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NACHWUCHS Plötzlich war ich Züchter

Harald Braun

Sabine und Harald Braun lebten munter auf dem Land zusammen mit Klärchen, einer Magyar-Vizsla-Hündin. Sie bastelten eifrig an einer Australienreise und einem Winter in der Sonne. Doch Klärchen hatte eigene Pläne.

Was würden Sie denken, wenn Ihr Hund plötzlich beginnt, im ganzen Haus Nester zu bauen? Wenn er sich in einem Moment wahnsinnig schmusig und im nächsten ungewohnt zickig verhält? Wenn seine Zitzen beginnen, sich von „unauffällig“ in „ziemlich prominent“ zu verändern? Sie würden vermutlich denken: „Der Hund ist trächtig.“ Haben wir auch im ersten Moment getan. Die Signale waren ja eindeutig. Fehlte nur noch, dass Klärchen sich Fischdosen einverleibt und Balladen von Cat Stevens hört. Doch andererseits wussten wir ja, dass das nicht sein konnte. Schließlich war Klärchen während der Stehtage ihrer Läufigkeit die ganze Zeit bei Tim und seinem Rüden Herbert gewesen, ihrem Traumsitter-Duo, während wir für einen Job in Afrika weilten. Meine Frau ist Fotografin, ich selbst reihe Wörter aneinander und werde dafür bezahlt. Es ist Klärchen manchmal schwer zu erklären, warum sie schon wieder bei Tim und Herbert bleiben soll, aber ab Tag zwei im Hundeparadies, das behauptete jedenfalls Tim, hat sie uns immer schon vergessen. Außerdem sagte Tim auf unsere besorgte Frage nach besonderen Vorkommnissen während unserer Abwesenheit: „Nö. Wir haben aufgepasst!“ Nur Herbert schlich sich gleich hinters Sofa und legte (schuldbewusst?) den Kopf auf seine Vorderpfoten. Das hätte uns gleich stutzig machen sollen.

Wir wähnten uns volle zwei Wochen in Sicherheit und trieben unsere Winterreise voran: planten einen beruflich bedingten Australientrip, buchten Unterkünfte, kauften Flugtickets. Was man so macht an trüben Herbsttagen, während der Hund abwechselnd buddelt, winselt und Nester baut. Das wurde uns irgendwann zu bunt: „Lass uns mal zum Tierarzt“, meinte meine Gattin, „vielleicht hat Klärchen ja eine Winterdepression.“ Wer in Schleswig-Holstein lebt, weiß, dass das eine glaubwürdige Option ist. Das hielt auch unser Tierarzt für möglich. So lange, bis er Klärchen schallte. „Wohin wollen Sie noch mal fahren?“, erkundigte er sich freundlich. Ach, Australien, schön. Dann nickte er. Wir hielten das für eine positive Rückmeldung. Bis er sagte: „Also drei kann ich im Ultraschall schon sehen!“ Drei! Kann! Er! Schon! Sehen! WAS denn? Oh Gott. Oh nein. Oh scheiße!

Es dauerte ein paar Sekunden, bis wir die Tragweite seiner Worte überrissen. Australien konnten wir vergessen. Aber viel wichtiger, nachhaltiger, emotionaler war: Wir würden Welpen haben. Also Klärchen. Das hatten wir zwar vage geplant, aber für später. Viel später. Irgendwann! Und jetzt mussten wir eine Schwangerschaft begleiten, eine Geburt vorbereiten, Klärchen beistehen und ihre Kleinen fast drei Monate auf das Leben vorbereiten. Wir haben keine Kinder. Wir haben auch keinen Plan. Wer uns ein paar Minuten später durch die schleswig-holsteinische Landschaft wanken sah, muss gedacht haben, dass wir zum Ensemble eines Zombiefilms gehörten. In den nächsten Wochen lasen wir alles über die Trächtigkeit von Hündinnen, sahen Klärchen dabei zu, wie sie von Tag zu Tag an Umfang zulegte, und schauten uns Röntgenbilder an, auf denen unser Tierarzt bereits SIEBEN! erkennen konnte. Sieben Welpen? Auweia. Der vermutliche Geburtstermin müsse so um Neujahr herum liegen, teilte er uns noch mit und: „Viel Erfolg!“ HILFE! Auf unsere zarte Anfrage, ob er bei der Geburt nicht zugegen sein könne, nur so zur Sicherheit, lachte der herzlose Medizinmann bloß spöttisch. „Das schafft Klärchen von ganz allein, alles Instinkt, machen Sie sich da mal keine Sorgen.“ Der Mann hat Nerven. Unser Klärchen war gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Unser Hund weiß nicht mal, dass Katzenfutter den Katzen gehört, obwohl wir es ihm zweimal am Tag erklären. Wie sollte er denn wissen, was man tun soll, wenn sich zum ersten Mal so ein kleines Würmchen aus ihm herausdrängelt?

In den nächsten Wochen beobachteten wir Klärchen argwöhnisch. Offenbarten sich da bereits Veränderungen der Wesensart, war da eine gewisse Grundmütterlichkeit zu erkennen? Eher nicht. Kurz vor Weihnachten holten wir die schicke Wurfkiste ab, in der schon Klärchen selbst auf die Welt gekommen war, besorgten Unmengen von weißen Laken, eine Wärmelampe und Beruhigungstabletten. Die waren für uns. Am ersten Weihnachtstag behauptete meine Gattin, Klärchen verhalte sich komisch. Wir reisten überstürzt aus dem dreihundert Kilometer entfernten Heim meiner Schwiegereltern ab, um keine Autorücksitzgeburt zu riskieren. Dann passierte drei Tage gar nichts, wenn man davon absieht, dass meine Frau und ich IN der Wurfkiste saßen und der Hund davor. Uns war aufgetragen worden, Klärchen an die Kiste zu gewöhnen, damit sie ein „positives Gefühl“ dafür entwickelte. Ihr aber schien nicht klar zu sein, was sie darin sollte, wo doch Sofas überall im Haus verteilt stehen? Dann, es waren noch drei Tage bis Silvester, schubberte unser Hund plötzlich sehr zielstrebig an uns vorbei und legte sich wie selbstverständlich in die Wurfkiste. Wir trauten unseren Augen nicht. Freiwillig hatte sie das noch nie gemacht. Es sollte nicht die einzige Premiere an diesem Nachmittag bleiben.

 

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Anke Schilling

2018.08.10 um 07:28 Uhr

Kann mich nur anschließen. Ich selbst bin Züchterin. In einem seriösen Verein mit ausgewählten, bestens untersuchten Tieren. Das was Sie erlebt haben, ist sicher eine schöne Erfahrung, aber deswegen noch lange nicht gut. Es wäre schön, wenn sich die Redaktion mal mit dem wahren Leben eines echten Züchters/einer echten Züchterin auseinander setzen könnte. Gerade weil viele Rassen Probleme haben, denen sich die Züchter mit Ihrer Arbeit annehmen möchten. Beim Züchten geht es nicht darum, weitere Hunde zu produzieren, sondern die Rasse weiterzubringen. DAS ist das eigentliche Ziel einer Zucht.

Christine Weisner

2018.07.21 um 14:26 Uhr

Liebe Familie Braun, dieser Artikel auf dem Deckblatt einer seriösen Hundezeitung geht gar nicht. Unter Zucht verstehe ich etwas anderes und nicht das versehentliche Vermehren. !! Auch finde ich doppelseitiges Foto einer eingefärbten Pudelhündin in Rosa nicht lustig. Das Poster ist. m. E. ein Witz und ich kündige mein langjähriges Abo, da mir lesenswerte Artikel fehlen.

moses

2018.08.09 um 11:19 Uhr

Oh Frau Oh Frau , da fühlt sich eine auf den Schlips getreten. Deshalb gleich das Abo kündigen ? Da frage ich mich doch, wer hier ein wenig Bluna ist

Stefan Weiß

2018.07.21 um 11:12 Uhr

Liebe Leute,

das ist ja ein netter Artikel, aber ein "Züchter" ist was ganz anderes.

Ein Züchter ist
- in einem seriösem Verband organisiert
- besucht Kurse um etwas zu Thema Zucht zu lernen
- schaut das seine Hündin gesund ist, ED, HD z. B.
- macht bei seinem Verband eine Zuchtabnahme, Prüfung ob der Hund tauglich ist
- der Verband kontrolliert ob die Zuchtstätte geeignet ist
- sucht sich verantwortungsvoll einen geeigneten Rüden aus
- der Verband nimmt die Welpen ab und gibt ihnen Papiere
- ist später immer wieder für die Erwerber der Welpen da und nimmt im ungünstigsten Fall einen Welpen zurück.

Das was Ihr in dem Artikel beschreibt ist ein Hoppla Wurf, wie es auch bei Vermehrern geschieht - ich will den beiden Personen das nicht vorwerfen. . Auch wenn alles gut gegangen ist, mit Zucht hat das nichts zu tun!

Beste Grüße

Stefan Weiß

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