des Max-PlanckInstituts für Menschheitsgeschichte in Jena geht es darum, ob Hunde sich vorstellen können, was ihr Gegenüber sehen kann und was sich außerhalb seines Blickfelds befindet. Den ersten Versuch hat die Border-Collie-Hündin Nana mit Bravour gemeistert.

Zwei Bälle lagen hinter zwei Barrieren, einer durchsichtigen und einer, die der Forscherin den Blick auf den Ball versperrte. Nana saß Juliane Bräuer gegenüber, sodass sie beide Seiten des Balls sehen konnte. Dann gab Bräuer der Hündin das Kommando „Bring!“, ohne genau zu definieren, welchen Ball sie meint. Um Nana keinen nonverbalen Hinweis zu geben, schaute sie starr zur Wand. Tatsächlich entschied sich Nana, genau wie viele andere Hunde, häufiger für den Ball, der vor der transparenten Barriere lag.

Das deutete darauf hin, dass die Hunde verstehen, dass der Mensch nur diesen Ball meinen konnte, weil der andere außerhalb seines Blickfelds lag. Um auszuschließen, dass die Hunde die durchsichtige Barriere aus anderen Gründen bevorzugten, etwa weil das Spielzeug dort heller aussah oder weil sie beim Apportieren den Menschen besser im Blick hatten, wurden einige Anschlusstests durchgeführt. In einer Runde saß der Mensch auf der Seite des Hundes, sodass er beide Bälle sehen konnte, in einer anderen saß er mit dem Rücken zu den Bällen und konnte keinen sehen. In beiden Fällen hatten die Vierbeiner keine Präferenz mehr. Dieses Ergebnis zeigt, dass Hunde wirklich eine gewisse Vorstellung davon haben, was der Mensch sehen kann, was eine enorme kognitive Leistung ist.

Ob sie die idealen Partner für das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ sind, bleibt fraglich. Dafür sind sie besonders gut darin, Blickkontakt zu erkennen. In einem Versuch wurde einem Hund ein Leckerli vor die Füße gelegt, ihm war aber verboten, es zu fressen. Anschließend variierte der Mensch sein Verhalten. Mal drehte er sich nur weg, mal setzte er sich auf einen Stuhl und beschäftigte sich mit einem Gameboy, dann verließ er den Raum. In jedem Fall galt seine Aufmerksamkeit nicht dem Tier. Sobald sie sich unbeobachtet fühlten, machten sich die Hunde über das Fressen her. Schaute der Mensch sie jedoch an, hielten sie sich meist zurück. Auch zwischen offenen und geschlossenen Augen können die Vierbeiner unterscheiden, was eine bemerkenswerte Fähigkeit ist.

Handgesten deuten

In der menschlichen Kommunikation sind Handgesten fest verankert. Forscher gehen sogar davon aus, dass sie älter sind als die verbale Sprache. Lange war es zudem wissenschaftlicher Konsens, dass Menschen die einzigen Lebewesen sind, die diese Zeichen deuten können. Selbst unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, können mit dieser Kommunikation nichts anfangen. In einem Experiment saß ein Schimpanse vor zwei umgedrehten identischen Bechern. Nur unter einem von beiden befand sich Futter. Ein Mensch saß mit dem Affen im Raum und zeigte auf den richtigen Becher. Der Schimpanse war jedoch nicht in der Lage, diese Hilfe zu erkennen.

Ganz anders sieht das bei Hunden aus. Im gleichen Versuch entschied sich die große Mehrheit für den richtigen Becher. Woher kann der Hund das? Hat er unsere Zeichensprache im Welpenalter gelernt wie eine Fremdsprache oder ist ihm diese Fähigkeit angeboren? Um das herauszufinden, wurden Welpen im Alter von sechs bis sechzehn Wochen demselben Test unterzogen. Tatsächlich nutzten alle Welpen den Hinweis gleich gut und wählten den richtigen Becher aus. Das deutet darauf hin, dass ihnen die Fähigkeit, unsere Gesten zu deuten, angeboren ist. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Fähigkeit im Laufe der Domestikation entstand.

Soziales Lernen

Soziales Lernen bedeutet, andere zu beobachten und das Gesehene nachzuahmen. Menschen lernen hauptsächlich so, Tiere tun sich damit jedoch ziemlich schwer. Wie gut schneiden Hunde dabei ab? In einer Studie lernte die Modellhündin Mora ein bestimmtes Kommando: Auf den Befehl „Giuseppe“ legte sie sich hin. Dieses Kommando führte sie vor den Augen eines anderen Hundes mehrfach aus und wurde dafür belohnt. Insgesamt wurde der Versuch mit zweihundert Hunden in verschiedenen Bedingungen durchgeführt. Keiner der Vierbeiner war jedoch in der Lage, das gezeigte Verhalten zu imitieren.

Logische Zusammenhänge

Auch logische Zusammenhänge in ihrer belebten Umgebung zu erkennen, fällt den Kaniden schwer. Im Experiment wurde ihnen Futter gezeigt, das danach außerhalb ihres Blickfeldes in eine Dose gelegt wurde. Dem Hund wurden zwei identische Dosen vorgesetzt, wieder befand sich in nur einer das Futter. Als Tipp wurde diesmal die gefüllte Dose geschüttelt. Doch die Hunde waren nicht in der Lage, das Klackern des Futters als Hinweis zu deuten. Nachdem die Dose wieder abgestellt wurde, entschied sich die Mehrheit für den falschen Becher.

Im Gegensatz zum Hund können laut Studien neben Menschenaffen und Papageien auch Wölfe den Zusammenhang zwischen Geräusch und Futter herstellen. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied, der wohl ebenfalls etwas mit der Domestikation zu tun hat.

Fazit

Alle Versuche zeigen, dass der Hund während der Domestikation stark auf den Menschen geprägt wurde und sich immer mehr an das humanoide Umfeld gewöhnt hat. Er muss sich nicht mehr selbst um sein Futter kümmern, das übernimmt jetzt der Mensch für ihn. Daher hat der Hund während der Domestikation auf der einen Seite einige kognitive Fähigkeiten, wie logische Zusammenhänge erkennen, verloren, auf der anderen Seite allerdings auch viele neue Fähigkeiten erworben. Seine Probleme löst er nicht kognitiv, sondern kommunikativ, daran ist er ein einzigartiger Experte. Besonders in der Kommunikation mit dem Menschen und seiner Zeichensprache ist er ein echter Fachmann.

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